Fessenheim und Gaskraftwerke trüben die Rechnung der BKW

Der Berner Energiekonzern BKW ist zurück in den schwarzen Zahlen. Trotz des Gewinns von 135 Millionen Franken bleiben Wermutstropfen: Die fossilen Kraftwerke im Ausland und das AKW Fessenheim könnten für die BKW zur Hypothek werden.

Der Berner Energiekonzern BKW hat 2012 einen Reingewinn von 135 Millionen Franken erzielt.

Der Berner Energiekonzern BKW hat 2012 einen Reingewinn von 135 Millionen Franken erzielt.

(Bild: Andreas Blatter)

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Eigentlich gibt es keinen Grund zum Klagen. Der Berner Energiekonzern BKW schliesst das Geschäftsjahr 2012 mit einem Reingewinn von 135 Millionen Franken ab. Die Scharte von 2011 ist ausgewetzt: Damals hat die BKW einen Verlust von 66 Millionen Franken eingefahren, zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Unternehmens.

Allerdings trüben Sondereffekte das Ergebnis 2012. Wie die BKW gestern mitteilte, hat der Konzern bei der Bewertung seiner Produktionsanlagen einen «Korrekturbedarf» von total 112 Millionen Franken ausgemacht. Die Rückstellungen betreffen unter anderem die fossilen Kraftwerke im Ausland – die Gaskraftwerke Livorno Ferraris und Tamarete in Italien sowie das Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven.

So war etwa Livorno Ferraris, an dem die BKW einen Anteil von 25 Prozent hält, im Jahr 2012 schätzungsweise nur gerade zu einem Drittel ausgelastet. Die Anlage produziert nicht rentabel. Und auch in Zukunft rechnet die BKW damit, dass die Gestehungskosten des Stroms höher sind als die Marktpreise. Das heisst: Weil die Strompreise derart tief sind, verdient die BKW kein Geld mit ihrer Beteiligung.

Unsicherheit bei Fessenheim

Unter ähnlichen Problemen dürften dereinst auch die Anlagen Tamarete und Wilhelmshaven leiden. Beide sind im Bau und sollen noch in diesem Jahr ans Netz gehen. Weil absehbar ist, dass auch sie nicht rentieren, hat die BKW ebenfalls Rückstellungen vorgenommen. Schliesslich musste der Energieversorger auch für das Wasserkraftwerk Hagneck Gelder zurückstellen. Auf welche Produktionsanlage welcher Betrag an Rückstellungen entfällt, gibt die BKW erst an der Bilanzmedienkonferenz vom 21.März bekannt.

Ein Teil der Rückstellungen betrifft die 5-Prozent-Beteiligung der BKW am Atomkraftwerk Fessenheim. Frankreichs Präsident François Hollande hat angekündigt, er wolle die Anlage vom Netz nehmen. Macht er dies wahr, könnte die BKW ihre Investitionen für die Nachrüstung des Atomkraftwerks nicht amortisieren. Laut Sprecher Antonio Sommavilla geht die BKW derzeit davon aus, dass Fessenheim noch bis Ende 2016 am Netz bleibt.

Dass die BKW trotz der Probleme im Ausland gut dasteht, verdankt sie vor allem der höheren Stromproduktion und den «im letzten Jahr eingeleiteten Kostensenkungs- und Effizienzmassnahmen», wie es in der Mitteilung heisst. Das Sparprogramm hat einen Umfang von 100 Millionen Franken, unter anderem sollen 255 Stellen abgebaut werden. Laut Sommavilla wurden 2012 die Kosten bereits um 30 Millionen Franken gesenkt. Die Stellen sollen über natürliche Fluktuation, nicht ersetzte Abgänge und Entlassungen abgebaut werden. Wie viele Entlassungen es bislang gegeben hat, will die BKW ebenfalls erst Mitte März bekannt geben. Aktuell beschäftigt der Konzern fast 3000 Angestellte.

Aktie schliesst im Plus

Das Ergebnis der BKW kommt auch bei den Analysten gut an: Sven Bucher von der Zürcher Kantonalbank bezeichnet zwar die Sondereffekte als «unerwartet hoch», spricht aber insgesamt von einem «sehr soliden Resultat». Die BKW-Aktie schloss gestern bei 31.25 Franken (+3,65 Prozent).

Berner Zeitung

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