«Faires Angebot» für Feintool

Der Industrielle Michael Pieper bietet für die Berner Feintool 350 Franken je Namenaktie. Er mag sich vom Firmengründer nicht mehr dreinreden lassen.

Will bei Feintool das alleinige Sagen haben: Michael Pieper.

Will bei Feintool das alleinige Sagen haben: Michael Pieper.

(Bild: Keystone)

Hans Galli

Jetzt gilt es ernst im Übernahmekampf um Feintool, den Weltmarktführer für Feinschneiden und wichtigen Zulieferer der Autoindustrie aus Lyss (BE). Die vom Industriellen Michael Pieper kontrollierte Artemis Beteiligungen AG hat gestern ihr Angebot offiziell publiziert. Wie Mitte Januar angekündigt, bietet sie 350 Franken je Namenaktie. Aktionäre, die auf einen höheren Preis spekulierten, gehen zumindest vorläufig leer aus. An der Schweizer Börse SIX sank der Kurs der Feintool-Aktie gestern um 4.75 Franken auf 358.00 Franken.

Artemis stützt ihr Angebot auf ein Gutachten der Treuhandgesellschaft BDO ab, weil die Feintool-Aktie wenig gehandelt wird. Der Grund ist, dass drei Gruppen den grössten Teil der Titel besitzen: Die Artemis-Gruppe von Michael Pieper hält 33 Prozent, weitere 30 Prozent besitzt Feintool-Gründer Fritz Bösch, und die Rolex-Gründerfamilie Borer in Biel kontrolliert über die Geocent AG 9,1 Prozent.

Über dem Durchschnittskurs

Gemäss dem Gutachten erfüllte die Feintool-Aktie die Liquiditätskriterien der Übernahmekommission (0,04 Prozent der Aktien müssen gekauft oder verkauft werden) in fünf von zwölf Monaten nicht. Da in den Monaten November und Dezember das Liquiditätskriterium aber erfüllt war, erachtet BDO den durchschnittlichen Kurs aus den 60 Börsentagen vor Ankündigung des Übernahmeangebots am 17. Januar als verlässlichen Indikator für den Mindestkurs. Dieser Durchschnittskurs betrug 326.90 Franken. Die von Artemis gebotenen 350 Franken liegen 7 Prozent höher. Die Schätzungen der Analysten schwanken zwischen 290 und 335 Franken. Da alle Schätzwerte unter 350 Franken liegen, bezeichnet Artemis ihr Angebot als fair.

Die Angebotsfrist beginnt am 15. Februar und dauert bis 14. März. Der Feintool-Verwaltungsrat muss sich bis zum 21. Februar dazu äussern. Falls Pieper die Mehrheitsbeteiligung von mindestens 50,1 Prozent der Aktien erreicht, will er den Verwaltungsrat zumindest teilweise mit neuen Mitgliedern besetzen, wie er im Angebotsprospekt ankündigt. Insbesondere die Tage von Alexander von Witzleben als Verwaltungsratspräsident dürften dann gezählt sein. Bleiben kann dagegen das Management inklusive Firmenchef Heinz Loosli: «Es bestehen keine Absichten, die Geschäftsleitung auszuwechseln», steht im Prospekt. Auch die bisherige Strategie der Gruppe soll weitergeführt werden.

Von der Krisenwelle erfasst

Die Feintool-Gruppe wurde im Jahr 2009 von der Krise der Automobilindustrie voll erfasst. Inzwischen befindet sie sich wieder im Aufschwung, insbesondere weil sich die Automärkte in China und Indien rasch erholt haben. Feintool beschäftigt weltweit 1500 Angestellte, davon 300 am Hauptsitz in Lyss.

Michael Pieper, Inhaber der Küchenbaufirma Franke in Aarburg, will künftig bei Feintool das alleinige Sagen haben – vor allem will er sich nicht von Firmengründer Bösch dreinreden lassen. Bösch könnte für seine Feintool-Aktien 80 Millionen Franken lösen – mit 20'000 Franken hatte er die Firma 1959 gegründet.

Tages-Anzeiger

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