Fliegen wird durch Air-Berlin-Pleite teurer

Die Insolvenz von Air Berlin wird die Stellung der Swiss und Lufthansa in Zürich stärken. Es wird mit einem starken Preisanstieg für Flüge gerechnet.

Lufthansa-Gruppe springt ein: Maschinen von Air Berlin und Lufthansa am Flughafen Tegel in Berlin. (22. September 2017)

Lufthansa-Gruppe springt ein: Maschinen von Air Berlin und Lufthansa am Flughafen Tegel in Berlin. (22. September 2017) Bild: Maja Hitij/Getty

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Im Moment sorgt noch ein Staatskredit dafür, dass Air-Berlin-Maschinen in der Luft bleiben können. Doch damit wird in wenigen Wochen Schluss sein. Dies wird auch hierzulande spürbar werden, denn es ist mit teureren Ticketpreisen zu rechnen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Dies nicht nur, weil die Flüge der Billigairline in Zukunft von teureren Anbietern übernommen werden, sondern auch wegen des dadurch reduzierten Wettbewerbs. Die Flugpreise der Swiss halten sich auf den meisten Strecken durch den Konkurrenzkampf mit anderen Airlines im Zaum. Fällt in Zukunft eine Airline weg, erhält die Swiss auf dieser Strecke neu eine Monopolstellung. Der fehlende Wettbewerb wird in der Preisgestaltung bemerkbar sein.

Monopolpreise

Wie sich so eine Monopolstellung der Swiss auf die Flugpreise auswirken könnte, sieht man an der heute bereits nur von der Schweizer Fluggesellschaft bedienten Strecke Zürich–Brüssel. Der billigste Retourflug in der Klasse Eco zu Geschäftsreisezeiten für den zufällig ausgewählten 28. September ist für 1712 Franken zu haben. Zum Vergleich: Am gleichen Tag zur gleichen Zeit kostet ein Retourflug der Swiss nach Berlin 553 Franken.

65 Prozent aller Start- und Landezeitfenster am Flughafen Zürich, sogenannten Slots, fallen zurzeit der Lufthansa-Gruppe zu. Zur Gruppe gehören Swiss, Edelweiss, Lufthansa, Eurowings, Germanwings und Austrian Airlines. Übernimmt nun die Lufthansa Hauptanteile der Air Berlin sowie von deren Tochterunternehmen Niki, mit dem Experten rechnen, werden in Zukunft 70 Prozent der Slots von Flügen der Lufthansa bedient.

Keine Intervention

Der Flughafen Zürich hat nicht die Absicht zu intervenieren. «Aktive Massnahmen unternehmen wir im Fall von Air Berlin nicht; wir gehen davon aus, dass die freie Marktwirtschaft das Angebot bestimmen wird.» Doch gemäss Insidern sei diese nicht in jedem Fall völlig frei. So gelte ein inoffizielles Gentlemen’s Agreement: Über neue Strecken informiert der Flughafen Zürich zuerst die Swiss. Erst wenn diese ablehnt, werden andere Airlines angefragt.

Auch die Politik hält sich raus: Die Wettbewerbskommission wird sich wegen eines Abkommens mit der EU nicht einschalten. «Seit Inkrafttreten des Luftverkehrsabkommens zwischen der Schweiz und der EU im Jahr 2002 ist die EU-Kommission zuständig für die Überwachung und Durchsetzung der vereinbarten Wettbewerbsregeln auf Strecken zwischen der Schweiz und den Mitgliedsstaaten der EU», so Fachreferent Adrian Spühler zur «NZZ am Sonntag».

Eine Monopolstellung von Lufthansa wird nicht nur in der Schweiz befürchtet. In Deutschland und Österreich werde die Gruppe bereits bevorzugt behandelt. Laut Niki Lauda ist damit der Weg zum Lufthansa-Monopol und damit höheren Flugpreisen geebnet. «Die Übernahme der Air Berlin schafft quasi ein Monopol in Deutschland und Österreich. Das ist fürchterlich», beschwert er sich. «Die Lufthansa hat sich mit der Entscheidung alle wichtigen Slots auf den Flughäfen gesichert. Damit schafft kein weiterer Konkurrent mehr den Einstieg. Die höheren Ticketpreise sind angesichts der neuen Marktverhältnisse vorhersehbar.»

Keine Langstreckenflüge

Lufthansa biete 200 Millionen Euro für Air Berlin, berichtete die «Bild am Sonntag». Deutschlands grösste Fluggesellschaft sei darüber hinaus bereit, in der Übergangszeit Betriebskosten in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro zu übernehmen. Zwischen der Unterzeichnung des Kaufvertrags und dem Vollzug könnten nach Schätzung von Insidern etwa drei Monate vergehen, da die Zustimmung der deutschen und europäischen Wettbewerbsbehörden abgewartet werden müsse.

Am Montag tagt der Aufsichtsrat von Air Berlin. Im Anschluss will die Airline über den Stand des Verkaufs informieren. Insgesamt umfasst die Flotte von Air Berlin 144 Flugzeuge, darunter 17 Langstreckenflieger. Die Airline beschäftigt mehr als 8500 Personen. Die Mitarbeiter sollen laut «Berliner Zeitung» am Montag in Berlin und am Dienstag in Düsseldorf auf Betriebsversammlungen informiert werden.

Düster sieht es bei den Langstrecken aus. Lufthansa will sie nicht kaufen, wie Unternehmenschef Carsten Spohr bereits mitgeteilt hatte. Bereits in den kommenden Tagen werden laut «Bild am Sonntag» zwei Leasingunternehmen ihre Airbus-Maschinen zurückbekommen. Das Unternehmen AerCap hat demnach bereits zehn Airbus A330 zurückgefordert. (sep/sda)

Erstellt: 24.09.2017, 12:09 Uhr

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