Biel

Mikron schafft Chefposten ab

BielDas kommt in der Privatwirtschaft selten vor: Eine Firma streicht den Chefposten. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise beschreitet der Bieler Maschinenhersteller Mikron genau diesen Weg. Das löst auch Kritik aus.

Damit Mikron in der Krise den Durchblick hat, gibt sich das Unternehmen aus Biel schlankere Management-Strukturen.

Damit Mikron in der Krise den Durchblick hat, gibt sich das Unternehmen aus Biel schlankere Management-Strukturen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ab 1.Januar 2010 hat Mikron keinen Konzernchef mehr: Eduard Rikli gibt zum Jahresende sein Mandat als Chief Executive Officer (CEO) ab. Gleichzeitig stellt er sich an der ordentlichen Generalversammlung vom 27.April 2010 als Verwaltungsrat des Maschinenherstellers aus Biel zur Wahl. Dies gab Mikron gestern vor Börsenbeginn bekannt. Der Verwaltungsrat von Mikron besteht derzeit aus fünf Personen. Gemäss Statuten kann das Aufsichtsgremium auf höchstens neun Mitglieder ausgebaut werden.

Finanzchef Andreas Moser sowie die Leiter der beiden Divisionen, Bruno Cathomen für Machining Technology (Maschinen für die Herstellung komplexer Bauteile sowie Schneidewerkzeuge) und Rolf Rihs für Assembly Technology (Montagesysteme für grosse Produktionsvolumen), werden künftig direkt an den Verwaltungsrat rapportieren. Abnehmer von Mikron-Maschinen sind unter an- derem die Automobilindustrie sowie Firmen aus der Medizinaltechnik und Hersteller von Mobiltelefonen.

Entscheidungswege kürzer

Mikron begründete die Änderungen in der Organisation mit der weltweiten Rezession, die auch die Maschinenindustrie hart trifft. Dank «schlankeren Strukturen und verkürzten Entscheidungswegen» könne das Unternehmen besser durch die «wirtschaftlich anspruchsvolle Zeit» geführt werden.

Mikron leidet stark unter der Wirtschaftskrise. Umsatz und Bestellungseingang lagen nach neun Monaten auf sehr tiefem Niveau. Der Umsatz brach im Vorjahresvergleich um über 40 Prozent ein, der Bestellungseingang um über die Hälfte. Zur aktuellen Situation meinte Mikron-Chef Rikli auf Anfrage, dass der Boden wohl erreicht sein dürfte. «Die Kunden kehren zu einem vernünftigeren Produktionsniveau zurück», sagte Rikli. Ein markanter Aufwärtstrend sei aber kurzfristig nicht zu erwarten.

Branchenbeobachter haben gegenüber den Plänen von Mikron gemischte Gefühle. Sie dürften «dazu beitragen, dass das Unternehmen schlanker und flexibler wird und dass Entscheidungen schneller getroffen werden können. Zudem werden durch die Auflösung einer Leistungsebene Kosten gespart», schrieb Finanzanalyst Fabian Haecki von der Bank Vontobel in seinem Morgenkommentar zwar. So werde der Verwaltungsrat künftig vermehrt Einfluss auf betriebliche Abläufe nehmen und seine Verantwortung diesbezüglich stärker wahrnehmen. Das Gremium werde alle strategischen Entscheidungen für die Gruppe fällen sowie Ziele und Anreize für die Divisionsleiter erarbeiten, so Haecki.

Wer ist verantwortlich?

Analyst Haecki räumte jedoch ein: «Da alle Verwaltungsratsmitglieder bis anhin keine exekutive Funktion inne haben, ist uns nicht vollständig klar, wer die letztliche Verantwortung des gegenwärtigen CEO übernehmen wird.» Der abtretende Mikron-Chef Rikli sagte, faktisch werde die exekutive Verantwortung letztlich beim Verwaltungsratspräsidenten liegen. Diese Funktion bekleidet der Langenthaler Unternehmer und FDP-Nationalrat Johann Niklaus Schneider-Ammann. Zusammen mit Implenia-Präsident Anton Affentranger und Straumann-Präsident Rudolf Maag kontrolliert er 70 Prozent des Aktienkapitals von Mikron.

Mikron ist nicht das erste börsenkotierte Unternehmen der Schweiz, das die Funktion des Konzernchefs aufgibt. Rieter schaffte per 4.August 2009 den CEO ab und schuf stattdessen das Amt des «Executive Chairman», des exekutiven Präsidenten. Wie bei Mikron versprach man sich bei Rieter davon, die operative Verantwortung des Verwaltungsrats zu stärken sowie kürzere Entscheidungswege einzurichten. Über die Klippe springen musste der damalige Rieter-Chef Hartmut Reuter, der das Unternehmen ganz verliess.

Die Börse reagierte wohlwollend auf die Ankündigung von Mikron. Der Aktienkurs lag gestern bei Börsenschluss bei Fr. 6.50. Gegenüber dem Vortag entsprach dies einem Plus von 2,7 Prozent. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.11.2009, 09:07 Uhr

Blogs

Sweet Home Machen Sie ruhig Fehler

Mamablog Die 10 wichtigsten Tipps für werdende Mütter

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Mit geschwellter Brust: Ein Mann aus Indien zeigt bei einem Wettbewerb für die beeindruckendste Gesichtsbehaarung stolz seinen Schnurrbart. Der Wettbewerb fand am Rande des jährlichen Kamel Festivals in der nordindischen Wüstenstadt Pushkar statt. (20. November 2018)
(Bild: Himanshu SHARMA ) Mehr...