«Für kalte Betten muss man keine Skilifte bauen»

Beim neuen Skigebiet Andermatt-Sedrun ist die schwedische Firma Skistar definitiv mit an Bord. Franz Steinegger, Kritiker der ersten Stunde, äussert seine Bedenken gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz.

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Olivia Raths@tagesanzeiger

Der Deal steht: Der schwedische Skigebietbetreiber Skistar wird die Skiregionen von Andermatt und Sedrun zusammenlegen, ausbauen und betreiben. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris die Schweden für das Projekt engagiert – trotz des zwischenzeitlichen Rückzugs von Skistar aus den Verhandlungen. Bo Halvardsson, technischer Direktor von Skistar, übernimmt die operative Leitung der Andermatt-Surselva Sport AG und wird ab dem 15. September besagte Skigebiete betreuen.

Andermatt-Surselva Sport plant in einem ersten Schritt Investitionen von 130 Millionen Franken für die Skigebiete von Andermatt und Sedrun. Der Baubeginn ist für 2013 vorgesehen. Die Beteiligten stehen allerdings nicht geschlossen hinter dem Projekt. Franz Steinegger, ehemaliger Urner FDP-Nationalrat und Verwaltungsratspräsident der Andermatt-Gotthard-Sportbahnen, tritt per Generalversammlung von Ende September von seinem Amt zurück. Dies gab er im Frühjahr bekannt. Mit ihm tritt der gesamte Verwaltungsrat ausser Gérard Jenni zurück. «Wir stehen nicht mehr hinter der Sache», sagt Steinegger auf Anfrage. «Nach dem Rücktritt habe ich nichts mehr mit der Sache zu tun, ausser dass ich privat die Region besuchen werde.» Momentan stehen laut Steinegger keine Kandidaten für die Neubesetzungen fest. Es sei jedoch möglich, dass Skistar im Verwaltungsrat Einsitz nehmen werde. «Das würde ich zur Kenntnis nehmen.»

Die Walliser haben Steinegger gewarnt

Steinegger war grundsätzlich nicht gegen das Engagement von Skistar. Doch ein Mail des Unternehmens im letzten Winter sorgte für Ärger: «In einem arroganten Ton übten die Schweden Druck auf uns aus.» Schliesslich habe er sich vor allem an der Arroganz von Skistar gestört.

Er kritisiert ebenfalls, dass die Firma nicht nur das Skigebiet betreiben wolle, sondern auch die Skivermietung und vieles mehr in die Hand zu nehmen plane. Zwar sagt Steinegger bezüglich der Kompetenz von Skistar: «Die Schweden können etwas.» Doch die Region müsste mehr miteinbezogen werden, ein Mitspracherecht haben. Steinegger erinnert sich, wie prominente Walliser ihn einst warnten: «Behaltet die Bahnen in euren Händen und schaut, dass die Region das Sagen hat.» Sie hätten Saas Fee und Verbier als Beispiele genannt, wie die Lokalen ihren Einfluss an ausländische Investoren verloren hätten.

«Ich hoffe, es kommt gut»

Weiter stört sich Steinegger an der Grösse des Projekts im Skigebiet Andermatt-Sedrun. Anstatt das Ganze auf einen Schlag zu realisieren, wäre ein Ausbau in Etappen sinnvoller. So könne das Angebot schrittweise der Nachfrage angepasst werden. Auch Studien, etwa von der Hochschule St. Gallen, würden dies untermauern. «Mit einer zu grossen Anlage läuft man Gefahr, dass sie nicht ausgelastet sein wird», so Steinegger. «Für die Nachfrage nach dem Skigebiet sind warme Betten massgebend.» Und danach sehe es momentan nicht aus. Für kalte Betten müsse man keine Skilifte bauen. Zudem sei das Geschäft mit den Tagestouristen nicht rentabel. Es brauche mehrtägige Aufenthalte von Skitouristen.

Abschliessend meint Steinegger: «Ich hoffe, es kommt gut. Ich habe einfach meine Bedenken bei den Skianlagen: dass das Konzept weder zeitlich noch umfangmässig aufgeht.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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