Finanzkrise reisst bei Swiss Life grosse Löcher

Der Lebensversicherungskonzern spürt die Finanzkrise: Den anvisierten Gewinn von 1,9 Milliarden Franken wird er nicht erreichen. Ohne ausserordentliche Gewinne würde Swiss Life in die Verlustzone rutschen.

Die Finanzkrise setzt nun auch der Swiss Life deutlich stärker zu als bisher erwartet. Der grösste Schweizer Lebensversicherer gab am Mittwoch bekannt, dass er ohne ausserordentliche Gewinne aus Verkäufen deutlich in die Verlustzone fiel. Das Aktienrückkaufsprogramm wurde eingestellt. Die Kapitalbasis wird aber als solid bezeichnet.

Anlagen in Hedge-Funds besonders betroffen

Der Rückschlag wurde mit der Verschärfung der Finanzkrise seit Ende September erklärt. Sie habe sich auf verschiedene Anlagekategorien im Portefeuille der Swiss Life ausgewirkt. Besonders betroffen seien die alternativen Anlagen in Hedge-Funds sowie jene Anleihen von Firmen gewesen, die in den letzten Wochen zahlungsunfähig geworden seien, heisst es in der Zwischenmitteilung. Auf Grund der nochmals deutlichen Verschlechterung an den internationalen Börsen hätten auch auf den Aktienpositionen zusätzliche Wertberichtigungen vorgenommen werden müssen.

Zusammen mit dem starken Anstieg des Euro führe dies dazu, dass der Ende August in Aussicht gestellte Reingewinn von 1,8 bis 1,9 Milliarden Franken für das ganze Jahr nicht erreicht werden könne. Neben den ausserordentlichen Gewinnen auf den Verkäufen in Höhe von 1,5 Milliarden Franken werde Swiss Life im fortgeführten Geschäft für das ganze Geschäftsjahr einen deutlichen Verlust ausweisen. Auf eine neue Gewinnprognose will sich der Konzern nicht einlassen.

Kein Aktienrückkaufsprogramm und keine Dividende

Mit einer Reihe von Massnahmen sollen weitere negative Auswirkungen der Finanzkrise auf Eigenkapital und Ergebnis vermeiden werden. So beschloss der Verwaltungsrat, das laufende Aktienrückkaufsprogramm einzustellen. Zudem geht Swiss Life nicht mehr davon aus, die ursprünglich in Aussicht gestellte Dividende in der Höhe von 600 Millionen Franken zahlen zu können. Der Verwaltungsrat will erst nach Vorliegen des Jahresresultats über die Ausschüttung an die Aktionäre entscheiden.

Weiter nahm der Konzern Umbuchungen vor, wie sie gemäss dem Rechnungslegungsstandard IFRS möglich sind. Gewisse Anleihen, die bisher als jederzeit verkäufliche finanzielle Vermögenswerte verbucht waren, für die aber auf absehbare Zeit keine Verkaufsabsicht besteht, werden in der Bilanz neu per 1. Januar 2008 als Darlehen und zum Marktwert verbucht. Dadurch werden die kurzfristigen Auswirkungen der Marktschwankungen dieser Wertpapiere auf das Eigenkapital eliminiert. Die Umklassierung betrifft Anleihen mit einem Buchwert von rund 15 Milliarden Franken per 1. Juli dieses Jahres. Die auf der Basis der IFRS-Bilanz nach den Vorgaben des Bundesamts für Privatversicherungen berechnete Gruppen-Solvabilität betrug so per Ende September rund 150 Prozent.

Operatives Geschäft verläuft zufriedenstellend

«Trotz der schlimmen Krise an den Finanzmärkten verfügen wir über eine gute Kapitalausstattung», wird Konzernchef Bruno Pfister in der Mitteilung zitiert. Im Oktober habe man zudem die Aktienquote auf deutlich unter ein Prozent gesenkt und das Risiko des Hedge-Fund-Portefeuilles durch Absicherungsmassnahmen markant reduziert.

Mit dem operativen Geschäft ist der Konzern hingegen zufrieden, wie es in der Zwischenmitteilung weiter heisst. Demnach nahm das Prämienvolumen im fortgeführten Geschäft in den ersten neun Monaten im Vergleich zur Vorjahresperiode um ein Prozent auf 14,0 Milliarden Franken zu. Im dritten Quartal musste Swiss Life aber einen Rückgang des Prämienvolumens um elf Prozent hinnehmen.

Der Finanzdienstleister AWD erzielte in den ersten neun Monaten einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 31 Millionen Euro. Das Ergebnis hat sich damit gegenüber der Vorjahresperiode halbiert. In Grossbritannien wird das Geschäft restrukturiert. Die Kosten belasten den Swiss-Life-Abschluss mit rund 30 Millionen Franken.

vin/ap/sda

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