Novartis-Chef rechtfertigt 475'000 Franken für Krebsmittel

«Ein hochkomplexes Verfahren» sei die Kymriah-Therapie, so VR-Präsident Reinhardt. Die Kosten betragen fast eine halbe Million, werden aber nur bei Behandlungserfolg verrechnet.

Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt an der Generalversammlung in der St. Jakobshalle in Basel. (23. Februar 2016)

Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt an der Generalversammlung in der St. Jakobshalle in Basel. (23. Februar 2016) Bild: Christian Beutler/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Novartis-Präsident Jörg Reinhardt hat die Kosten von umgerechnet 475'000 Franken für das neue Leukämiemedikament Kymriah verteidigt. Es handle sich um eine Einmal-Behandlung. Standardtherapien, die jährlich 100'000 Franken kosten, könnten viel teurer werden.

Kymriah sei nicht einfach eine Tablette, sondern ein hochkomplexes Verfahren, sagte Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt im Interview mit dem «Blick» vom Samstag. Dem Patienten würden Zellen entnommen, gentherapeutisch modifiziert und wieder zugeführt. Das sei aufwendig und teuer. Die Kosten würden aber nur verrechnet, wenn die Therapie anschlage.

Höchstbeträge sind absehbar

Zur Frage, welche Gesundheitskosten für die Allgemeinheit noch zumutbar seien, sagte Reinhardt, dass Länder nicht darum herum kommen würden, Höchstbeträge zu formulieren. Grossbritannien habe festgelegt, dass ein Lebensjahr 50'000 Franken kosten dürfe.

Es werde aber immer Unterschiede geben, was die Öffentlichkeit zu zahlen bereit sei, sagte Reinhardt weiter. In den USA sei das Solidaritätsprinzip weniger stark ausgeprägt als in Europa.

600 Patienten kommen in Frage

Dass in der Schweiz die Gesundheitskosten überdurchschnittlich stiegen, liege nicht in erster Linie an den Medikamentenpreisen, die nicht im selben Masse stiegen, sagte der Pharma-Vertreter. Man werde den Anstieg nur stoppen, wenn man aufhöre, sich auf die zehn Prozent der Kosten einzuschiessen, welche die Medikamente verursachten. Man müsse anderswo ansetzen, zum Beispiel bei «unnötigen Diagnosen, Überbehandlungen oder der Auslastung von technischen Geräten».

Novartis schätzte die Zahl der Patienten, die für die Kymriah-Therapie in Frage kommen, jüngst auf rund 600 pro Jahr. Im Sommer hatte Novartis die Zulassung von der US-Gesundheitsbehörde erhalten. Experten trauen personalisierten Zelltherapien Milliardenumsätze zu. (foa/sda)

Erstellt: 09.12.2017, 04:54 Uhr

Artikel zum Thema

Novartis kauft Krebs-Firma für fast vier Milliarden

Der Pharmakonzern will mit der Firma Advanced Accelerator Applications Wissen im Bereich Nuklearmedizin erwerben. Eine Therapie der Franzosen ist seit kurzem zugelassen. Mehr...

Abo

Jetzt von 20% auf alle Digitalabos profitieren

Mit dem Gutscheincode DIGITAL20 erhalten Sie 20% Rabatt auf alle nicht-rabattierten Digitalabos.
Jetzt einlösen!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Höhenflug: Im Vorfeld der Viehauktion in der schottischen Stadt Lairg springt ein Schaf über andere Schafe der Herde. Die Auktion in Lairg ist eine der grössten europaweit mit bis zu 15'000 Schafen. (14.August)
(Bild: Jeff J Mitchell/Getty Images) Mehr...