Grosse Bank, teures Online-Trading

Hintergrund

UBS und CS verlangen ein Vielfaches mehr für den Online-Börsenhandel als kleinere Anbieter. Sie rechtfertigen die hohen Preise mit gutem Service – doch gerade da bekommen sie Konkurrenz von unerwarteter Seite.

2476 Franken an Gebühren pro Jahr bezahlt, wer bei der UBS ein Konto hat und gelegentlich online mit Aktien oder Obligationen handelt. Bei der Credit Suisse sind es sogar 2564 Franken. Die beiden Grossbanken schneiden damit bei der Studie von Moneyland.ch am schlechtesten ab – der Finanzvergleichsdienst untersuchte die Gebühren- und Transaktionskosten der 18 wichtigsten Schweizer Online-Broker.

Zum Vergleich: Bei der Online-Handelsplattform Cornèr Trader muss ein Privatkunde, der gelegentlich online Börsenhandel betreibt, 645 Franken an Gebühren abgeben – fast viermal weniger als ein CS-Kunde also. Die CS begründet diesen Preisunterschied mit den weiteren Dienstleistungen, die man den Kunden biete: Eine individuelle Vermögens- und Anlageberatung, ein umfassender Beratungsprozess, Instrumente zur Überprüfung und Optimierung von Portfoliorisiken oder Direktzugang zu Researchmaterial gehören dazu. «Unser Gebührenmodell widerspiegelt dieses Angebotsprofil und lässt sich nicht direkt mit anderen vergleichen», sagt Daniela Häsler, Mediensprecherin der CS, gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz.

Grossbanken verlieren Servicevorsprung

Allerdings: In Sachen Serviceleistungen haben die Grossbanken gegenüber ihrer Konkurrenz in den letzten Jahren offenbar einiges an Vorsprung eingebüsst. Die Migros-Bank jedenfalls nimmt für sich in Anspruch, ihren Kunden mindestens genau so viel Beratung zu bieten wie die grösseren Konkurrenten. Laut Mediensprecher Albert Steck gehören dazu etwa eine Börsenhotline, online abrufbare Börsenkurse, Grafiken und Charts, ein Newsletter mit Zusatzinformationen, Depotauswertungen oder eine App mit Zugriff aufs Depot. Zudem war die Migros-Bank der erste Online-Broker, bei dem der Kunde einen Einheitspreis von 40 Franken pro Transaktion bezahlte, unabhängig vom Volumen der Transaktion (bis 100'000 Franken) oder vom Handelsplatz. Das scheint auf Gegenliebe zu stossen: «Wir beobachten einen konstanten Kundenzulauf», sagt Steck. Genaue Zahlen kann er allerdings nicht nennen.

Die Migros-Bank sei die einzige Universalbank, die mit den reinen Online-Banken bei den Kosten mithalten könne, schreibt die Plattform Finanzmonitor.com. Auch Experten loben die neue Strategie der Genossenschaftsbank. «Bei vielen Tradern sind die Preisunterschiede in Abhängigkeit von der gehandelten Geldsumme enorm – dabei bleibt der Aufwand für die Bank in etwa gleich», sagt Andreas Dietrich, Professor am Institut für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern. Er unterstützt deshalb die sogenannte «Ticket Fee» der Migros-Bank.

Ohnehin sind die enormen Unterschiede bei den erhobenen Gebühren laut Dietrich schwer zu rechtfertigen. Denn bei den meisten Banken finde hier eine Quersubventionierung statt: «Sie bieten zwar persönliche Beratung zum Nulltarif an, müssen die Ausgaben dafür aber über die Transaktions- und Depotgebühren wieder hereinholen. Daraus entstehen versteckte Kosten, die auch von den Tradern bezahlt werden, die keine Beratung in Anspruch nehmen.» Es wäre laut Dietrich deshalb sinnvoller, für jede Transaktion denselben Betrag zu verlangen und dafür eine kostenpflichtige Beratung einzuführen.

«Die bisherigen Bankbeziehungen überdenken»

Für viele Kunden der CS und der UBS würde es sich laut Finanzmonitor.com jedenfalls lohnen, «die bisherigen Bankbeziehungen zu überdenken». Eine beachtliche Zahl hat das offenbar bereits getan, denn neben der Migros-Bank beobachtet auch die Saxo Bank einen Zulauf an Kunden, wie Sprecher Erik Schafhauser bestätigt. Ins Detail geht auch er nicht, aber vielen Neukunden gehe es ganz offensichtlich darum, «Einsparmöglichkeiten zu nutzen». Dass die Online-Investmentbank gewisse Services nicht anbietet, scheine kein Problem zu sein, «sie finden bei uns wohl andere, nützlichere Dienstleistungen – zum Beispiel die Community, in der sich die Händler austauschen können. Generell steht der schnelle, einfache Marktzugang im Vordergrund, sei es am PC oder mobile.»

Bei Moneyland.ch will man sich zu Sinn und Unsinn der hohen Gebühren nicht äussern. Laut Mediensprecher Benjamin Manz hängt das vor allem davon ab, wie viel Beratung erwünscht ist, mit welchen Aktien und an welchen Börsenplätzen gehandelt werden soll. Er empfiehlt deshalb, Test-Accounts bei den Anbietern einzurichten, die infrage kommen.

fko

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt