Post rüstet sich mit Robotern gegen Amazon und Zalando

Immer mehr Leute bestellen Waren im Internet. Und die Post kann wieder mehr Pakete verschicken. Doch Onlinegiganten wie Amazon bauen eigene Paketdienste auf. Im Kampf um Marktanteile setzt die Post auf Roboter.

Die Post baut ihre Aktivitäten im elektronischen Handel aus: Roboter helfen im Logistikzentrum in Oftringen dabei, Artikel zum Warenversand zu transportieren.

Die Post baut ihre Aktivitäten im elektronischen Handel aus: Roboter helfen im Logistikzentrum in Oftringen dabei, Artikel zum Warenversand zu transportieren.

(Bild: Keystone)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Ein Würfel von 4500 Kubikmetern und 35 Roboter sind der neue Stolz der Schweizer Post. Beides steht in einer grossen Lagerhalle in Oftringen AG. Bis zu 30 Roboter sind gleichzeitig im Einsatz, 5 Roboter tanken derweil Energie. Ihr Einsatzplan ist simpel: 20 Stunden arbeiten, 4 Stunden an der Ladestation.

Die Roboter, die aussehen wie Kisten auf Rädern, fahren ständig über den erwähnten Würfel, den Yellow Cube. Im Würfel lagern 32'000 Behälter verteilt auf 16 Ebenen. Daraus fischen die Roboter die jeweils benötigte, von einem Kunden via Internet bestellte Ware und transportieren diese zu einem Postmitarbeiter, der die Produkte verpackt und verschickt. Die Waren gehören verschiedenen kleinen und mittelgrossen Onlinehändlern, die ihre Lagerung und Logistik an die Post auslagern.

Mit dem Yellow Cube rüstet sich die Post für den Kampf gegen die grossen Internethändler Amazon oder Zalando im wachsenden E-Commerce-Markt. Die Internetgiganten sind für die Post sowohl Fluch und Segen.

Ein Segen deshalb, weil durch den Onlinemarkt der Paketversand in die Höhe schnellt. «Im vergangenen Jahr haben wir mit 114 Millionen Paketen einen neuen Rekord erzielt», sagt Dieter Bambauer, Leiter von Post-Logistics. In den letzen fünf Jahren habe die Paketmenge um zehn Prozent zugenommen.

Ein Fluch sind die grossen Online-Versandhäuser deshalb, weil sie die Post zunehmend im Paketgeschäft konkurrieren. Ihr Warenfluss ist derart gross geworden, dass es für sie zunehmend rentabel wird, einen eigenen Paketversand aufzubauen. In Deutschland vertreibt Amazon selber Pakete , und in Frankreich hat der Konzern 25 Prozent einer Zustellfirma gekauft. «In der Schweiz sind zurzeit noch keine Händler so gross», sagt Dieter Bambauer.

«Doch wir behalten die Entwicklung im Auge.» Beim Paketversand hat Amazon gegenüber der Post einen Vorteil: «Amazon verdient das Geld mit dem Inhalt der Pakete und nicht wie wir mit dem Versand», sagt Dieter Bambauer. Um die vorherrschende Marktposition beim Paketversand zu halten, müsse die Post für kleinere und mittlere Onlinehändler Mehrwerte schaffen.

Neun Firmen sind an Bord

Im neu eröffneten Yellow Cube in Oftringen will die Post im Kampf mit Amazon gleich lange Spiesse schaffen. «Hier können wir die Logistik verschiedener Onlinehändler bündeln und das Volumen erhöhen», erklärt Dieter Bambauer. Die dadurch erzielten Skaleneffekte würden den kleinen und mittleren Unternehmen weitergegeben. «Und für uns fallen immer weitere Pakete zum Versenden an.»

In der Lagerhalle in Oftringen jedenfalls hat es noch eine Menge Platz für Produkte von weiteren Onlinehändlern. Bisher nehmen neun Firmen das Angebot der Post in Kauf. Deren Namen hält die Post geheim. Die Post führt für die Onlinehändler das Lager, managt die Bestellungseingänge, verschickt die Pakete und kümmert sich auch gleich um die Retouren. Für die Zahlungsabwicklung bietet Postfinance ein Angebot. «Wir wickeln für den Onlinehändler das komplette Geschäft ab. Und er kann sich um seine Kunden und den Auftritt kümmern», sagt Postchefin Susanne Ruoff.

Auch die Post hat einen Vorteil

Um über Wachstumsziele und weitere Yellow-Cube-Eröffnungen zu reden, sei es noch zu früh. «Fragen sie mich in einem Jahr wieder», sagt Dieter Bamberger. «Alles andere wäre Lesen in einer Glaskugel.»

Doch Mut macht der Chefin, dass die Post gegenüber Amazon bei der Logistik ebenfalls einen Vorteil hätte: «Wir haben die komplette Angebotskette im Konzern», sagt Ruoff. Sie erwähnt das optimales Verteilnetz, die Abend- und Samstagszustellung oder die neuen Paketautomaten, wo die Kunden ihre Pakete rund um die Uhr selber abholen können. Bisher stehen 15 davon in der Schweiz, bis Ende Jahr sollen es 40 sein. Weitere sind geplant.

«So können die Kunden am Morgen im Zug auf dem Weg zur Arbeit übers Handy online bestellen. Und auf dem Heimweg holen sie die Pakete im Paketautomaten beim Bahnhof ab», sagt Ruoff. Dafür muss die Post ein hohes Tempo an den Tag legen. Die 35 Roboter, die über den Yellow Cube rollen, sollen ihr dabei helfen.

Berner Zeitung

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