«Meyer Burger bleibt in Thun»

Thun

Meyer Burger schreibt für das Jahr 2017 einen weiteren Verlust von 79 Millionen Franken. Die Schliessung der Produktion ­in Thun läuft nun an. Ganz wegziehen will das Unternehmen aber nicht.

Am Sitz von Meyer Burger in Thun wird bald nicht mehr produziert, aber weiterhin geforscht.

(Bild: Keystone Patric Spahni)

Meyer Burger geht es weniger gut als erhofft. Der Aktienkurs ist gestern nach Vorlage der Jahresbilanz um 28 Prozent abgestürzt. Die Aufträge haben 2017 zwar um fast ein Viertel zugenommen. Doch für schwarze Zahlen hat es bei weitem nicht gereicht. Unter dem Strich steht ein Minus von 79,3 Millionen Franken.

Konzernchef Hans Brändle betonte gestern vor Analysten und Journalisten in Zürich, ohne Sondereffekte hätte der Verlust bloss 3 Millionen Franken betragen. So kosteten die Aufgabe der ­Diamantdrahtproduktion in den USA, Wertberichtigungen, Währungseffekte und die angekündigte Schliessung der Produktion in Thun 76 Millionen Franken.

Schwacher Start ins Jahr 2018

Doch die Anleger reagierten enttäuscht auf die Prognosen Brändles für 2018. Der Umsatz dürfte wiederum 450 bis 500 Millionen Franken betragen, sofern in den nächsten Wochen noch diverse Aufträge eingehen. Denn seit ­Anfang Jahr herrscht Flaute. Bislang gingen erst Bestellungen für 43 Millionen Franken ein.

Die wichtigsten Kunden, die chinesischen Solaranlagenhersteller, waren bis im Januar verunsichert über die Strafzölle, die US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr angekündigt, aber noch nicht beziffert hatte. Einige chinesische Solarfirmen wälzten Pläne, Teile der Produktion in die USA zu verlegen, um die Strafzölle zu umgehen. Das hätte Meyer Burger Aufträge ­einbringen können. Doch die US-Strafzölle sind nun offenbar weniger hoch als befürchtet, und so scheinen die Produktionskapa­zitäten weiterhin vor allem in China ausgebaut zu werden. Das führte auch bei Meyer Burger zu kleineren Verzögerungen bei einzelnen Bestellungen, wie Finanzchef Michel Hirschi sagte.

Stellenabbau läuft an

Meyer Burger richtet sich nun selber noch stärker auf China aus. Wie im vergangenen November angekündigt, schliesst die Firma die Produktion in Thun bis voraussichtlich Ende 2018. 100 bis 160 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.

Die Produktion von Diamantdrahtsägen wird nach China verlagert. Bei der Modulproduktion gibt Meyer Burger in Thun hergestellte ältere Technologien auf. Und für die in Thun produzierten Solaranlagen, die sich in Dächer und Fassaden integrieren lassen, prüft Meyer Burger strategische Alternativen. Davon hängen rund 40 Arbeitsplätze ab. Meyer Burger suche weiter einen Käufer für dieses Geschäft, sagte Konzernchef Hans Brändle im Gespräch mit dieser Zeitung. Es gebe Interessenten, ergänzte er, nannte aber keine Namen.

Ende 2017 beschäftigte Meyer Burger in Thun 328 Angestellte und 43 Lernende. Im Zusammenhang mit der Schliessung der ­Produktion hat das Unternehmen noch keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen. Das wird im Laufe des Jahres aber so weit sein. Die frei werdenden Produktionsflächen am Sitz in Thun-Gwatt sowie freie Büroräumlichkeiten will Meyer Burger vermieten. Und wenn jemand das 2012 eröffnete Gebäude zum richtigen Preis übernehmen möchte, würde Meyer Burger auch den Verkauf überprüfen.

Brändle betonte aber: «Wir ­haben nicht die Absicht und denken nicht einmal darüber nach, von Thun wegzuziehen.» In Thun verbleiben der Hauptsitz, Mar­keting und Verkauf sowie Forschung und Entwicklung. Es sei auch für viele Kunden wichtig, dass die Entwicklung in der Schweiz mit ihrem exzellenten Forschungsplatz bleibe, sagte Brändle. Entwickler liessen sich auch nicht einfach umsiedeln.

Berner Zeitung

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