Ein ultraschnelles Netz für fast alle

Bis zum Jahr 2020 sollen 85 Prozent aller Wohnungen und Geschäfte über einen Ultrabreitbandanschluss verfügen. So die Vision der Swisscom. Sie umzusetzen, birgt aber technische Tücken.

Ein Arbeiter montiert Glasfaserkabel der Swisscom für den Internetansschluss von Privathaushalten.

Ein Arbeiter montiert Glasfaserkabel der Swisscom für den Internetansschluss von Privathaushalten. Bild: Keystone

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Die Swisscom hat einen Grundversorgungsauftrag. Sie garantiert jedem Kunden einen Internetanschluss mit einer Mindestbandbreite von zwei Megabits pro Sekunde. «Wo dies aufgrund der Netzarchitektur über das Festnetz nicht möglich ist, kommen alternative Methoden über Satellit oder Mobilfunk zur Anwendung», erklärt Sepp Huber, Leiter des Mediendienstes. Da jedoch auch diese Lösungen oft unbefriedigend und vor allem teuer sind, werden unterversorgte Gemeinden auch mal selber aktiv. Das Emmentaler Bauerndorf Oberthal ist diesbezüglich ein gutes Beispiel.

Private Initianten, die wie in Oberthal ein Parallelnetz konstruieren, sind für die Swisscom keine Konkurrenz, wie Huber sagt. «Wir sind jedoch bestrebt, mit jeder Gemeinde individuelle Lösungen zu finden.»

Bandbreitenhungrig

Eine Strategie, die sich der Telecomriese jüngst auf die Fahne geschrieben hat: Die Gemeinden sollen stärker in die Planung eingebunden werden. Das hat Swisscom per Juni im Rahmen einer Neuausrichtung ihrer Netzbaustrategie festgelegt. Sepp Huber: «Den Gemeinden stehen künftig verschiedene Optionen offen, die Technologie, die Abdeckung und auch den Zeitpunkt der Erschliessung zu beeinflussen.»

Das Datenvolumen im Festnetz verdoppelt sich alle 16 Monate. «Deshalb will die Swisscom den Netzausbau weiter beschleunigen», so Huber. Dringend ist dies insofern, als dass die Nutzer immer bandbreitenhungrigere Services benutzen: Streamingangebote zum Beispiel oder Videos in HD-Qualität.

Ultraschnell

Bis 2020 sollen 85 Prozent aller Wohnungen und Geschäfte mit Ultrabreitbandtechnologien versorgt werden. Heisst: Daten werden mit einer Geschwindigkeit von mindestens 500 Megabits pro Sekunde geladen. Dafür kommen modernste Technologien wie die Glasfaser-Hybridtechnologie zum Einsatz.

Laut Swisscom verfügen heute rund 10 Prozent der Wohnungen und Geschäfte über einen schlechten Internetempfang. 4 Prozent müssen alternativ versorgt werden. Oberthal gehört derzeit noch in diese Kategorie, das Nachbardorf Arni jedoch, nur unwesentlich grösser, hat vor wenigen Monaten ein Glasfasernetz erhalten. Weshalb investiert Swisscom in Arni, nicht aber in Oberthal? Für den Oberthaler Gemeindepräsidenten Andreas Steiner eine Frage der Wirtschaftlichkeit: «Arni ist kompakter, der Aufwand und somit die Kosten für die Swisscom geringer.»

Ökonomisch

In der Tat kommen auch bei den neusten Glasfasertechnologien auf den letzten Metern bis ins Haus Kupferkabel zur Anwendung. Ab einer Länge von einem Kilometer übertragen diese die Daten nicht oder nur schlecht. Würde man eine Gemeinde wie Oberthal mit Glasfaser erschliessen, bräuchte es also zig (teure) Verteilkästen.

«Die Swisscom berücksichtigt nicht nur ökonomische Faktoren», entgegnet Medienchef Huber. «Das Unternehmen ist sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst.» Auch in Oberthal sei die Modernisierung des Netzes geplant – jedoch frühestens ab 2018.

Bis dahin sieht die virtuelle Welt vielleicht schon ganz anders aus. Schliesslich war man auch vor 50 Jahren felsenfest davon überzeugt, dass die Kupferleitungen im Boden fürs Telefonieren genau das Richtige sind. Was sie auch waren – aber eben nur für eine bestimmte Zeit. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.07.2015, 06:03 Uhr

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