Pharma-Boss erhöht Preis für Antibiotikum um 400 Prozent

Für Nirmal Mulye besteht eine «moralische Verpflichtung, Geld zu machen». Er verteidigt den verhassten Branchen-Kollegen Martin Shkreli.

Nirmal Mulye: Vervierfacht den Preis für ein Antibiotikum (Bild von 2014).

Nirmal Mulye: Vervierfacht den Preis für ein Antibiotikum (Bild von 2014). Bild: Youtube

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Martin Shkreli gilt als meistgehasster Mann Amerikas. Der als Pharma-Bro bekannte Unternehmer wurde 2015 berühmt, als seine Firma Turing Pharmaceuticals den Preis für das Aidsmedikament Daraprim von 13,50 auf 750 Dollar pro Pille anhob. Shkreli sitzt mittlerweile hinter Gittern – allerdings wegen Wertpapierbetrugs. Jetzt hat ein neuer Pharma-Bro seinen Platz eingenommen: Nirmal Mulye.

Der Chef der amerikanischen Pharma-Firma Nostrum Laboratories hat den Preis für ein Antibiotikum verfünffacht. Das Medikament Nitrofurantoin kostet neu statt 475 Dollar nun knapp 2400 Dollar. Nitrofurantoin wird eingesetzt, um Blasenentzündungen zu behandeln, und wird im US-Staat Missouri hergestellt. Es kommt in Tabletten- oder flüssiger Form und wird von der Weltgesundheitsorganisation als essenzielles Medikament klassifiziert. Nostrum stellt die flüssige Variante her.

Konkurrent noch teurer

Er habe den Preis dem Markt angepasst, sagt Mulye der «Financial Times». «Es ist eine moralische Verpflichtung, Geld zu machen, wenn man kann ... und das Produkt zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen.» Grund für die Erhöhung sei, dass Konkurrent Casper Pharma den Preis für ein Markenprodukt des Medikaments um 182 Prozent auf 2800 Dollar erhöht habe.

Man könne mit seinem Produkt also immer noch Geld sparen, so Mulye. Er vergleicht seine Entscheidung, den Preis zu erhöhen, mit der eines «Kunsthändlers, der ein Gemälde für eine halbe Milliarde Dollar verkauft». Er fügt hinzu, dass er in diesem Geschäft sei, um Geld zu machen.

«Müssen Geld verdienen»

Der Pharma-Manager verteidigt im Gespräch mit der «Financial Times» denn auch Pharma-Bro Martin Shkreli: «Ich stimme Martin Shkreli zu, dass es rechtmässig war, den Preis für sein Medikament anzuheben, weil er Aktionäre belohnen musste.» Shkreli habe den Preis für Darapramin derart erhöhen können, weil seine Firma die einzige war, die das Medikament herstellte.

«Wenn er der Einzige ist, der es verkauft, dann kann er so viel Geld wie möglich verdienen», so Mulye. «Es ist eine kapitalistische Wirtschaft, und wenn man kein Geld verdienen kann, kann man nicht im Geschäft bleiben.» Er fügte hinzu: «Wir müssen Geld verdienen, wenn wir können. Der Preis für iPhones steigt, der Preis für Autos steigt, Hotelzimmer sind sehr teuer.»

«Kein moralischer Imperativ, Patienten auszunützen»

Firmen wie Nostrum und Casper konnten der «Financial Times» zufolge die Preise derart steigern, weil die flüssigen Antibiotika derzeit knapp werden. Das, weil die US-Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde (FDA) neue Regeln bezüglich der Medikamente eingeführt hätte. Anbieter wie Nostrum hätten ihre Version des Arzneimittels vom Markt genommen und die Zusammensetzung geändert, um die neuen Richtlinien zu erfüllen.

FDA-Leiter Scott Gottlieb widerspricht dem auf Twitter: Das Mittel sei nicht auf der Liste der knappen Medikamente. Ausserdem gebe es andere Anbieter des Produkts. Und mit einem Seitenhieb auf Mulye: «Es gibt keinen moralischen Imperativ, Preise hochzutreiben und Patienten auszunützen.» Die FDA werde den Wettbewerb weiterhin fördern, sodass «Spekulanten und diejenigen, die keine Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben, keine Patienten ausnützen können, die Medikamente benötigen». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2018, 15:16 Uhr

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