Digitalisierung setzt Post unter Druck

Bei minim steigendem Umsatz erwirtschaftet die Post weniger Gewinn. Obwohl sie die Zahl der beförderten Pakete steigern konnte, sank auch in diesem Bereich das Ergebnis.

Die Post schliesst bis 2020 bis zu 600 Poststellen: Ein Mitarbeiter der Post bedient einen «My Post Automaten», den sie an manchen Orten künftig anstelle von bedienten Poststellen betreiben will.

Die Post schliesst bis 2020 bis zu 600 Poststellen: Ein Mitarbeiter der Post bedient einen «My Post Automaten», den sie an manchen Orten künftig anstelle von bedienten Poststellen betreiben will. Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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Die Post kämpft mit rückläufigen Briefmengen und Margendruck im Pakethandel. Der Konzerngewinn für die ersten drei Quartale 2016 liegt mit 466 Millionen Franken um 37 Millionen Franken unter dem Vorjahreswert.

Auch das Betriebsergebnis (Ebit) ist rückläufig, wie die Post am Donnerstag mitteilte. Dieses sank von 640 auf 593 Millionen Franken. Der Betriebsertrag liegt mit 6039 Millionen Franken in etwa auf Vorjahresniveau (6015 Millionen Franken).

Hauptgrund für die negative Entwicklung sei das tiefere Ergebnis im Kommunikations- und Logistikmarkt, schreibt der Konzern. Der Mengenrückgang bei den adressierten Briefen habe sich verschärft. Die Anzahl sank in den ersten neun Monaten um fast vier Prozent.

Bei den verschickten Paketen konnte die Post zwar um 5,6 Prozent zulegen. Trotzdem nahm auch in diesem Bereich das Betriebsergebnis ab. Die Margen seien aufgrund der Konkurrenz im Paketmarkt unter Druck, sagte Post-Sprecher Oliver Flüeler der sda. Zudem habe die Post in diesem Bereich insbesondere im Online-Handel viel investiert und das Angebot mit neuen Dienstleistungen wie Paketautomaten erweitert.

Kritik an neuer Berechnung

Mit ein Grund für die schlechteren Zahlen bei Kommunikation und Logistik ist aber auch eine neue interne Leistungsverrechnung. Konkret wird unter anderem das Netz mit Paketautomaten und Postfachanlagen neu dem Bereich «Poststellen und Verkauf» angerechnet, wie Flüeler ausführt.

Die Gewerkschaft syndicom kritisiert die neue Berechnung scharf. Die Post versuche mit buchhalterischen Umlagerungen gezielt das Ergebnis von «Poststellen und Verkauf» zu verschlechtern. Damit wolle die Post eine Legitimation für Poststellenschliessungen schaffen. Der Vorwurf sei absurd, kontert Post-Sprecher Flüeler.

Treiber der Entwicklung im Postnetz sei nicht die Buchhaltung sondern die Digitalisierung der Gesellschaft und das veränderte Kundenverhalten. «Seit 2000 werden in den Poststellen 67 Prozent weniger Briefe sowie 43 Prozent weniger Pakete aufgegeben und 37 Prozent weniger Einzahlungen getätigt», so Flüeler. Auf diese Entwicklung reagiere die Post mit dem Umbau des Postnetzes.

Besser als in den Bereichen Logistik und Kommunikation schneidet die Post im Personenverkehrsmarkt ab. Postauto konnte das Betriebsergebnis um eine Million auf 30 Millionen Franken steigern. Mit ein Grund seien die tiefen Treibstoffpreise, schreibt die Post. Der Preisdruck bleibe aber auch in diesem Bereich unverändert, weil die öffentliche Hand Mittel kürze.

Negativzinsen drücken Ergebnis

Ebenfalls ein höheres Betriebsergebnis (Ebit) als im Vorjahr verzeichnet mit 410 Millionen Franken die Post-Tochter Postfinance. Dies allerdings nur dank nicht wiederkehrenden Erträgen aus dem Verkauf von Aktienbeständen und einer Beteiligung. Ohne diese Sondereffekte wäre das Ergebnis gesunken, insbesondere aufgrund der stark rückläufigen Zinsergebnisse.

Der negative Trend im operativen Geschäft der Postfinance werde sich in den kommenden Jahren fortsetzen, schreibt die Post. Denn aufgrund des Kreditverbots sei es im aktuellen Negativzinsumfeld immer schwieriger, die Kundengelder noch profitabel anzulegen. Die Postfinance kämpft seit Jahren gegen das Verbot, das ihr die Vergabe von Krediten und Hypotheken untersagt.

Weniger Gewinn erwartet

Auch für die Aussichten des gesamten Konzerns zeigt sich die Post eher pessimistisch. Zwar rechne man damit, dass die finanziellen Ziele des Bundes 2016 erreicht werden. Im gegenwärtigen angespannten Umfeld werde es aber zunehmend schwieriger, diese zu erfüllen. Für das ganze Jahr erwartet die Post einen Konzerngewinn unter dem Niveau des Vorjahres. (rub/sda)

Erstellt: 24.11.2016, 13:57 Uhr

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