Müssen Kinder bald ihre Lego-Steinezurückgeben?

Steigendes Umweltbewusstsein der Kunden zwingt den Spielzeughersteller zum Umdenken: Er prüft ein Mietmodell.

Kinder sind die wichtigste Zielgruppe von Lego. Doch werden die Kleinen beim Mieten mitmachen? Foto: Istock

Kinder sind die wichtigste Zielgruppe von Lego. Doch werden die Kleinen beim Mieten mitmachen? Foto: Istock

Jon Mettler@jonmettler

Lego für eine begrenzte Dauer zu vermieten statt zu verkaufen: Der Nachhaltigkeitsmanager der Spielzeugfirma zeigte sich in London an einer Industriekonferenz der «Financial Times» «ganz und gar offen» für diese Idee. Aber der Nutzen für die Kunden müsse nach wie vor gegeben sein, schickte Tim Brooks voraus.

Lego steht unter anhaltendem Druck, den Kunststoffverbrauch für die bunten Bausteine zu verringern. Das dänische Unternehmen verfolgt deshalb verschiedene neue Ansätze. Selbst die traditionellen Geschäftsmodelle kommen auf den Prüfstand.

Hürden für Konsumenten

Lego-Manager Brooks erachtet ein Mietmodell grundsätzlich als «machbar». Es brauche aber noch viel Denkarbeit, sagte er in London. Tatsächlich dürfte es aus Konsumentensicht einige Stolpersteine geben, die Lego zuerst wegräumen müsste.

Da ist etwa die wichtigste Kundengruppe des Herstellers, die Kinder. Ihnen einen Bausatz oder eine Auswahl an Bausteinen zum Spielen zu geben und nach gewisser Zeit wieder wegzunehmen, dürfte für Eltern nicht ganz einfach werden.

Zudem bestehen die komplexeren Bausätze aus tausend und mehr Elementen. Gerade kleine Teile verschwinden gerne unter der Kommode oder im Staubsauger. Sowohl für Kunden wie fürs Unternehmen wäre es mit einem gewissen Aufwand verbunden, die gemieteten Bausätze bei Rückgabe respektive Rücknahme auf Vollständigkeit zu prüfen.

Lego hat 126 Millionen Franken investiert und 100 Mitarbeiter eingestellt, um nachhaltige Alternativen zu Kunststoff zu erforschen.

In der Schweiz bietet Swisslug, ein Verein von Lego-Begeisterten, ein Sortiment an Bausteinen zum Mieten an. Das Preismodell sieht gemäss Internetseite eine Gebühr von 1.50 bis 2.50 Franken pro Tag und Kilogramm gemieteter Klötze vor. Kosten wie Kilometerspesen für Lieferung und Abholung berechnet der Verein zusätzlich.

Die Bilder von riesigen Plastikmüllhalden im Meer und die immer lauter werdende Umweltschutzbewegung zwingen Lego dazu, den Kohlendioxid-Fussabdruck zu verringern. Die Firma stellt jährlich 19 Milliarden Bausteine her. Das sind 36'000 Stück pro Minute. Die Teile sind aus Kunststoff gefertigt. Ein Grossteil der Innenverpackungen besteht ebenfalls aus Plastik. Der einzige Durchbruch war bisher die Entwicklung einer Produktelinie aus pflanzlichem Plastik, das die Firma aus Zuckerrohr gewinnt. Im vergangenen Jahr stellte Lego erstmals Produkte aus dem grünen Rohstoff her. Sein Anteil macht aber bislang nur ein bis zwei Prozent an der Gesamtmenge der hergestellten Kunststoffelemente aus.

«Wir müssen wieder lernen, wie man das macht», sagte dazu Henrik Ostergaard Nielson, Produktionsleiter des Lego-Werks in Billund, gegenüber der «New York Times».

Dem Vernehmen nach stösst Lego jährlich rund eine Million Tonnen Kohlendioxid aus. Etwa drei Viertel dieser Menge werden durch Rohstoffe verursacht, die in den Fabriken verarbeitet werden. Das Unternehmen hat mehr als 126 Millionen Franken investiert und 100 Mitarbeiter eingestellt, um nachhaltige Alternativen zu Kunststoff zu erforschen.

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