Mit vierzig weg vom Fenster

Arbeitgeber investieren weniger in echte Weiterbildung. Es ist günstiger die nötige Qualifikation «einzukaufen».

Andreas Valda@ValdaSui

Bilde dich ab vierzig weiter, oder du bist weg vom Fenster, denn der Arbeitgeber ersetzt dich durch Leute mit höherer Qualifikation – auch aus dem Ausland. Dieses Kürzestfazit kann man aus der jüngsten Studie der Gewerkschaft Travailsuisse über Bildungspolitik für ältere Arbeitnehmer ziehen. Sie will Angestellte, Wiedereinsteigerinnen, aber auch Arbeitgeber und die Politik aufrütteln, sich zu engagieren.

Die «Midlife-Crisis» der beruflichen Qualifikation ist wegen der beschleunigten Entwicklung von Wissen und Technik eine erhebliche Gefahr für alle, die ihren letzten Berufsabschluss in den Achtziger- oder Anfang der Neunzigerjahre absolvierten. Sie riskieren, in die sogenannte Dequalifikation abzurutschen.

Intern merken sie dies, indem man sie selten oder nie an qualifizierte Weiterbildungskurse schickt. Der Lohn stagniert. Jüngere und Ausländer steigen auf und überholen sie in Funktionen, weil Letztere den aktuelleren Bildungsrucksack haben. Müssten sich die über Vierzigjährigen neu bewerben, hätten sie Mühe, eine ihrer ursprünglichen Qualifikation entsprechende Stelle zu finden. So verharren sie an ihrer Stelle, schlucken alles und rutschen noch mehr ab. Wiedereinsteigerinnen haben es noch schwerer.

Naheliegend wäre, dass sie sich selber einen Ruck geben. Sie wären motiviert, sagen Experten, doch vielen fehlt das Geld oder, noch teurer, die Zeit dafür, denn Studieren heisst Lohnausfall. Verschärfend kommt hinzu, dass Arbeitgeber immer weniger in echte Weiterbildung investieren. Es kommt sie günstiger zu stehen, die nötige Qualifikation «einzukaufen».

Es gibt nur zwei Lösungen: privat, indem Leute auf Ferien, ein neues Auto oder sonstigen Luxus verzichten und stattdessen in Weiterbildung investieren, die ihnen in zwei, drei Jahren die Kraft gibt, den Job zu wechseln. Und öffentlich, indem das Parlament die 9 Milliarden Franken, die es jährlich für Bildung in der Schweiz ausgibt, neu verteilt mit dem Bewusstsein, dass Angestellte ab vierzig erneut zu Lehrlingen und Studentinnen werden. Mit den gleichen finanziellen Rechten wie 16- bis 24-Jährige: Stipendien, stark subventionierte Lehrgänge auf allen Bildungsniveaus.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt