Galenica verschreibt sich eine Aufspaltung

Was lange erwartet worden war, wurde am Dienstag verkündet: Galenica spaltet ihr Geschäft in zwei Firmen auf. Etienne Jornod bleibt Präsident, während der bisherige Chef David Ebsworth durch zwei CEOs ersetzt wird.

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So ganz überraschend kam die Meldung gestern nicht. Branchenkenner und Analysten hatten bei Galenica schon länger eine Aufspaltung in verschiedene Einheiten erwartet. Zu unterschiedlich waren Geschäftsfelder, Geschwindigkeit und Rentabilität der Bereiche Pharma sowie Logistik, Einzelhandel und Gesundheitsinformationen.

Während Letztere bei einem Umsatz von 2,7 Milliarden Franken einen Gewinn von 120 Millionen erwirtschafteten, belief sich der Gewinn in der Pharmasparte auf 270 Millionen Franken bei einem Umsatz von 660 Millionen.

Zulassung gab den Anstoss

Auf Anfrage dieser Zeitung, warum man sich gerade jetzt zur Aufspaltung in zwei separate Firmen entschlossen habe, antwortete Galenica-Präsident Etienne Jornod: «Unser Ziel war, für unsere verschreibungspflichtigen Arzneimittel weltweit Zulassungen zu erhalten.» Als man vor einem Monat erfuhr, dass auch das Arzneimittel Velphoro überall in Europa zugelassen werde, sei der Moment gekommen, die Hauptaktivitäten auf zwei verschiedene Unternehmen aufzuteilen. Mit all den Zulassungen sei das Pharmasegment nun stark genug, um auf eigenen Füssen stehen zu können.

Diese Sparte ist in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark gewachsen. Nach eigenen Angaben ist die Berner Firma etwa weltweit führend bei Eisenpräparaten. Mit dem Produkt Ferinject darf in den USA und in weiteren 59 Ländern Blutarmut behandelt werden.

«Mit zwei Strategien statt wie bisher einer können wir besser und erfolgversprechender den jeweiligen Geschäftsfeldern Rechnung tragen», sagte Jornod. Weiter gab er sich überzeugt, dass die Fokussierung des Pharmabereichs zu höheren Umsätzen führen wird. Seiner Ansicht nach ist das Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Noch im Dezember klang es anders. Im Gespräch mit dieser Zeitung meinte der gebürtige Neuenburger, dass die Abspaltung des Pharmabereichs kein Thema sei. Vifor wäre bei Galenica am besten aufgehoben.

Die Frage, ob die Aufspaltung eine Vorbereitung auf mögliche Übernahmen sei, etwa damit das neu gegründete Pharmagrosshandelsunternehmen Walgreens Boots Alliance Galenica einfacher kaufen könne, verneinte Jornod. Die Vorgängerfirmen pflegen enge Kontakt mit Galenica. «Der Umbau zielt nicht in diese Richtung. Auch früher schon konnten uns andere Firmen Kaufofferten vorlegen.»

Jornod bleibt am Ruder

Der 61-jährige Jornod bleibt weiterhin exekutiver Verwaltungsratspräsident der Galenica-Gruppe, unter deren Dach künftig die zwei separaten Unternehmen Vifor Pharma und Galenica Santé geschäften. Ziel des Umbaus soll auch sein, dass beide Firmen in zwei bis fünf Jahren als börsenkotierte Unternehmen selbst bestehen können. Galenica Santé, die Apotheken, Logistikgeschäft und Gesundheitsinformationen vereint, wird von Jörg Kneubühler geführt werden. Der 54-jährige Luzerner war bisher Personal- und Finanzchef bei Galenica. Seine Position als Finanzchef der Gruppe wird er beibehalten.

An der Spitze der neuen Firma Vifor Pharma wird der 49 Jahre alte Däne Søren Tulstrup stehen. Er leitete zuletzt ein dänisches Biopharmaunternehmen. Der 60-jährige David Ebsworth, seit 2011 operativer Chef von Galenica, geht im August 2015 in den Ruhestand. Er habe den Wunsch geäussert, nicht mehr im bisherigen Rhythmus weiterzuarbeiten und eine neue Rolle zu übernehmen, teilte Jornod in der Telefonkonferenz dazu mit.

Kurzfristig keine Änderung

Analysten nehmen die Ankündigung von Galenica gelassen. «Die Aufteilung war ein Schritt, den der Markt schon lange gefordert hat», sagt etwa Sibylle Bischofberger, Analystin bei der Zürcher Kantonalbank. Kurzfristig werde sich die strategische Neuausrichtung nicht auswirken. Etienne Jornod werde weiter der Chefstratege bleiben, und es brauche Zeit, bis sich der CEO von Vifor Pharma, der von aussen komme, eingearbeitet habe.

Auch müssten die zwei Firmen erst hübsch gemacht werden, um im Alleingang an der Börse zu bestehen. «Da muss noch einiges passieren», so Bischofberger. Galenica Santé sei in einem schwierigen und regulierten Schweizer Markt unterwegs. Von Vifor Pharma sei nicht bekannt, welche Neuheiten in der Pipeline seien. Dass der Umbau von den Anlegern doch goutiert wurde, zeigte die Galenica-Aktie. Sie schloss gestern im Vergleich zum Vortag mit einem Plus von 5,3 Prozent bei 860 Franken. Auch die Halbjahresresultate gab Galenica am Dienstag bekannt: Während der Umsatz um 0,8 Prozent auf 1,66 Milliarden Franken stieg, sank der Gewinn auf Stufe Ebit um 7,2 Prozent auf 189 Millionen Franken. Unter dem Strich erhöhte sich der Gruppengewinn um 7,9 Prozent auf 150 Millionen Franken.

Für das Gesamtjahr geht das Galenica-Management auf vergleichbarer Basis jedoch weiterhin von einer Steigerung aus. Der Gewinn soll vor als auch nach Abzug von Minderheiten zum 19.Mal in Folge erhöht werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.08.2014, 06:44 Uhr

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Stefan Schnyder, Leiter Ressort Wirtschaft, kommentiert die Aufspaltung.

Jornod bereitet sein Vermächtnis vor

Galenica steht an einem Scheideweg. Etienne Jornod, der Präsident des Berner Pharmaunternehmens, hat gestern die Aufspaltung des Unternehmens in die Wege geleitet. Kurzfristig wird es keine grossen Veränderungen geben, aber längerfristig wird dieser Schritt grosse Folgen haben.

Für die angekündigte Aufspaltung gibt es gute Gründe. Zu verschieden haben sich die beiden zentralen Geschäftsfelder entwickelt. Galenica ist aus der Selbsthilfeorganisation der Apotheker entstanden. Heute ist das Unternehmen schweizweit führend in der Logistik von Medikamenten. Und es ist mittlerweile auch zur grössten Apothekenkette in der Schweiz geworden. Doch der Betriebsgewinn dieses Bereichs von 20'000 Franken pro Mitarbeiter ist nicht berauschend.

Demgegenüber ist die Tochterfirma Vifor Pharma eine Renditeperle. Sie stellt Medikamente gegen Eisenmangel her. Der Betriebsgewinn pro Mitarbeiter von über 130000 Franken ist um ein Vielfaches höher als derjenige der Logistikbranche. Allein diese Zahlen zeigen, wie unterschiedlich aufgestellt diese zwei Bereiche sind. Auch das Potenzial der beiden Bereiche ist ungleich: Während die Wachstumsmöglichkeiten auf dem Schweizer Markt im Logistik- und Apothekengeschäft beschränkt sind, hat das Geschäft mit Medikamenten viel Potenzial.

Der Galenica-Präsident will nun dafür sorgen, dass die beiden Unternehmensteile in den nächsten drei bis fünf Jahren stark genug werden, um allein zu bestehen. Dieses Ziel können diese durchaus erreichen. Die Herausforderung des Pharmabereichs Vifor besteht darin, zusätzlich zu den etablierten Erfolgsprodukten weitere Medikamente zu entwickeln.

Jornod stellte gestern in Abrede, dass durch die Aufspaltung die beiden einzelnen Unternehmen attraktiver für Kaufinteressenten werden. Doch diesbezüglich ist ein Fragezeichen anzubringen. Vifor Pharma wird für einen grossen Pharmakonzern ein interessanteres Übernahmeobjekt sein als die gesamte Galenica mit ihren 5700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im Logistikbereich tätig sind. Nur wenn der Börsenkurs einigermassen hoch bleibt, wird Vifor Pharma längerfristig unabhängig bleiben.

Mail: stefan.schnyder@bernerzeitung.ch

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