Einstiger Pionier der TV-Technik stellt Betrieb ein

Die Gläubiger drehen den Geldhahn zu, neue Investoren sind keine in Sicht: Der deutsche Fernsehhersteller Loewe ist pleite.

Unklar ist, ob Loewe im Juli noch Löhne zahlen kann: Eine Mitarbeiterin im Werk in Kronach. (Archiv):

Unklar ist, ob Loewe im Juli noch Löhne zahlen kann: Eine Mitarbeiterin im Werk in Kronach. (Archiv):

Der Fernsehhersteller Loewe ist pleite und will zum Wochenende kurzfristig den Betrieb einstellen. Dem oberfränkischen Traditionsunternehmen ist das Geld ausgegangen, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung der Geschäftsführung hervorging. Demnach waren Gläubiger nicht gewillt, ein weiteres Darlehen zur Fortsetzung des Betriebs zu geben.

«Wir sind daher aus insolvenzrechtlichen Gründen zum Schutz unserer Gläubiger verpflichtet, den Geschäftsbetrieb voraussichtlich zum 01.07.2019 vorläufig bei geringster Kostenlast ruhend zu stellen», erklärte Geschäftsführer Ralf Vogt in einer Stellungnahme. Die Geschäftsführung wollte die gut 400 Mitarbeiter am Dienstag bei einer Betriebsversammlung informieren.

Damit hat sich die Krise bei einem einstigen Pionier der Fernsehtechnik dramatisch verschärft. Es ist nicht einmal klar, ob Loewe im nächsten Monat noch Gehälter zahlen kann: Laut Mitteilung von Vogt ist die Zahlung der Löhne und Gehälter «im Rahmen von Insolvenzgeld bis zum 01.07.2019 sichergestellt» – das ist der kommende Montag.

Bisher war bei Loewe ein Insolvenzverfahren in Eigenregie geplant, damit hätte Vogt weiter die Geschicke des Unternehmens lenken können. Nun ist ein reguläres Insolvenzverfahren eingeleitet, womit das Management die Kontrolle über das Unternehmen verliert.

Fernseh-Pionier

Das 1923 gegründete Unternehmen war ein Pionier der Fernsehtechnik, hat jedoch seit langem mit der übermächtigen Konkurrenz aus Südkorea, Japan und China zu kämpfen. Vogt ist erst seit Ende Dezember im Amt. Eine erste Insolvenz in Eigenverwaltung hatte Loewe 2013 mit Hilfe eines Investors überstanden.

Die Technik in Loewe-Produkten ist längst nicht mehr nur Made in Germany. Erst im Februar hatte Vogt eine strategische Partnerschaft mit dem japanischen Elektronikhersteller Toyoichi bekannt gegeben, der unter anderem LCD-Displays liefert. Von der einst bedeutenden deutschen Konsumgüterindustrie sind nur wenige Hersteller verblieben. Neben Loewe stellt noch Metz TV-Geräte her, seit 2015 unter Regie eines chinesischen Eigentümers.

nag/sda

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