Mehr Aufträge, trotzdem ein Verlust

Im ersten Halbjahr 2014 hat die Meyer Burger AG einen Betriebsverlust von 88,1 Millionen Franken gemacht. Weil aber die Anzahl Aufträge zugenommen hat, wurden in Thun und den USA 170 Stellen geschaffen.

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Tobias Habegger@TobiasHabegger

Die Empfehlungen, welche die Finanzanalysten gestern Morgen übers Internet zum Thema Meyer Burger AG verbreiteten, waren negativ. Sie taten dies, noch bevor sich die Meyer-Burger-Geschäftsleitung mündlich zu den neusten Zahlen geäussert hatte. Das Halbjahresergebnis 2014 der weltweit tätigen Solartechnologie-Gruppe weist einen Verlust von 88,1 Millionen Franken (Stufe Ebit) aus.

«Wir haben die Enttäuschung der Analysten registriert», sagte Meyer-Burger-Finanzchef Michel Hirschi später an einer Medienkonferenz. Doch er betonte auch: «Die Umsätze sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, und die Aufträge haben zugenommen.»

170 neue Stellen geschaffen

Tatsächlich sind die Aufträge im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 um 90 Prozent gestiegen. Das tönt nach viel. Doch Verwaltungsratspräsident Peter Wagner ordnete den Auftragseingang von 156,8 Millionen Franken gleich selber ein: «Das ist eine Steigerung auf niedrigem Niveau», sagte er. Immerhin hat Meyer Burger deshalb total 170 Vollzeitstellen am Hauptsitz in Thun und bei Ablegern in den USA geschaffen. Auch der aktuelle Halbjahresumsatz ist im Vergleich zur Vorjahresperiode um 43 Prozent auf 129 Millionen Franken gestiegen. Das mag Finanzchef Hirschi zur Aussage verleiten: «Wir haben ein gesundes Wachstum.»

Doch weil Meyer Burger die Gewinnzone erst ab einem Jahresumsatz von 450 Millionen Franken erreicht, ist der Weg zum Break-even noch lang. An Durchhalteparolen mangelt es der Geschäftsleitung nicht. Am Ende des Tages zählt aber der Betrag unter der Erfolgsrechnung – und das ist ein Verlust von 88,1 Millionen. Zudem hat sich die Bilanzsumme um 27,8 Millionen reduziert. Das Eigenkapital ist um 14,5 Millionen zurückgegangen. Und die flüssigen Mittel sind um 33 Millionen Franken geringer als Ende 2013. Trotzdem verlor die Meyer-Burger-Aktie gestern nur 0,8 Prozentpunkte.

Warten auf Grossaufträge

40 Millionen Franken wurden in den Bau von Maschinen investiert. Diese warten nun in Lagerhallen auf Käufer, die damit Solarzellen produzieren wollen. «Unsere Produkte sind international angesehen», sagt Firmenchef Peter Pauli. Der Solarmarkt sei im Wachstum, sowohl in den USA, im Arabischen Raum wie auch in China.

«Wegen politischer Unsicherheiten verzögern sich die Bestellungen. Wir können nicht voraussagen, wann der nächste Grossauftrag kommt.» Allzu viel Wartezeit scheint Meyer Burger nicht zu haben. Gemäss dem Onlineportal Cash.ch gehen Analysten davon aus, dass die Barmittel von Meyer Burger bei gleichem Geschäftsgang in zwölf Monaten aufgebraucht sein werden.

Berner Zeitung

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