Sawiris fehlt einheimisches Personal

Das Hotel The Chedi in Andermatt sucht 180 Mitarbeiter. Doch zu wenig Einheimische zeigen Interesse. Woran liegt das?

Hier fehlen noch Arbeitskräfte: Hotel The Chedi in Andermatt.

Hier fehlen noch Arbeitskräfte: Hotel The Chedi in Andermatt.

(Bild: Keystone)

Simon Schmid@schmid_simon

Bald geht das Sawiris-Hotel The Chedi im Kanton Uri auf Roadshow. Ziel der Tournee: einheimisches Personal für 180 neue Stellen in Andermatt finden. Die Werbeanlässe werden organisiert, weil sich beim Fünfsternehotel vorwiegend Ausländer und Arbeitskräfte aus der gesamten Schweiz melden, aber kaum Personen lokaler Abstammung. «Wir wollen auch Urner», sagte Hoteldirektor Stefan Noll am Montag zur «Neuen Urner Zeitung», die das Thema aufgriff. Nun läuft die Suche auf Hochtouren für das Fünfsternehotel, dessen Eröffnung diesen Winter bevorsteht.

Ob sich in der kurzen Zeit genügend Urner Gastronomiepersonal auftreiben lässt? «Wir sind ein sehr attraktiver Arbeitgeber», sagt Stefan Noll auf Nachfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnetz. Noll sagt, die Löhne seien absolut auf dem Niveau anderer Fünfsternehotels. Eine eigentliche Urner-Quote strebe man auch nicht an, so Noll. Doch das Hotel solle einen einheimischen Charakter erhalten: Man suche Menschen, die sich mit dem Dorf, der Region und dem Tourismusprojekt identifizieren würden. «The Chedi ist ein einzigartiges Hotel», sagt der Manager.

Ein Leben in Abgeschiedenheit

Laut dem Leiter Tourismus an der Hochschule Luzern, Urs Wagenseil, könnte der Pioniercharakter des Resorts in Andermatt durchaus ein Pluspunkt bei der Rekrutierung von Arbeitskräften sein. «Den Aufbau des Projekts mitzugestalten, ist eine einmalige Gelegenheit.» Dass die ägyptische Herkunft der Geldgeber oder auch die kritischen Medienberichte zum Resort zum Mangel an lokalen Bewerbungen im Chedi beitragen, glaubt Urs Wagenseil nicht.

Trotzdem ist der Touristiker zurückhaltend. «Vermutlich gibt der lokale und regionale Arbeitsmarkt gar nicht so viel her», sagt er. Die Arbeitslosigkeit in Uri ist minimal. Der Kanton zählt offiziell gut 35'000 Einwohner, die meisten davon wohnen im Gebiet rund um Altdorf. Sollen sie täglich vom Tal her nach Andermatt pendeln? Oder besser gleich ins 1300-Seelen-Dorf ziehen? Nach Personalhäusern haben sich die Betreiber des Chedi jedenfalls bereits umgeschaut.

Das sei eine gute Idee, meint Rolf Tinner. Er ist Vizedirektor des Posthotels in Weggis, eines Viersternehauses, das nicht allzu weit von der Stadt Luzern entfernt ist. Tinner sieht in der Abgeschiedenheit des Bergdorfs Andermatt ein Problem. Auch Andreas Züllig, Direktor des Hotels Schweizerhof in Lenzerheide und Vorstandsmitglied bei Hotelleriesuisse, spricht denselben Punkt an. «Den Mitarbeitern ist das Umfeld wichtig», sagt er. «Einkaufen, Verkehrsanbindung, Ausgang.» Das sind Dinge, die auf Anhieb kaum mit Andermatt in Verbindung gebracht werden.

Wenn der Berg ruft

«Jeder Hotelier hat den Wunschtraum, mit einheimischen Mitarbeitern auch Lokalkolorit in sein Haus zu holen», sagt Tourismusexperte Urs Wagenseil. In der Realität sind die Hoteliers aber auf Auswärtige und Ausländer angewiesen, besonders im saisonalen Geschäft. «Es ist illusorisch, nur Schweizer einstellen zu wollen», sagt Posthotel-Direktor Rolf Tinner. Der Manager des Schweizerhofs beschäftigt in Lenzerheide bloss eine Handvoll Mitarbeiter mit Wurzeln in Graubünden. An der Reception arbeiten vorwiegend Schweizer, im Reinigungsdienst und in der Küche praktisch nur Ausländer.

Alle Befragten betonen, dass die neuen Tourismusbetriebe in Andermatt eine Weile brauchen würden, um das Urner Reservoir an Arbeitskräften anzuzapfen. «Mit der Zeit wird sicher der eine oder andere Heimweh-Urner von irgendwo her den Weg nach Andermatt finden», meint Hochschuldozent Urs Wagenseil. Gemeint sind Einwohner aus dem Bergkanton, die ins Unterland gezogen sind und sich dort niedergelassen haben. Ähnlich stellt sich Andreas Züllig die Entwicklung vor. «Kommt erst einmal Leben ins Dorf, so gehen die Dinge wie von selbst», sagt er.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt