Ruag lanciert Schutzbrille gegen Laserattacken

Der bundeseigene Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag hat eine Schutzbrille gegen Laserattacken entwickelt. Die SBB sind interessiert und wollen diese auf ihre Tauglichkeit prüfen.

Neues Ruag-Produkt: Ein Pilot der Air Zermatt schützt sich mit der Schutzbrille gegen Angriffe mit Laserpointern.<p class='credit'>(Bild: zvg/Ruag)</p>

Neues Ruag-Produkt: Ein Pilot der Air Zermatt schützt sich mit der Schutzbrille gegen Angriffe mit Laserpointern.

(Bild: zvg/Ruag)

Stefan Schnyder@schnyderlopez
Jon Mettler@jonmettler

In den letzten Monaten haben sich Meldungen gehäuft, dass sich vorwiegend jugendliche Täter einen gefährlichen Spass daraus machen, Lokführer und Piloten mit Laserpointern zu blenden. Bei der SBB haben solche Vorfälle auch schon dazu geführt, dass geblendete Lokführer den Zug anhalten mussten. Zahlen zur Anzahl der Vorfälle will die Bahn nicht nennen.

Nun wartet der bundeseigene Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag mit einer Lösung für das Problem auf: Die neue Schutzbrille Multilaser Protector schützt laut Ruag gegen die Blendungen aller handelsüblichen Laserpointer. Die Brille reflektiert das Laserlicht zu 100 Prozent. Dies hat auch zur Folge, dass das Opfer den Laserlichtkegel nicht sehen kann. Ruag betont, dass die Brille eine Lichtdurchlässigkeit von 40 Prozent zulasse und nur zu einer «geringen Beeinträchtigung» der Farbwahrnehmung führt.

Stückpreis von 500 Franken

Die Ruag wird die neue Brille mit dem Handelsunternehmen Unico Graber AG in Hölstein BL vertreiben. Der Preis wird bei rund 500 Franken pro Stück liegen. Grossabnehmer erhalten Mengenrabatt. Die Ruag zielt darauf ab, die Schutzbrille bei der Polizei sowie bei Bahn- und Flugunternehmen abzusetzen. «Es besteht konkretes Interesse aus allen Bereichen», sagt Ruag-Sprecher Jiri Paukert.

Eine mögliche Abnehmerin für die neuen Brillen sind die SBB. Für die Bahn ist die uneingeschränkte Farbwahrnehmung entscheidend. Die Lokführer müssen auch mit Schutzbrille die Farben Rot und Grün voneinander unterscheiden sowie im Führerstand die Farben der Anzeigen ungetrübt wahrnehmen können. Wie Firmensprecher Christian Ginsig erklärt, wird die SBB ein halbes Dutzend solcher Brillen kaufen und testen, ob diese die Versprechen der Herstellerin erfüllen. Die SBB haben bereits Tests mit Fensterfolien durchgeführt, welche die Lokführer vor Laserattacken schützen sollen. Doch diese erwiesen sich als zu wenig farbdurchlässig.

Offen ist, ob die neue Brille bei der BLS ebenfalls zum Thema wird. Die Fachspezialisten waren gestern abwesend.

Die Berner Kantonspolizei evaluiert derzeit, wie sie ihre Polizisten gegen Laserattacken am besten schützt. Neben einer Brille steht auch die Beschaffung eines speziellen Helmvisiers zur Diskussion, wie Mediensprecher Andreas Hofmann sagt. In der Vergangenheit kam es bereits zu Laserattacken auf Polizisten. Diese mussten sich zur Kontrolle zum Arzt begeben. Bleibende Schäden trug bei diesen Vorfällen keiner davon. Zahlen nennt die Polizei indes keine.

Kein Interesse bei der Swiss

Klar ist die Sache dagegen bei der Swiss: Laut Mediensprecherin Myriam Ziesack plant die Fluggesellschaft nicht, solche Brillen anzuschaffen. Die Swiss hat ihren Piloten im Rahmen einer Sensibilisierungskampagne empfohlen, bei einer Attacke wegzuschauen und sich auf die Instrumente zu konzentrieren. Ziesack betont, dass technische Lösungen für Verkehrsflugzeuge bis jetzt nicht verfügbar seien.

Berner Zeitung

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