«Es wird den Bienen nicht helfen»

Syngenta verzeichnet 2012 einen Rekordgewinn. Ein umstrittenes Insektengift brachte den Agrokonzern kürzlich in die Schlagzeilen. Syngenta-Chef Mike Mack nimmt Stellung.

Energie aus Mais: Syngenta hat eine Maissorte entwickelt, die für die Gewinnung von Ethanol geeignet ist. (15. Juli 2003)

Energie aus Mais: Syngenta hat eine Maissorte entwickelt, die für die Gewinnung von Ethanol geeignet ist. (15. Juli 2003)

(Bild: Keystone)

Herr Mack, derzeit wird in der EU über ein Verbot von bestimmten Insektiziden diskutiert, weil sie angeblich die Bienenbestände gefährden. Die Empfehlung ist ­völlig verkehrt und wird nicht durch substanzielle wissenschaftliche Erkenntnisse unterlegt. Die Kommission macht ihren Job als Regulator nicht. Sonst würden sie etwas tun, das den Bienen wirklich hilft! Bienen leiden an Schädlingen wie die Varroamilbe, das weiss jeder, aber weil die Behörde diese nicht kontrollieren kann, tut sie etwas, das nur so aussieht, als wäre es sinnvoll.

Ein Verbot würde also nichts bringen? Es wird den Bienen nicht helfen, ­sondern bloss europäischen Wählern und Konsumenten eine falsche Sicher­heit geben, dass etwas getan wird. Wir werden, falls es ein Verbot gibt und nichts passiert, sehen, dass wir einfach zwei Jahre Zeit verschwendet haben.

Syngenta soll im Jahr 2020 einen Umsatz von 25 Milliarden Dollar erwirtschaften. Heute sind es rund 14 Milliarden Dollar. Welche Zukäufe oder neuen Geschäftsfelder kommen bis in sieben Jahren dazu, damit der Konzern diesen Umsatz erreichen kann? Wir wollen nicht weiter diversifi­zieren. Wir wollen die bestehenden Geschäftsfelder ausbauen und dort neue Lösungen anbieten. Es werden auch keine grossen Deals nötig sein, um auf diese Zahl zu kommen.

Können Sie sagen, was die Steigerung des Umsatzes um doch 80 Prozent an zusätzlichen Stellen in Basel bedeutet? Nein, das kann ich nicht. Wir haben hier zwar unseren Hauptsitz, renovieren diesen für 200 Millionen Franken und wollen auch hier bleiben. Aber um Geld zu verdienen, müssen Sie hinaus zu den Farmern. Investieren möchte ich auch in die Forschung. Als Geschäftsmann habe ich nicht die Ambition, einfach das Personal am Hauptsitz zu erhöhen. Wir planen nicht, unseren Fussabdruck auf dem Rosental substanziell zu vergrössern.

Eine der grossen Hoffnungen von Syngenta ist der Bereich Zuckerrohr – auch wegen dessen Verwendungsmöglichkeit für die Herstellung von Ethanoltreibstoff. Wird die Schiefergasrevolution in den USA nicht die Nachfrage nach Bio­treibstoffen dämpfen? Es muss sich erst noch weisen, wie sich dieser Gasboom auf die Treibstoffversorgung auswirkt. Vorerst wäre es sinnvoll, wenn möglichst viel fossile Treibstoffe durch Bioethanol ersetzt werden.

Syngenta hat auch eine Maissorte entwickelt, die speziell geeignet ist für die Gewinnung von Ethanol. Wie verkauft sich die? Grossartig. Es sieht aus, dass wir zwischen acht und 15 Cents pro Gallone an Kosten sparen können.

In der Pharmaindustrie ist der Verfall des Patentschutzes ein grosses Thema. Wie ist das eigentlich im Agrogeschäft? Das Verhältnis zwischen patent­geschützten Produkten und solchen, die nicht mehr geschützt sind, ist bei uns über die letzten Jahre ziemlich stabil geblieben. Wir sind nicht besorgt über den Nachschub an neuen Wirkstoffen.

Haben Sie keine Blockbuster, deren Patente demnächst auslaufen? Wir haben Blockbuster, bei denen das Patent abläuft. Aber wir haben viele Mischungen und viele Einsatzgebiete. Wenn ein Patent abläuft, ist es für die Konkurrenz nicht zwingend interessant, in allen Bereichen mit einer Kopie auf den Markt zu kommen.

Was ist das wichtigste einzelne Produkt bei Ihnen? Ein Produkt, dessen Entwicklung ­unsere Aktionäre verfolgen, ist ein Fungizid namens Azoxystrobin, dort ist das Patent in gewissen Regionen schon abgelaufen. Diese Chemikalien herzustellen, ist aber nicht einfach, und wir haben bereits bei Weitem die günstigsten Herstellungskosten.

Basler Zeitung

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