Sawiris hat in Andermatt bereits 300 Millionen Franken verbaut

Das Luxushotel The Chedi, der Golfplatz und das Podium mit 42 Mehrfamilienhäusern nehmen Gestalt an.

Bald «Premium-Ganzjahresdestination»: Noch aber gleicht das Baugelände einer Mondlandschaft voller Kräne.

Bald «Premium-Ganzjahresdestination»: Noch aber gleicht das Baugelände einer Mondlandschaft voller Kräne.

(Bild: Reuters)

René Staubli

Das Dorf oberhalb der Schöllenenschlucht sei auf dem Weg zur «naturerlebnisreichsten Premium-Ganzjahresdestination des Schweizer Alpenraums», heisst es auf einer grossen Werbetafel. Andermatt werde zum «schweizweiten Marktleader für die Befriedigung der Luxusbedürfnisse von morgen, sprich dem Verlangen nach Ruhe, Raum, Aufmerksamkeit, Sicherheit und Gesundheit».

Im Zeitplan

Während der Beobachter den hoffnungsvollen Text auf sich wirken lässt, dröhnt ein Helikopter im Tiefflug über die Dächer und landet auf dem nahen Kasernenareal. Die jahrzehntelange feldgraue Vergangenheit hockt noch in jeder Ecke des Bergdorfs und behauptet sich insbesondere in allzu vielen tristen Gaststätten. Der Weg zur eleganten Feriendestination scheint noch weit, auch wenn sich die Zukunft in gewaltigen, fast übermächtigen Rohbauten bereits zeigt. Andermatt ist ein riesiger, lärmiger Werkplatz, auf dem der ägyptische Investor Samih Sawiris morgen oder spätestens übermorgen seine Träume und ambitiösen Geschäftspläne verwirklichen will.

Auf den Giebeln des 5-Stern-Superior-Hotels The Chedi setzen Dachdecker die letzten Ziegel, die Fenster sind montiert, die Fassadenbauer werden demnächst erwartet. Im Innern sind gegen 150 Arbeiter damit beschäftigt, die Wandverkleidungen anzubringen und die Böden zu verlegen. 500 bis 800 Franken wird eine Nacht im Standard-Doppelzimmer (52 Quadratmeter) kosten, wenn das Hotel Anfang der Wintersaison 2013/14 die ersten Gäste empfängt. Das grösste Penthouse, das zum Verkauf steht, ist 555 Quadratmeter gross. Zeitlich sei man im Plan, sagt die Bauleitung.

Schöne Aussicht, jahrelanger Baulärm

Der Zeit voraus scheint der Schaffhauser Industrielle Giorgio Behr zu sein. Er hat sich als Erster eine der 25 geplanten Luxusvillen an der Reuss gesichert. Sein Bau in Form eines Granitblocks entsteht auf der besten Parzelle – dort, wo die Unteralpreuss in die Reuss einmündet. Die Mauern stehen bereits vier Meter hoch, Arbeiter setzen Backsteine. Erkennbar ist, dass Behr dereinst durch riesige Fenster auf den Golfplatz und Richtung Gotthard blicken wird.

Emsige Bautätigkeit herrscht auch auf dem grossen Podium, das auf 1100 Pfählen ruht und im Endausbau 42 Häuser mit insgesamt 490 Eigentumswohnungen tragen soll. Die beiden ersten Häuser wachsen aus dem Betonfundament empor, eines bereits zwei Stockwerke hoch. Die Besitzer werden eine schöne Aussicht geniessen können, aber sie werden auch jahrelangen Baulärm ertragen müssen. Denn die Luxusvillen, für die Sawiris dringend Käufer sucht, werden zwischen Reuss und Podest zu stehen kommen.

Das Baugelände wirkt noch wie eine Mondlandschaft. Ennet der Reuss lagern Schutt- und Steinberge. Dahinter entdeckt der Beobachter frisch gemähte Wiesen und bald schon die ersten Fairways des Golfplatzes, der eine Fläche von 1,3 Millionen Quadratmetern abdecken wird. Die 18-Loch-Anlage (Par 72) ist so gut wie gebaut. Gärtner ritzen mit Maschinen die millimeterkurzen Greens an und säen nach. Die Bunker sind ausgehoben und teils schon mit Sand gefüllt.

Verkäufe über 134 Millionen

Eindrücklich, welche Vorleistungen Sawiris in dieser wilden Gegend auf eigenes Risiko erbringt. Die Andermatt Swiss Alps AG (ASA) hat bereits 300 Millionen Franken verbaut. Zudem ist sie vertraglich verpflichtet, ein Sportzentrum mit Hallenbad zu errichten. Um innert nützlicher Frist eine attraktive Skiarena realisieren zu können, hat Sawiris kurzerhand die Bergbahnen von Andermatt und Sedrun gekauft. Für 130 Millionen Franken will er die Skigebiete zusammenführen und die Bahnen modernisieren.

Vorderhand hinken die Einnahmen den Ausgaben nach. Vor einem Jahr vermeldete die ASA Verkäufe für 115 Millionen Franken und Reservationen für weitere 22,5 Millionen. Mitte Februar wurden die Verkäufe mit 134 Millionen Franken und die Reservationen mit 53 Millionen angegeben.

Der frühere Geschäftsleiter Gérard Jenni sagte einmal: «Der Verkauf ist das Blut bei der Entwicklung unseres Resorts.» Wie es aktuell um die Blutzufuhr steht, gibt Sawiris’ Orascom Development Holding, die Muttergesellschaft der ASA, heute Morgen in Altdorf bekannt.

Tages-Anzeiger

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