Ikea-Chefin: Offensive für mehr Frauen im Topmanagement

Simona Scarpaleggia, Chefin von Ikea Schweiz, setzt ambitionierte Ziele, was Frauen in Schweizer Chefetagen anbelangt – und hat dafür neun Schweizer Konzerne um sich geschart.

Hat 2009 in Italien das Frauenförderungsprogramm ValoreD gegründet: Simona Scarpaleggia, Chefin von Ikea Schweiz. (9. Mai 2012)

Hat 2009 in Italien das Frauenförderungsprogramm ValoreD gegründet: Simona Scarpaleggia, Chefin von Ikea Schweiz. (9. Mai 2012) Bild: Keystone

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Mindestens 20 Prozent Frauen im Topmanagement spätestens ab dem Jahr 2020: Dieses Ziel wollen neun in der Schweiz tätige Konzerne erreichen, die den Verbund «Advance – Women in Swiss Business» gegründet haben. Die Quote soll aber nicht im Vordergrund stehen.

Die angestrebte Verfünffachung des Frauenanteils auf den Teppichetagen gegenüber dem heutigen Durchschnitt ist bei Advance-Women keine juristisch verbindliche Verpflichtung, sondern «vielmehr ein Statement, das die Mitgliederfirmen mittragen».

Hürden überwinden

Für die Präsidentin des ersten derartigen Firmennetzwerkes hierzulande, Ikea-Schweiz-Chefin Simona Scarpaleggia, geht es vor allem darum, «einander zu helfen, organisatorische und praktische Hürden zu überwinden».

Während man sich über den «Krieg um Talente» beklage, werde immer noch die Hälfte des Pools an potenziellen Führungskräften meist übergangen, sagte Scarpaleggia am Gründungsanlass von Advance-Women in Rüschlikon ZH vor über 300 Teilnehmerinnen.

Für arbeitende Mütter gelte in der Schweiz immer noch, «entweder man zahlt ein Vermögen für die Kinderbetreuung, oder man ist vom Schulstundenplan abhängig». Es solle aber nicht entscheidend sein, wie lange die Präsenzzeit ist, sondern ob und welche Ziele erreicht werden, sagte Scarpaleggia, die 2009 bereits in Italien das Frauenförderungsprogramm Valore D gegründet hat.

Weitere Mitglieder gesucht

Dort ist die Zahl der angeschlossenen Firmen von 11 auf knapp 100 gestiegen. Zu den neun Gründerfirmen von Advance-Women gehören ABB, Credit Suisse, GE Capital, Ikea, McKinsey & Company, PwC, Sandoz, Siemens und Swiss Re. Weitere Mitglieder, insbesondere KMU, sind gesucht. Bis Ende 2014 sollen es mindestens 30 Firmen sein.

Mitglieder sollen untereinander ein Mentoring-Programm bieten, das ambitionierte Kaderfrauen mit Kompetenzen und Führungsqualitäten ausrüstet, damit sie ihre Karriereziele verfolgen können, sagte Vizepräsidentin Petra Jantzer, Managerin beim Beratungsunternehmen McKinsey.

An Veranstaltungen sollen Teilnehmerinnen weibliche Top-Führungskräfte aus verschiedenen Branchen treffen können, um mit ihnen zu diskutieren und von ihnen zu lernen. Ausgetauscht werden sollen Praxiserfahrungen zu «innovativen Arbeitsmodellen», damit Frauen ihre berufliche Karriere mit ihrem Privatleben vereinbaren können.

Ziele formulieren

Gefordert sind Unternehmen und die Gesellschaft. Vorab sollen aber die Frauen selbst für jeden Lebensabschnitt Ziele formulieren, Mut haben, Risiken eingehen, aber auch «charmant fordern», riet Post-Chefin Susanne Ruoff in ihrem Referat. Sie habe als junge Mutter ein Team mit einem 50-Prozent-Pensum leiten können, weil sie Unterstützung und Vertrauen von Vorgesetzten erhalten habe.

Auch bei IBM sei es nach anfänglichem Widerstand möglich gewesen, eine Führungsfunktion zu zweit auszuüben. Bei der Post seien heute 48 Prozent der Angestellten Frauen, im mittleren Management seien es 20 Prozent und im Topmanagement 8 Prozent. In zehn Jahren sollen es mindestens 40 bis 50 Prozent Topmanagerinnen sein, sagte Ruoff.

Die Schweiz müsse auf den Fachkräftemangel reagieren, sagte die Post-Chefin und verwies darauf, dass inzwischen gut die Hälfte der Uni-Abgänger weiblich seien. Ruoff strebt nach «Chancengleichheit als Selbstverständlichkeit», denn es wachse eine individualistische Generation heran.

Selbstverwirklichung werde gross geschrieben und Frauen hätten ein neues Selbstverständnis, sagte Ruoff. Auch Männer wollten vermehrt in die Kinderbetreuung eingebunden werden. Ob es auch eine gesetzliche Frauenquote brauche, auf diese umstrittene Frage ging sie nicht ein; ebenso wenig die Teilnehmerinnen an einer Podiumsdiskussion oder die Fragestellerinnen aus dem Publikum. (ajk/sda)

Erstellt: 05.09.2013, 15:38 Uhr

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