Jocham ist am Ziel

Uwe E. Jocham gibt sein Mandat als Verwaltungsratspräsident der Insel-Gruppe ab und wird definitiv Nachfolger von Holger Baumann als CEO. Weil der Verwaltungsrat auf ein Auswahlverfahren verzichtet hat, wird Kritik aus der Politik laut.

Uwe E. Jocham übernimmt die operative Leitung der Berner Insel-Gruppe.

Uwe E. Jocham übernimmt die operative Leitung der Berner Insel-Gruppe. Bild: Andreas Blatter

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Jetzt also ist Uwe E. Jocham endgültig zurück. Zurück in seiner Funktion als Direktionspräsident. Acht Monate nach seinem von Nebengeräuschen begleiteten Abgang beim Pharmaunternehmen CSL Behring, steht Jocham ab 1. Februar definitiv wieder an der operativen Spitze eines der wichtigsten Unternehmens im Kanton Bern: der Insel-Gruppe. Und tatsächlich ist sogar die Funktionsbezeichnung exakt dieselbe wie bei CSL.

Denn an derselben Verwaltungsratssitzung, an der Jocham am Mittwoch zum neuen CEO gewählt wurde, hat das Gremium auch den bisherigen Begriff «Konzernleitung» mit «Direktion» ersetzt. Neu wäre das Amt für den Unternehmer aber auch mit der alten Bezeichnung nicht gewesen. Bereits seit Anfang Jahr ist Jocham ad interim CEO des grössten Schweizer Spitals.Doch der Reihe nach. Im vergangenen September gab SVP-Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg überraschend bekannt, dass Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die Ausrichtung des Inselspitals zurücktreten und Jocham sein Nachfolger werde.

Bereits damals war klar, dass mit dem forcierten Wechsel auch ein anderer Posten wackelt: jener von CEO Holger Baumann. Schliesslich waren er und Rohrer Weggefährten. Tatsächlich wurde kurz darauf Baumann vom Verwaltungsrat zum Rücktritt gedrängt. Kurzerhand übernahm Jocham per Anfang Jahr als Übergangs­lösung auch diesen Job.

Kein Auswahlverfahren

Am Freitag nun teilte der Verwaltungsrat mit, dass Jocham an der operativen Spitze bleibt. Damit tritt ein, was Beobachter schon lange vermutet haben: dass Jocham in Tat und Wahrheit von Beginn weg lieber die operative als die strategische Führung der Insel-Gruppe übernehmen wollte. Dies rechnet sich auch finanziell: Während der Verwaltungsratspräsident rund 210 000 Franken verdient, bekommt der CEO 500 000 Franken.

Gewählt wurde Jocham von jenem Gremium, das er selber präsidiert. Eine umfassende Nachfolgesuche für Baumann hat offenbar gar nicht stattgefunden. «Der Verwaltungsrat verzichtet auf ein Auswahlverfahren und spricht Jocham sein Vertrauen aus», steht in der Mitteilung. Der neue CEO selber war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dafür äusserte sich der Vizeverwaltungsratspräsident Daniel Hoffet und verteidigte das Vorgehen.

Kritik von der Politik

Bei Gesundheitspolitikern aus dem Kanton Bern hinterlässt die Wahl ein schales Gefühl. GLP-Grossrätin Barbara Mühlheim ­etwa kritisiert, dass für die beiden Funktionen auch unterschied­liche Anforderungsprofile bestehen. Normalerweise würde zudem jemand eher von der operativen in die strategische Leitung wechseln – nicht umgekehrt. «Die Transparenz über die Gründe für den Entscheid fehlt mir», so Mühlheim. Ähnliches sagt Elisabeth Striffeler (SP, Münsingen). Über die Hintergründe für die Rochade sei die Politik nicht informiert worden. Striffeler findet es auch störend, dass kein Auswahlverfahren stattgefunden hat. Ein No-go sei zudem das Doppelmandat Verwaltungsratspräsident oder -mitglied und CEO. «Diese Situation muss so schnell wie möglich beendet werden.»

«Diese Situation muss so schnell wie möglich beendet werden.»Elisabeth Striffeler (SP)

Auch für FDP-Grossrat Hans-Peter Kohler ist die «Gewaltentrennung» wichtig. Im fehlenden Auswahlverfahren sieht er aber kein Problem. «Es ist sehr schwierig, geeignete Leute zu finden. Mit Herrn Jocham wird nun jemand CEO, der sowohl für die operative als auch die strategische Führung geeignet ist.»

Kommt Pulver oder Egger?

Dass Jocham sein Mandat als Verwaltungsratspräsident abgeben muss, ist auch für Gesundheitsdirektor Schnegg klar. Bis der Regierungsrat aber einen neuen Präsidenten gefunden hat, bleibt der Unternehmer im Amt. Noch nicht entschieden ist, ob Jocham normales Verwaltungsratsmitglied bleiben wird. «Das müssen wir nun im Regierungsrat besprechen.» Die Suche nach einem Nachfolger wird laut Schnegg wohl einige Monate dauern. Denn er kann nicht einfach auf andere Kandidaten zurückgreifen, die bei der Nachfolge von Rohrer das Nachsehen hatten. Schon damals wurden einzig Gespräche mit Jocham geführt.

Als mögliche neue Verwaltungsratspräsidenten werden aber bereits die abtretenden Regierungsräte Barbara Egger (SP) und Bernhard Pulver (Grüne) gehandelt. Egger sagt zwar, dass dieses Gerücht noch nicht bis zu ihr durchgedrungen und sie auch nicht angefragt worden sei. «Sollte sich die Frage aber tatsächlich stellen, dann würde ich mir dies sehr gut überlegen, da mir die Insel am Herzen liegt.» Und für Pulver ist klar, dass er über allfällige neue Ämter erst nach einer halbjährigen Pause gegen Ende 2018 entscheiden werde. «Solange ich Regierungsrat bin, will ich mich in keine anderen Ämter wählen lassen», sagt Pulver.

Schnegg bestreitet Plan

Bleibt die Frage, ob von Beginn weg der Plan bestanden hat, Jocham via Verwaltungsratspräsidium zum CEO der Insel-Gruppe zu machen. Gesundheitsdirektor Schnegg winkt ab – und weicht aus: «Die Regierung kann nur den Verwaltungsrat wählen. Dieser wählt dann wiederum den Direktionspräsidenten.» Er habe aber gewusst, dass innerhalb des strategischen Gremiums darüber diskutiert werde, Jocham zum CEO zu machen. «Dazu geäussert habe ich mich nicht. Aber ich bin überzeugt, dass er ein guter Direktor sein wird.» Keinen Kommentar abgeben will Schnegg zum Verzicht auf ein Auswahlverfahren. «Das ist Sache des Verwaltungsrats.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 26.01.2018, 20:40 Uhr

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