«Mit neuen Fliegern könnte Skywork endlich Geld verdienen»

Seit diesem Sommer ist er Chef der Berner Fluggesellschaft Skywork Airlines. Martin Inäbnit (61) besitzt den Lokführerausweis und eine Lizenz als Linienpilot. Im Interview erzählt er, wohin die Skywork-Reise führt.

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Tobias Habegger@TobiasHabegger

Martin Inäbnit, seit dieser Woche fliegt Skywork den Flughafen London Southend an. Die Destination London City, die näher an Zentrum der Weltstadt liegt, wurde gestrichen. Weshalb?Martin Inäbnit: In London City bezahlt man für jede Landung die gleich hohe Gebühr, egal ob man mit einem Airbus oder einer kleinen Dornier anfliegt. Aus Sicht des Marketings wäre dieser Flughafen zwar perfekt. Doch wir können uns die Gebühren nicht leisten.

Southend liegt mit dem Zug 50 Minuten vom Zentrum Londons entfernt. Was spricht trotzdem für diesen Flughafen? Die Chemie stimmt. Die Flughafenverantwortlichen setzen sich mit riesigem Elan für uns ein. Dies, obschon wir gemessen an deren Volumen wirklich klein sind. Sie unterstützen uns hier vor Ort mit dem Marketing, damit wir die Incoming-Zahlen erhöhen können. Das sind Kunden, die in England buchen und von London nach Bern retour fliegen. Diese machen derzeit etwa 30 Prozent auf dieser Linie aus. Die entgegengesetzte Strecke, also von Belp nach London retour, fliegen etwa 70 Prozent.

Gibt es in Bern viele Geschäftsreisende, die am Morgen früh nach London fliegen und am gleichen Abend wieder zurückreisen? Wir haben die Zahlen analysiert. Gerade einmal 7 Prozent unserer London-Passagiere fliegen am gleichen Tag wieder zurück. Auch mehrtägige Städtetrips sind nicht häufig. Die meisten Leute bleiben sieben oder vierzehn Tage weg und haben schwere Koffer dabei. Daraus schliessen wir: Das sind Transferpassagiere, die von Bern aus in die weite Welt fliegen und in London auf ein grosses Flugzeug umsteigen. Weil sie dazu sowieso mit der Tube den Flughafen wechseln müssen, spielt es ihnen keine grosse Rolle, ob sie im City oder im etwas ausserhalb gelegenen London Southend ankommen. Wichtig ist für diese Leute, dass sie in Bern losfliegen und auch wieder dorthin zurückkehren können.

Sie sind nun seit dreieinhalb Monaten Skywork-Chef. Wie sieht Ihre erste Zwischenbilanz aus? Ich habe im Sommer die Geschäftsführung von Skywork übernommen, weil ich gesehen habe: Wenn ich jetzt nichts mache, geht diese Firma unter. Ich konnte das nötige Geld auftreiben und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt belastbare Businesspläne vorlegen. Deshalb haben wir auch die unbefristete Betriebsbewilligung für Skywork erhalten.

Wohin führt Ihre Reise mit Skywork? Skywork wird nie eine riesige Firma sein. Wir sind klein und fein und haben ein gutes Produkt. Wir stehen dazu, dass wir ein paar Franken teurer sind. Denjenigen Leuten, die wegen einer Preisdifferenz von wenigen Franken von Basel aus fliegen, dürfen und wollen wir nicht nachrennen. Der Markt in Bern ist endlich. Wir haben zwar noch Ausbaupotenzial im Kernmarkt. Wenn Sie nach Bulle fahren und dort jemanden fragen, dann weiss kaum jemand, dass es Skywork gibt. Wir können noch Nischen besetzen und ausbauen. Das ist zwar kein riesiges Potenzial, aber es sind doch mehrere Mosaiksteinchen. Doch eines ist klar: Skywork wird nie zehn Airbusse kaufen.

Was für Flugzeuge kaufen Sie dann? Die aktuelle Dornier ist ja bekanntlich etwas zu klein. Die Dornier mit ihren 30 Plätzen ist ein geniales, aber auch ein schwieriges Flugzeug. Es wurde gebaut für einen Markt, den es heute kaum mehr gibt. Mit dieser Maschine fehlt uns das Entwicklungspotenzial. Mit 30 Plätzen ist die Steuerung der Ticketpreise schwierig. Wir suchen ein Flugzeug mit 50 Plätzen. Diese sind im Betrieb nicht viel teurer. Die Passagiergebühren spielen keine Rolle, es ist einzig der etwas grössere Treibstoffbedarf, der Mehrkosten verursacht. Im Gegenzug können wir Tickets für 20 Sitze mehr verkaufen. Damit könnte Skywork wohl endlich etwas Geld verdienen. Es gibt solche Flugzeuge auf dem Markt, die aber teilweise mit tieferer Geschwindigkeit fliegen.

Welche Turbulenzen erwarten Sie auf Ihrer Reise mit Skywork? Ich sehe einige Turbulenzen auf dem Radar. Wir bewegen uns in einem Hochrisikogeschäft. Airlines erhalten heute von den Banken nur noch mit Hängen und Würgen Geld. Denn eine Airline benötigt unglaublich viel Geld. Und all dieses Geld geht verloren, wenn etwas schiefläuft.

Hat Skywork genug Kapital? Ja, sonst hätten wir keine unbefristete Betriebsbewilligung erhalten.

Die schwierige Wintersaison steht bevor. Reicht das Geld auch für diese Zeit? Ja, die unbefristete Betriebsbewilligung gibt es nur dann, wenn die finanziellen Mittel nachgewiesen sind und ein Businessplan besteht. Es reicht nicht aus, wenn man sagt, wir könnten das Geld bei Bedarf auftreiben. Es muss physisch irgendwo sichergestellt sein.

Wie kommt Skywork gesund durch den Winter? Indem wir im Sommer genug Geld verdienen.

War das in diesem Sommer der Fall? Nein. Aber im nächsten Sommer wird es so weit sein. Ich werde nie mehr an eine Türe klopfen und sagen: Ich brauche ein paar zusätzliche Millionen Franken. Wenn wir eine schwarze Null haben, dann ist das gut.

Welche Investoren stecken hinter Skywork? Dazu sage ich nichts. Die Investoren wollen im Hintergrund bleiben.

Noch ein Wort zum Flughafen Belp. Wie läuft die Zusammenarbeit? Es gibt Spannungen, die in der Vergangenheit entstanden sind. Die Versuche von ehemaligen Skywork-Investoren, den Flugplatz aufzukaufen, haben hohe Wellen geschlagen. Das war nicht die feine Berner Art und hat beiden Seiten geschadet. Da ist viel kaputt gegangen. Es braucht Zeit und Gespräche, bis alles wieder gekittet ist.

Wie sieht es in Belp mit den Flughafengebühren aus?(verzieht das Gesicht) Jetzt, wo wir von London City weg sind, ist Bern der teuerste Flugplatz für uns. «Dummerweise» findet hier jeder zweite Start und jede zweite Landung statt. Deshalb laufen Verhandlungen mit den Betreibern über die Gebühren.

In London Southend hat man einen Bahnhof direkt neben den Flughafen gebaut. Was wünscht sich der Skywork-Chef von den Gemeinden rund um den Flughafen Belp? Wir verlangen keine Subventionen. Doch die Politik sollte im Minimum dazu stehen, dass es in Belp einen Flughafen gibt. Und wenn die Politiker diesen Flughafen auch noch selber brauchen würden, wäre das wunderbar. Leider aber ist es eine Tatsache, dass gewisse Verwaltungskader und Politiker lieber mit dem Zug nach Zürich fahren und von dort abfliegen. Ich nenne jetzt keine Namen, aber ein Chefbeamter hat in meinem Umfeld kürzlich gesagt: Als Beamter habe er genügend Zeit, um via Zürich zu fliegen.

Berner Zeitung

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