Mit Pokerface in die zweite Eventum-Runde

Thun

Der Eventum-Kongress für KMU in Thun geht am 21./22. August in die zweite Runde – die Anmeldefrist läuft. Geschäftsführerin Monika Ingold sagt, warum es den Anlass braucht.

In welchen Situationen setzen Sie selbst ein Pokerface auf?
Monika Ingold: Ich habe bisher nicht bewusst wahrgenommen, wie stark ich in welchen Situationen ein Pokerface aufsetze. Aber gerade seit ich mich im Zusammenhang mit Eventum damit befasse, nehme ich es bei anderen wahr – sei es bei Sponsoren oder bei Mitarbeitern. Das ist ein lehrreicher Prozess.

Sie versuchen jeweils, hinter das Pokerface zu blicken?
Genau. Wir sind auf Sponsoren angewiesen. Sie zu überzeugen, ist ein Stück weit auch wie ein Pokerspiel – wobei ich natürlich mit Fakten arbeite. Und mit meiner eigenen Überzeugung. Wir haben eine erfolgreiche erste Ausgabe durchgeführt – das gibt mir die Gewissheit, dass wir das auch ein zweites Mal schaffen. Ohne diese Überzeugung kann ich auch kein Pokerface aufsetzen, denn ich bin ein sehr direkter Mensch. Ich glaube, die Basis des Pokerface ist, hinter etwas zu stehen. Es hat nichts damit zu tun, irgendjemanden hintergehen zu wollen.

Wie kamen Sie darauf, «Pokerface» als Thema für die zweite Eventum-Ausgabe zu wählen?
Auf die Idee kam ich nach einem Pokerabend mit Freunden. Dabei ging es um die Frage: Wie mache ich eine Verbindung zwischen dem Pokern und meinem Geschäft? Beim Nachhausefahren wusste ich plötzlich: Das ist es!

Warum?
Wir haben etwas gesucht, das die Neugier weckt und nicht bei jedem anderen Kongress thematisiert wird. Wir wollen mit Eventum Theorie und Praxis verknüpfen. Bei Schlagwörtern wie Finanzierung, Marketing, Work-Life-Balance haben sie eine ganz klare Vorstellung. Ich habe keinen Kongress gefunden, der «Pokerface» thematisiert hat. Also können wir den Teilnehmern etwas Neues bieten – mit Referenten, die nicht überall auftreten. Genau das ist die Idee von Eventum: Neues vermitteln. Und schliesslich war uns noch eine andere Frage wichtig.

Nämlich?
Welches Thema spricht Frauen und Männer an? Unser Kongress richtet sich an alle. Ich denke, Männer haben zum Pokern eine eher grössere Affinität – und genau daraus entstehen sicher gute Diskussionen.

Sie sprechen Geschlechterrollen an. Bei der ersten Ausgabe im letzten Jahr traten lediglich Frauen auf, das Publikum bestand nur zu einem Drittel aus Männern (vgl. Kasten, die Redaktion). Wie wollen Sie dieses «Frauen-Image» ablegen?
Mit dem Fokus auf das Programm, bei dem wir diesmal Frauen und Männer auf dem Podium haben. Und mit einem geschlechterneutralen Thema. Die Wirtschaft besteht aus Frauen und Männern: Egal, wer welche Position innehat – wichtig ist, dass Leistung, Know-how und Kompetenzen stimmen. Wir wollen uns über die Leistung definieren: dass wir das Programm so gestalten, dass sich diese Frage gar nicht mehr stellt. Uns ist es wichtig, insbesondere Frauen eine Plattform zu bieten, damit sie sich weiterentwickeln können.

Dann war es ein bewusster Entscheid, dass nicht mehr ausschliesslich Frauen auftreten...
Ja. Wir möchten die Zahl der Teilnehmerinnen durchaus hoch halten, jene der Männer aber erhöhen. In erster Linie soll Eventum als KMU-Kongress funktionieren, der lehrreich, inspirierend, vernetzend ist.

Braucht es denn überhaupt einen weiteren Kongress, wenn in Interlaken und Bern zahlreiche grosse Veranstaltungen in diesem Bereich stattfinden?
Ja, das braucht es!

Warum?
Wir schaffen ein Gefäss für Leute wie Sie und mich, die in einer anderen Liga spielen als jene bei den grossen Kongressen in Bern oder Interlaken. Dafür ist Thun mit seiner Grösse und seiner Infrastruktur ideal. Wir suchen nicht Top-CEOs, die haben andere Plattformen.

Was ist nötig, damit Eventum langfristig existieren kann?
Immer wieder gute Ideen! Und: Wichtig ist die Konstanz. Unser Team hat ganz klein angefangen und kann jetzt wachsen. Unsere Leistung soll jedes Jahr zunehmen – die Kosten für den Anlass sollen dabei aber gleich bleiben. Wir streben auch nicht 1000 Teilnehmer an. 250 bis 400 Leute sind ideal.

Eventum begann als Non-Profit-Unternehmen mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Letztes Jahr sagten Sie aber, Ziel sei es, dass dereinst eine Firma mit Angestellten den Anlass organisiert. Wo sind Sie auf diesem Weg?
Wir haben eine Teilzeitangestellte verpflichtet, die uns in Administration und Buchhaltung unterstützt. Wir wollen stetig wachsen – heute sind wir wohl etwa in der ersten von zehn Etagen angelangt. Eventum kann gut noch eine Weile Hobby bleiben, aber nicht ewig.

Sind Ideen für weitere Ausgaben vorhanden?
Ja, ich habe bereits Ideen – wir wissen, in welche Richtung das Thema der Ausgabe 2016 gehen soll. Letztes Jahr mussten wir uns voll auf den ersten Kongress konzentrieren und konnten schlicht nicht auch noch über den Tellerrand hinausschauen. Weil wir viele Grundlagen erarbeitet haben, können wir jetzt parallel zur aktuellen Ausgabe schon mit der Planung für 2016 weitermachen.

Es geht also mit Vollgas weiter...
Ja, denn das Angebot ist ein Bedürfnis. Wir haben viele Feedbacks von Teilnehmern, die sagen, Eventum habe ihnen Türen geöffnet. Ein Beispiel: Ein Thuner 1-Frau-Unternehmen hat heute dank Eventum Aufträge aus der ganzen Schweiz. Davon hätte die Frau nicht zu träumen gewagt, als sie sich anmeldete. Das sind die Erfolgsstorys, die uns die nötige Energie geben.

Thuner Tagblatt

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