EWB-Chef hofft auf kalten Herbst

Das Gaskombikraftwerk im Forsthaus steht wegen zu hoher Temperaturen meistens still. Deshalb hat Energie Wasser Bern (EWB) dessen Wert um 6,3 Millionen Franken nach unten korrigiert.

EWB-Chef Daniel Schafer: «Unser Gaskombikraftwerk im Forsthaus läuft nur bei tiefen Temperaturen in Europa.»<p class='credit'>(Bild: Iris Andermatt)</p>

EWB-Chef Daniel Schafer: «Unser Gaskombikraftwerk im Forsthaus läuft nur bei tiefen Temperaturen in Europa.»

(Bild: Iris Andermatt)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Vor einem Jahr hat Energie Wasser Bern die Energiezentrale Forsthaus eröffnet. Im 500 Millionen Franken teuren Bau wird seither Kehricht verbrannt. Der dabei entstehende Dampf treibt Stromturbinen an. Zusätzlich hat es ein Holzschnitzelkraftwerk sowie ein Gas- und Dampfkombikraftwerk.

Doch dieses Kombikraftwerk stand im ersten Betriebsjahr hauptsächlich still. Nur jede achte Stunde wurde dort Strom produziert. Insgesamt verzeichnete das Kombikraftwerk 1100 Betriebsstunden. Gerechnet hatten die Verantwortlichen aber mit 4000 Betriebsstunden. EWB-Chef Daniel Schafer kommentierte die Zahlen an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz: Bei niedrigen Strompreisen sei die Produktion in besagtem Kraftwerk unrentabel. «Oft sind entweder die Strompreise zu tief oder die Gaspreise zu hoch.» Der Grund für die tiefen Strompreise in Europa sind staatliche Subventionen an die Produktion von Wind- und Solarenergie im Zeichen der Energiewende, was zu einer Stromschwemme führte.

Das Kombikraftwerk im Forsthaus laufe vor allem dann, wenn es in Europa kalt sei, betonte EWB-CEO Schafer. «Sind die Temperaturen in Frankreich tief, würden die Strompreise in Europa steigen. Und wenn die Strompreise hoch genug sind, schalten wir die Gasturbine ein.»

Zurück in die Gewinnzone

EWB hat den Wert ihres Kombikraftwerks um 6,3 Millionen Franken nach unten korrigiert. Auch der Start ins Jahr 2014 ist wegen der klimatisch milden ersten Monate harzig verlaufen. «Wir starten mit einer Hypothek ins neue Jahr», sagte Schafer. Doch er sei guten Mutes. «Es kann sein, dass es einen kalten Herbst gibt und wir die Produktion im Kombikraftwerk ankurbeln.» Trotz dieser Abschreibung beim Kombikraftwerk hat EWB 2013 einen Gewinn von 44,6 Millionen Franken erwirtschaftet. «Es fällt mir leichter, das Jahresergebnis zu präsentieren als im Vorjahr», sagte Schafer. Vor 365 Tagen musste er einen Jahresverlust von 140,9 Millionen Franken begründen. Im Jahr 2012 wurde der Wert der Energiezentrale um 97,6 Millionen Franken nach unten korrigiert.

Gewinn fliesst an die Stadt

Positiv auf den Gewinn wirkten sich im Jahr 2013 die tiefen Gestehungskosten für Strom in den Partnerwerken aus. Deswegen seien die Kosten für den Energie- und Wassereinkauf um 14,5 Millionen Franken zurück gegangen. Der Nettoerlös aus Lieferungen und Leistungen dagegen sei gegenüber dem Vorjahr um 19 Millionen Franken gestiegen – und habe insgesamt 425 Millionen Franken in die EWB-Kasse gespült. Die Firma hat dabei auch von Förderbeiträgen für das Holzheizkraftwerk in der neuen Energiezentrale im Forsthaus profitiert.

Rund die Hälfte des EWB-Jahresgewinnes fliesst im Rahmen der Gewinnablieferung in die Stadtkasse. Konkret handelt es sich um 22,5 Millionen Franken. EWB-Chef Daniel Schafer spricht von einem «stimmigen Betrag». Er geht davon aus, dass das Verhältnis zwischen Gewinn und Gewinnablieferung in den nächsten fünf Jahren in einer ähnlichen Grössenordnung ausfällt. Im Vorjahr hatte Schafer die Höhe der Gewinnablieferung kritisiert. Damals musste EWB trotz Verlust 43 Millionen Franken an die Stadt bezahlen. Nun wagte der EWB-Chef einen verhaltenen, aber positiven Ausblick ins Jahr 2014. «Die Strompreise bleiben tief, die Margen sind unter Druck», sagte er. Trotzdem will er die Eigenkapitalquote stabilisieren und Ende Jahr mehr flüssiges Kapital in der Kasse haben als zu Beginn.

Berner Zeitung

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