Hoteliers holen zum Rundumschlag aus

Schweizer Hotels leiden unter dem starken Franken. Verschiedene Vertreter kritisieren nun die SNB, die Politik – und die Bauern.

Leiden unter dem starken Franken: Ein Koch bei einem «Tag der offenen Tür» im Hotel Bellevue in Bern. (15. März 2015)

Leiden unter dem starken Franken: Ein Koch bei einem «Tag der offenen Tür» im Hotel Bellevue in Bern. (15. März 2015)

(Bild: Keystone)

Die Hotellerie im Wallis, Tessin und in Graubünden ist Opfer Nummer eins des überbewerteten Frankens. Wie gross die Anfälligkeit ist, hat die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) in mehreren Studien aufgezeigt. Studienleiter Yngve Abrahamsen, sagt zur «Schweiz am Sonntag»: «Wenn der Euro um die 1.05 Franken bleibt, wird die Hotellerie in den drei Kantonen etwa einen Viertel der Logiernächte aus dem Euroraum verlieren.»

Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse, greift Politik und Schweizerische Nationalbank (SNB) gleichermassen an. «Wie lang will die SNB noch zuschauen? Bei der Aufhebung des Mindestkurses ging sie davon aus, dass sich der Euro zwischen 1.10 und 1.15 Franken einpendeln würde. Davon sind wir auch fünf Monate der Aufhebung weit entfernt», so Züllig zur «Schweiz am Sonntag». Klare Worte richtet Züllig auch an die Politik. «Immerhin hatte diese auch drei Jahre Zeit, um die Rahmenbedingungen für das Ende des Mindestkurses anzupassen. Sie ist keinen Schritt vorwärts gekommen.»

«Nicht mehr stemmbar»

So habe es die Politik verschlafen, Parallelimporte zu erleichtern. «Ausländische Konzerne setzen noch immer überzogene Preise durch.» Statt zu helfen, erlasse die Politik unsinnige Regeln. «Speisekarten sollen alle Bestandteile angegeben, die Allergien verursachen. Sie werden bald aussehen wie Beipackzettel von Medikamenten», sagt Züllig, der in der Lenzerheide GR das Hotel «Schweizerhof» führt.

Die Politik solle daher einen Marschhalt einlegen.«Nicht mehr stemmbar», sei die Belastung durch den Franken. Man habe sich schon verausgabt, um die Euroabschwächung von 1.50 Franken auf 1.20 wettzumachen. «Nun sollen wir bis zur Wintersaison einen Preisunterschied von 15 Prozent aufholen. Das ist mit besseren Prozessen und Marketing allein nicht zu schaffen.» Daher würden auch Betriebe in Schwierigkeiten geraten, die mit einem Kurs von 1.20 Franken eine Zukunft gehabt hätten.

Hoffen auf Schweizer Gäste

«Hotels, die ihre Hausaufgaben gemacht und auch investiert haben – selbst solchen könnte es an den Kragen gehen.» Ein Hoffnungsschimmer sind die Schweizer Gäste. «Im letzten Winter hatten wir 2.5 Prozent mehr einheimische Gäste», sagt Züllig. Das zeige auch, dass man bei kurzen Reisen nach wie vor einen Vorteil habe. «Viele wollen nicht fünf Stunden lang Auto fahren.» Nicht zuletzt hofft Züllig auf das Wetter. «Wenn wir Glück haben, wird uns das Wetter in der kommenden Sommer- und Wintersaison sehr helfen.»

Ernst Wyrsch, Präsident des Hotelierverbandes Graubünden, sagt zur «Schweiz am Sonntag»: «In den nächsten drei bis vier Jahren werden wir eine Rüttel- und Schüttelphase durchleben, wie wir sie in den letzten 30 Jahren nicht gesehen haben.» Ganz wichtig sei jetzt, dass die Hoteliers in dieser schwierigen Phase ihre Liquidität im Griff hätten. Um sie zu sichern, seinen enge Kooperationen zwischen den Hotels unabdingbar. In der gemeinsamen Werbung, beim Personalmanagement, beim Einkauf sieht er Einsparmöglichkeiten durch bessere Zusammenarbeit.

Brisante politische Forderungen

«Wir müssen zusammenstehen», sagt Hotelier Wyrsch, der auch Verwaltungsratspräsident des Tophotels Arosa Kulm und der Seehof Selection Group mit Betrieben in Davos und Klosters ist, stellt brisante politische Forderungen: So verlangt er in der «Schweiz am Sonntag», dass die Bestimmungen des landesweiten Gesamtarbeitsvertrages gelockert werden. «Wir wollen eine Flexibilisierung und eine Erhöhung der Arbeitszeiten», sagt Wyrsch.

Hart ins Gericht geht der bekannte Graubündner Hotelier mit den Landwirten. «Die Bauern sind unsere grössten Gegner», sagt Wyrsch, der während Jahren das Steigenberger Belvédère in Davos führte. Er macht einen pikanten Vorschlag, um die «überrissenen» Lebensmittelpreise zu bekämpfen. Wyrsch verlangt, dass Hotelbetriebe für ihre ausländischen Gäste Fleisch und Gemüse und andere Nahrungsmittel aus dem Ausland zollfrei importieren dürfen.

Die überteuerten Schweizer Grundnahrungsmittel seien der Hauptgrund, warum der Schweizer Tourismus krankt. Aber gegen die mächtige Bauernlobby sei kein Kraut gewachsen. Es sei geradezu «schamhaft», mit welcher Gier der Bauernverband sein Pfründe verteidigt. «Politisch ist das Thema toxisch verseucht», sagt sich Wyrsch verärgert. Alle politischen Bemühungen für mehr Wettbewerb und tiefere Preise würden vom «Bauernverband mit der SVP im Schlepptau» erfolgreich zunichte gemacht.

rar

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