Ein goldener Ausweg

Analyse

In Zeiten der Eurokrise könnten Parallelwährungen die Einheitswährung stützen – und einen Crash verhindern.

Ökonomen fordern eine Hartwährung für die Nordstaaten: Eine Zeichnung einer 10-Euro-Note vor dem Geldmuseum in Frankfurt.

Ökonomen fordern eine Hartwährung für die Nordstaaten: Eine Zeichnung einer 10-Euro-Note vor dem Geldmuseum in Frankfurt.

(Bild: Reuters)

Philipp Löpfe

Das deutsche Verfassungsgericht prüft derzeit, ob das Staatsanleihenprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen die Maastrichter Verträge verstösst oder nicht. Das Urteil zu dem Programm, das abgekürzt OMT heisst, wird im Herbst erwartet. Es dürfte der wichtigste Entscheid in der Geschichte des Karlsruher Gerichts werden.

Dabei schien zunächst alles harmlos. Allgemein wurde erwartet, dass die Richter das OMT-Programm mit ein paar mahnenden Worten durchwinken würden. Genau das hatten sie getan, als sie die Mittelaufstockung im Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) aufgrund einer Klage zu beurteilen hatten. Doch inzwischen mehren sich die Zweifel.

Ein Albtraum

Einer der einflussreichsten deutschen Ökonomen, Hans-Werner Sinn, erwartet sogar ein Urteil gegen die EZB. «Es ist schwer vorstellbar, dass das Gericht die unbegrenzte Ausweitung der deutschen Haftung durch das OMT-Programm akzeptieren wird», schrieb er kürzlich im «Handelsblatt».

Ein Veto des deutschen Verfassungsgerichts gegen die EZB wäre ein Albtraum. Einzig die Geldpolitik von Mario Draghi hat ein Jahr lang Ruhe auf den Finanzmärkten gebracht. Sie ist trügerisch: Allein die Androhung einer Regierungskrise in Portugal hat in der letzten Woche kurzzeitig für Hektik gesorgt und die Zinsen für die Staatsanleihen der Defizitländer hochgetrieben.

Wird die deutsche Regierung per Verfassungsgerichtsurteil gezwungen, sich gegen die EZB zu stellen, sind die Auswirkungen verheerend. Panik wird ausbrechen, die Märkte werden verrückt spielen. Ein totales Chaos wäre nur noch mit Parallelwährungen zu verhindern.

Harte Parallelwährung

Parallelwährungen gab es in der Geschichte der Menschheit immer wieder. Wir kennen harmlose Varianten im kommerziellen Alltag, Flugmeilen beispielsweise oder Cumulus-Punkte. Parallelwährungen entstehen meist dann, wenn das Vertrauen in die offizielle Landeswährung verloren gegangen ist. So diente die D-Mark im ehemaligen Ostblock lange als harte Parallelwährung zu den nicht konvertierbaren Landeswährungen. Der US-Dollar wurde in Südamerika als Schutz gegen Hyperinflation eingesetzt.

Auch die Eurozone ist laut Thomas Mayer, dem Ex-Chefökonomen der Deutschen Bank, inzwischen reif dafür. Im Buch «Europas unvollendete Währung» schlägt er die Einführung einer Hartwährung für die Nordstaaten vor. «Der Euro bliebe zwar weiter als Bargeld im ganzen Euroraum erhalten», so Mayer. «Aber parallel dazu könnte als Buchgeld eine harte Währung entstehen. In dieser Währung könnten Spar-, Kredit-, Lohn-, Kaufverträge abgeschlossen und bargeldlose Zahlungen getätigt werden.»

«Alles Gold der Welt»

In die gleiche Richtung zielen die Vorschläge von Daniel D. Eckert, dem Verfasser des Bestsellers «Weltkrieg der Währungen». In seinem neuen Buch «Alles Gold der Welt» schlägt er die Wiedereinführung von Landeswährungen vor, die zu 20 Prozent mit Gold gedeckt sind. Die Einheitswährung würde damit zum «schlechten», zum politischen Geld, das wahrscheinlich in einer Inflation massiv entwertet würde. Die wieder eingeführten Landeswährungen wären das harte Marktgeld.

«Für Deutschland würde das auf eine Rückkehr der D-Mark durch die Hintertür hinauslaufen», hält Eckert fest. «Es hätte sogar einen gewissen ironischen Charme, die neue Parallelwährung ‹Goldmark› zu nennen.» Da mag die Schweiz nicht hinten anstehen. Auch hierzulande hat sich ein Komitee gebildet, das sich für die Einführung eines Goldfrankens starkmacht.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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