Ein Bancomat für 150'000 Franken

Hintergrund

Gemeinden beklagen sich, dass sie für einen Bancomaten zahlen müssen. Allerdings sind Geldautomaten nicht ganz billig. Banken überlegen sich deshalb gut, wo sie einen solchen aufstellen.

Bargeld-Quellen: Nicht alle Bancomaten sind so dicht frequentiert wie diese am Zürcher Hauptbahnhof.

Bargeld-Quellen: Nicht alle Bancomaten sind so dicht frequentiert wie diese am Zürcher Hauptbahnhof.

(Bild: Keystone)

In Bussnang im Kanton Thurgau gibt es keinen Bancomaten. Keine Bank war bereit, einen Geldautomaten zu installieren – es sei denn, die Gemeinde zahlte einen Beitrag aus der Gemeindekasse. Auch die Gemeinde Oberglatt muss für einen Bancomaten im Dorfzentrum in die Tasche greifen. Dies berichtete die Sendung «10 vor 10» von SRF. Der Grund für die Forderung der Banken ist: Wirtschaftlichkeit spielt beim Betrieb eines Bancomaten eine Rolle.

25'000 Bezüge pro Jahr

«Der Betrieb eines Bancomaten muss sich rechnen», sagt Franz Würth, Mediensprecher von Raiffeisen, gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz. Konkret bedeutet das, dass ein «genügend grosses Bedürfnis» bestehen muss. Als Richtwert nennt Würth 25'000 Bezüge pro Jahr. Jeden Tag müsste also durchschnittlich 68-mal Geld bezogen werden, damit sich ein Automat lohnt. Denn Bancomaten sind teuer. Die Betriebs- und Investitionskosten betragen pro Gerät laut Würth je mehrere 10'000 Franken, abhängig von Gerätetyp und Standort.

Auch die UBS greift für die Installation von Bancomaten tief in die Tasche: «Die Betriebskosten für einen Bancomaten können sich im Rahmen von mehreren Zehntausend Franken pro Jahr bewegen», sagt Karin Aquilino, Mediensprecherin der UBS. Und die Installationskosten seien deutlich höher. Für einen rentablen Betrieb eines Automaten sind laut Aquilino «mehrere Zehntausend Transaktionen pro Jahr nötig».

Kosten bis zu 150'000 Franken

Die Thurgauer Kantonalbank beziffert die Kosten eines Bancomaten genauer: «Die Kosten für ein modernes Ein- und Auszahlungsgerät betragen zwischen 120'000 und 150'000 Franken», erklärt Cornelia Trefzer von der Kommunikationsstelle der TKB. Darin eingeschlossen seien sowohl bauliche Massnahmen wie beispielsweise Windschutz und Verankerung des Bancomaten als auch Sicherheitsmassnahmen wie Alarm und Überwachung. «Dazu kommen monatliche Betriebskosten von mehreren Tausend Franken.» Die Erschliessung neuer Bancomaten-Standorte müsse somit gut abgewogen werden, sagt Trefzer gegenüber TA. Die TKB betreibt gut 70 Bancomaten und prüft laufend neue Standorte.

Im Gegensatz zu privaten Banken haben die Kantonalbanken einen staatlichen Leistungsauftrag. Sie müssen nicht nur rentieren, sondern auch die Bevölkerung im jeweiligen Kanton mit Bankdienstleistungen versorgen und zur Entwicklung der Region beitragen. Für die Zürcher Kantonalbank sei es neben der Wirtschaftlichkeit eines Bancomaten ebenso wichtig, ihrem Versorgungsauftrag gerecht zu werden, sagt Mediensprecher Thomas Pfenninger gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz. «Die ZKB betreibt rund 300 Bancomaten, davon viele in ländlichen Gebieten.» In der näheren Umgebung von Oberglatt seien mehrere Bancomaten vorhanden.

Wie weit darf der Weg zum nächsten Geldautomaten sein? Was eine «gute Versorgung» in der «näheren Umgebung» bedeutet, bleibt von Fall zu Fall zu diskutieren. Bei der Stiftung für Konsumentenschutz seien bis jetzt jedenfalls keine Beschwerden über fehlende Bancomaten auf dem Land eingegangen, erklärt André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft, gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz.

Immer mehr Kartenzahlungen

Bei der Wahl eines Standorts für einen Geldautomaten spielen auch andere Kriterien eine Rolle. Franz Würth, Mediensprecher von Raiffeisen, erklärt: «Wesentlich ist die Bancomaten-Dichte generell und der Raiffeisen-Bancomaten im Speziellen.» Wichtig sei auch, ob in zumutbarer Distanz Bancomaten erreichbar sind und in welcher Richtung sich Pendlerströme bewegen. Die UBS wiederum weist darauf hin, dass Geräte in abgelegenen Gebieten potenziell gefährdeter sind für Skimming-Attacken. Laut Mediensprecherin Karin Aquilino installiert die UBS aus Sicherheitsgründen möglichst keine frei stehenden Geräte.

Die Zahl der Bancomaten in der Schweiz ist stetig angestiegen. Neue Automaten wurden laut Medienberichten aber vor allem in den dicht besiedelten Agglomerationen installiert und nicht auf dem Land. Aus der Sicht der UBS ist das Bancomaten-Angebot in der Schweiz grundsätzlich gesättigt. «Zahlungen mit Debit- und Kreditkarten nehmen stark zu», sagt UBS-Sprecherin Aquilino.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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