Rainer-Marc Frey, neuer UBS-Verwaltungsrat – Ein Mann mit goldenem Händchen

Die UBS hat einen ausgewiesenen Experten an Bord geholt, damit die Bank nicht nochmals von hochbezahlten Starbankern an den Abgrund geritten wird.

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Den Bankern kann nur einer auf die Finger klopfen, der das Investmentgeschäft selber sehr gut kennt. Einer, der willens und fähig ist, im Verwaltungsrat die richtigen bohrenden Fragen zu den Risiken zu stellen, wenn Topmanager ihre Starbanker gewähren lassen, solange die Gewinne steigen. Gemessen an diesem Jobprofil, kann man der UBS nur gratulieren zu ihrem neuen Aufseher Rainer-Marc Frey.

Der Pionier im Schweizer Hedge-Funds-Geschäft ist zwar erst 45, an Erfahrung aber schon uralt. Er war ein Ass im US-Investmentbanking und hat in 15 Jahren als Unternehmer zwei Investmentfirmen zum Milliardengeschäft aufgebaut.

Sohn eines Bankdirektors

Der Sohn eines Kantonalbankdirektors in Baselland wollte schon als Jugendlicher ins Finanzgeschäft und zahlte mit Silberspekulationen erstes Lehrgeld. Mit dem HSG-Abschluss in der Tasche lernte Frey in den USA bei den Investmentbanken Merrill Lynch und Salomon Brothers das Geschäft von der Pike auf. Schon dort fiel der Schweizer als extrem umtriebig auf, machte auf eigene Faust Businesspläne für Filialen in Zürich und Frankfurt und setzte diese in der Salomon-Zentrale in New York durch. Solche Lehrjahre erhöhen die Akzeptanz in einer Bank - für die Banker der UBS hat Frey den richtigen Stallgeruch.

Im Gegensatz zu Marcel Ospel, den er seit Merrill-Lynch-Zeiten kennt, kletterte Frey nicht einfach die Karrieleiter hinauf. Er stieg aus, als ein Skandal Salomon Brothers 1991 durchschüttelte. Und gründete mit zwei Partnern in Zug 1992 einen eigenen Hedge-Fund mit seinem Namenskürzel RMF.

Handel mit Nippon-Oblis

Weil sich damals in der Schweiz weder Versicherungen noch Banken gross für diese Art Fonds interessierten, die auch bei fallenden und seitwärts tendierenden Börsen Geld verdienen (wollen), hielt sich die Firma mit dem Handel japanischer Obligationen über Wasser.

Sechs Jahre dauerte die Durststrecke des inzwischen nach Pfäffikon am Zürcher Obersee gezügelten RMF. Oft mussten Frey und seine Mitstreiter bis zu einem Jahr auf einen Termin warten, bis sie ihre Produkte präsentieren durften. Einer der drei Partner stieg aus, und der grösste Kunde sprang ab, als sich der Erfolg nicht einstellen wollte. Sie seien oft belächelt worden, im privaten Umfeld hielt man ihnen vor, sie hätten mit RMF einen Riesenfehler gemacht.

Die Swiss Life steigt ein

Kurz vor dem Aus beteiligte sich die Swiss Life an RMF, weitere Versicherer folgten. Als 2001 die Internetblase platzte, waren marktneutrale Ansätze von Hedge-Funds plötzlich gefragt, die Credit Suisse kam mit einem 4-Milliarden-Mandat. 2002, als das Geschäft lief, verkaufte Frey RMF für 1,3 Milliarden Franken an die britische Man Group. Mit dem Erlös von 500 Millionen Franken baute der Vater dreier halbwüchsiger Kinder ein grösseres Haus und machte eine Weltreise, gründete 2004 aber bereits die nächste Investmentfirma, Horizon21, die heute mit 170 Leuten Milliarden verwaltet. Und er kaufte zehn Prozent am Ostasien-Handelshaus DKSH.

Kurz: Frey ist ein Mann mit einem Gold-Händchen. Einer mit diesem unternehmerischen Beharrungsvermögen tut der Grossbank gut. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2008, 15:58 Uhr

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