Intersport hat Siegershirts für beide Champions-League-Finalisten parat

Die Firma Intersport mit Sitz in Bern deckt heute Samstag in Lissabon die Fans der Champions-League-Finalisten mit Schals und Trikots ein. Für beide Teams wurde ein Siegershirt produziert – die Hälfte landet im Abfall.

Intersport-Chef Franz Julen ist Fussballliebhaber und Geschäftsmann. Er jongliert mit dem offiziellen Champions-League-Ball.

Intersport-Chef Franz Julen ist Fussballliebhaber und Geschäftsmann. Er jongliert mit dem offiziellen Champions-League-Ball.

(Bild: Urs Baumann)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Auch am Samstagabend ist Intersport International für die Verkäufe der Fanartikel rund um das Finale der Champions-League in Lissabon zuständig. Der Vertrag mit der Uefa läuft seit 2009. Die Paarung zwischen Real Madrid und Atletico Madrid ist für Firmenchef Franz Julen mit Blick auf die Umsätze ein Traumfinal. «Atletico war 40 Jahre, Real 12 Jahre lang nicht mehr im Champions-League-Final. Wir werden viel mehr Fanartikel verkaufen, als wenn schon wieder Bayern München, Barcelona oder Chelsea im Endspiel stünden», sagt er in seinem Büro am Firmensitz im Schermenareal in der Stadt Bern.

Beide Finalisten kommen aus Madrid. Das sei optimal, sagt Franz Julen. «Lissabon liegt fünf Autostunden von Madrid entfernt. Wir rechnen damit, dass 100000 Madrilenen anreisen.» Und jeder davon ist ein potenzieller Intersport-Kunde. 140 Fanartikelverkäufer stehen in zwölf Shops im Stadion und in zwei Stores in den Fanzonen im Einsatz. Zwar gibt Franz Julen keine Zahlen bekannt, doch Insider rechnen mit einem Tagesumsatz zwischen 1,5 und 2 Millionen Franken. «Das Spezielle ist: Wir machen den ganzen Umsatz innerhalb weniger Stunden vor und nach dem Spiel», sagt Julen. Das sei eine besondere Herausforderung für die Logistik. Vor allem auch nach der Partie, wenn die Siegershirts in die Regale gelegt werden müssen.

«Ein heikles Geschäft»

Glücklicherweise hätten seine Leute viel Erfahrung mit solchen Situationen. «Wir machen das seit Jahren. Wir wissen, wie man die richtige Menge an Artikeln prognostiziert», sagt Franz Julen. Das Geschäft habe grosse Risiken. «Was bis Mitternacht nicht verkauft ist, bringen wir nur noch mit riesigen Preisabschlägen weg.» Dafür seien die Margen vor Mitternacht sehr hoch. So hoch, dass es rentabel ist, für beide Vereine ein Siegershirt zu produzieren – obschon die Hälfte davon (die Siegershirts des Verliererteams) nach dem Spiel vernichtet wird.

Die Zerrissenheit des Chefs

Im Fussball ist Franz Julen von Berufes wegen gespalten. Denn neben dem Tabellenstand seiner Lieblingsteams hat er während der Matchs ständig die Intersport-Geschäftszahlen im Hinterkopf. Der nächste innere Kampf des Firmenchefs steht an der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Brasilien an: Das Herz schlägt für die Schweiz, aber das Umsatzpotenzial spricht gegen unsere Nationalmannschaft. «Der Schweizer Markt ist nun mal klein, und die Fussballbegeisterung kann nicht mit derjenigen von Deutschland oder England verglichen werden», sagt Franz Julen. «Aus geschäftlicher Sicht sollten die grossen Mannschaften möglichst lange im WM-Turnier bleiben.»

Doch selbst bei den grossen Teams gibt es gewaltige Unterschiede – und weiteres Konfliktpotenzial für Julen. «Fussballerisch unterstütze ich Italien und Brasilien», sagt er. «Doch umsatztechnisch wäre der Final Deutschland gegen Frankreich kaum zu toppen.» Das wäre ein Endspiel zwischen den Ausrüstern Nike und Adidas. Und zudem ein Final zwischen den beiden Ländern mit dem grössten Intersport-Markt.

Der Schuh von Lionel Messi

«Ich gebe es zu», sagt Franz Julen, «an der WM wird mein Geschäftssinn über das Fanherz siegen.» Die Ziele des weltweit grössten Sporthändlers, der in 44 Ländern Filialen betreibt, sind hoch: Im WM-Jahr will Intersport erstmals die Umsatzmarke von 1 Milliarde Euro im Fussballsegment knacken. «Weil seit langem wieder einmal alle grossen Fussballnationen teilnehmen, ist dieses Ziel realistisch», sagt der Firmenchef. Zum Vergleich: Im EM-Jahr 2012 setze Intersport im Fussballsegment 850 Millionen Euro um. Der Gesamtumsatz der Intersport-Gruppe beträgt 10,3 Milliarden Euro.

Für die WM in Brasilien hat der Sporthändler vom Weltfussballverband Fifa gewisse Exklusivrechte erhalten. Intersport wird rund um den Globus 600 Fifa-WM-Shops betreiben. «Den Fussballschuh vom argentinischen Weltstar Lionel Messi gibt es nur bei uns zu kaufen», sagt Franz Julen.

Ebenfalls nur bei Intersport gibt es die offiziellen Erinnerungshirts, -schals und -baseballcaps zum heutigen Champions-League-Final. Franz Julen verfolgt diesen Final vor Ort im Heimstadion von Benfica Lissabon. Sein Herz schlägt «wie meistens: für den Aussenseiter» – also für Atletico Madrid. Das Schöne ist: Für einmal kann der Intersport-Chef ein Fussballspiel ohne innere Zerrissenheit geniessen. Denn fürs Geschäft macht der Sieger bei dieser «idealen Ausgangslage» keinen Unterschied.

Berner Zeitung

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