Novartis plant milliardenschwere Abspaltung

Der Basler Pharmamulti will Alcon an die Börse bringen. Der Hauptsitz kommt in die Schweiz.

Spin-Off der Augenheilsparte geplant: Novartis-Campus in Basel.

Spin-Off der Augenheilsparte geplant: Novartis-Campus in Basel. Bild: Georgios Kefalas /Keystone

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Novartis will die Genehmigung der Aktionäre für einen 100 prozentigen Spin-off des Geschäfts seiner Augenheilsparte Alcon einholen. Gleichzeitig kündigte der Konzern einen Aktienrückkauf von bis zu 5 Milliarden US-Dollar an, der bis Ende 2019 umgesetzt werden soll. Novartis hatte den texanischen Augenheilkundespezialisten Alcon erst 2011 für rund 50 Milliarden Dollar übernommen.

«Die strategische Überprüfung von Alcon ergibt, dass ein 100 prozentiger Spin-off im besten Interesse der Aktionäre ist und im Einklang mit der Strategie von Novartis steht, sich als Arzneimittelunternehmen zu fokussieren», schreibt Novartis. Alcon würde in der Schweiz registriert. Kotierungen an der SIX Swiss Exchange und der New York Stock Exchange sind laut Mitteilung geplant. Der Hauptsitz von Alcon verschiebt sich damit in die Schweiz, bis jetzt lag dieser im texanischen Fort Worth. Dieser werde ein wichtiger Standort für Alcon bleiben, schreibt der Konzern.

Befragt zum möglichen Wert von Alcon sagte CEO Vas Narasimhan in einer Telefonkonferenz, dass es zu früh sei, genaue Angaben zu machen. Sein Vorgänger Joe Jimenez hatte Alcon mit einen möglichen Börsenwert mit 25 bis 35 Milliarden Dollar taxiert. Novartis betont, dass die heutige Alcon mit der damals übernommenen nicht mehr vergleichbar ist, weil Geschäftsteile zur Mutter verschoben wurden.

Genehmigung an Generalversammlung

Der Abschluss der Transaktion ist laut Novartis abhängig von den allgemeinen Marktbedingungen, von steuerlichen Entscheidungen und Stellungnahmen, der endgültigen Zustimmung des Verwaltungsrats und der Genehmigung durch die Aktionäre an der Generalversammlung 2019 in Einklang mit dem Schweizer Gesellschaftsrecht.

Jörg Reinhardt, Präsident des Verwaltungsrats von Novartis, sagt, man habe bei der strategischen Überprüfung alle Optionen für Alcon untersucht, vom Verbleib, Verkauf, Börsengang bis zu einem Spin-off. Die Überprüfung habe ergeben, dass eine Ausgliederung im besten Interesse der Aktionäre von Novartis wäre.

Neuer CEO für Alcon

«Diese Transaktion würde es den Aktionären ermöglichen, von möglichen zukünftigen Erfolgen einer stärker fokussierten Novartis und einer eigenständigen Alcon zu profitieren, denn Alcon würde damit zu einem börsenkotierten, weltweit führenden Medtech-Unternehmen mit Sitz hier in der Schweiz», sagte Jörg Reinhardt, Präsident des Verwaltungsrats von Novartis.

Im Zuge der Abspaltung wird der Alcon-CEO Mike Ball designierter Präsident des Verwaltungsrats. Der operative Chef (COO) David Endicott wird zum CEO von Alcon befördert. Beide Ernennungen gelten per 1. Juli 2018.

600 Mitarbeiter in der Schweiz

Ursprünglich hatte der damalige Novartis-Chef Daniel Vasella Alcon unbedingt kaufen wollen. So wollte er absehbare Umsatz- und Gewinnrückgänge kompensieren, welche durch Patentabläufe im Pharmageschäft drohten. Vasellas Nachfolger Jörg Reinhardt sowie der neue Konzernchef Vas Narasimhan wollen Novartis wieder zu einem reinen Pharmaplayer umbauen. Seit Anfang 2017 lief daher eine «strategische Überprüfung», was mit Alcon geschehen sollte.

Alcon produziert Laser und Ultraschallgeräte, mit denen Augenärzte Menschen mit grünem Star (zu hoher Augeninnendruck) oder grauem Star (Eintrübung der Augenlinse) behandeln. Beim grauen Star hilft nur eine Operation, bei der die natürliche Linse durch eine künstliche ersetzt wird. Auch solche Linsen fertigt Alcon an. Ferner hat die Noch-Novartis-Tochter Kontaktlinsen, Pflegemittel sowie frei verkäufliche Augenheilmittel im Programm.

Weltweit beschäftigt der Augenheilspezialist rund 25'000 Mitarbeitende, die Zentrale ist in Texas. In der Schweiz arbeiten rund 600 Personen für das Unternehmen, verteilt auf die Standorte Schaffhausen, Genf, Rotkreuz ZG und Freiburg. (cfr/ali/sda)

Erstellt: 29.06.2018, 07:14 Uhr

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