Lufthansa macht erste Zugeständnisse

Das Kabinenpersonal der Lufthansa streikt flächendeckend. Die Verhandlungen haben nun erste Resultate gebracht. Vom Streik betroffen war auch die Schweiz. Am Flughafen Zürich nahm man das aber gelassen.

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Die Tarifparteien im Flugbegleiter-Streik bei der Lufthansa haben ihre Gespräche wieder aufgenommen. Am späteren Nachmittag konnten bereits erste Ergebnisse kommuniziert werden. Die Lufthansa will laut Vorstandschef Christoph Franz allen Leiharbeitern, die sie am Standort Berlin beschäftigt, die Festanstellung in der Lufthansa-Gruppe anbieten.

Der 24-stündige deutschlandweite Streik ging heute aber zunächst weiter. Obwohl nach Lufthansa-Zählung rund 1000 Flüge ausfielen und mehr als 100'000 Fluggäste betroffen waren, blieb das Chaos an Flughäfen und Bahnhöfen aus.

UFO-Vorsitzender Nicoley Baublies hielt eine Schlichtung für das geeignete Mittel zur Aufweichung der verhärteten Fronten. Es handele sich zunächst um ein Vorgespräch, um überhaupt Wege für einen konstruktiven Wiedereinstieg zu finden. «Und zur Übermittlung der jeweiligen roten Linien», ergänzte Baublies. Er sei auch bereit, sofort gemeinsam einen Schlichter zu suchen.

Die Gespräche waren vor zehn Tagen nach 13-monatigen Verhandlungen abgebrochen worden. Seit einer Woche haben die Stewardessen und Stewards der Lufthansa dreimal gestreikt, am Freitag ganztägig und bundesweit. Die Gewerkschaft will fünf Prozent mehr Geld und Garantien für Jobstrukturen. Lufthansa bot zuletzt 3,5 Prozent mehr Gehalt bei zwei Stunden Mehrarbeit im Monat.

Schweiz-Flüge auf Swiss und andere umgebucht

Von den 1000 ausgefallenen Flügen betrafen 26 die Destination Zürich. Betroffen waren die Verbindungen mit Frankfurt, Berlin, München und Düsseldorf. Für viele dieser Passagiere habe die Lufthansa eine Lösung finden können, sagt Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky: Sie wurden auf Flüge der Swiss oder anderer Fluggesellschaften umgebucht, manche müssen auf den Zug umsteigen. «Wir weichen nicht nur auf Partnergesellschaften aus. Um die Reisenden an ihr Ziel zu bringen, buchen wir auch Flüge bei Wettbewerbskonkurrenten», sagt Ogursky.

Die wirtschaftlichen Gewinner des Streiks dürften infolgedessen die anderen Fluganbieter sein. Während Air Berlin und British Airways für heute Freitag den Einsatz grösserer Maschinen planen, will die Swiss an ihrem regulären Flugplan festhalten: «Die Auswirkungen des Lufthansa-Streiks auf die Swiss dürften marginal bleiben», sagt die Swiss-Sprecherin Myriam Ziesack. Es bestehe die Möglichkeit, bei Bedarf grössere Flugzeuge einzusetzen, um die gestrandeten Passagiere aufzufangen. «Dank einer eigenen hohen Auslastung der Flugzeuge sind allerdings die verfügbaren Kapazitäten eingeschränkt.» Bis dato stehe fest, dass für den Flug Zürich–Frankfurt um 12.15 Uhr eine A319 statt des kleineren Jumbolinos eingesetzt werde, sagt Ziesack.

Der Flughafen Zürich hatte im Vorfeld des grossen Streiktages keine besonderen Vorkehrungen getroffen, wie Jasmin Bodmer, Mediensprecherin der Flughafen Zürich AG gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz sagte. «Vom Flughafen Zürich aus sind vier Destinationen nach Deutschland betroffen: Frankfurt, Düsseldorf, München und Hamburg. Diese werden aber alle auch von anderen Anbietern angeflogen.»

750 Flüge pro Tag

Im Gegensatz zu den Streiktagen letzten Freitag und Dienstag, seien die Passagiere auf die Flugausfälle von heute Freitag vorgewarnt gewesen. Deshalb geht Bodmer davon aus, dass sich die Reisenden im Vorfeld anderweitig organisiert hätten.

Für den Flughafen Zürich ist das Ausmass des Streiks gering: «In Zürich kommen jeden Tag 750 Flüge an oder heben ab. Ein Ausfall von 26 Maschinen mit Destinationen, die von anderen angeflogen werden, fällt nicht sonderlich ins Gewicht.»

(Mit Material der dapd)

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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