Die UBS-Aktie verliert deutlich

Die Schweizer Grossbank steht in Frankreich und den USA vor Gericht. Die Aktie sackt derweil innert Stunden um über vier Prozent ab.

Immer wenn die UBS irgendwo Ärger hat, rückt der promovierte ­Jurist aus und versucht, den Schaden zu begrenzen: Markus Diethelm erscheint zum Prozess in Paris.

Immer wenn die UBS irgendwo Ärger hat, rückt der promovierte ­Jurist aus und versucht, den Schaden zu begrenzen: Markus Diethelm erscheint zum Prozess in Paris. Bild: Christophe Petit Tesson/Keystone

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UBS-Chefjurist Markus Diethelm ist so etwas wie der oberste Feuerwehrmann von Bankchef Sergio Ermotti. Immer wenn die UBS irgendwo Ärger hat, rückt der promovierte ­Jurist aus und versucht, den Schaden zu begrenzen. Bei Streitfällen wie dem Steuerverfahren in den USA oder jenem zu den Manipulationen des Liborzinses suchte Diethelm immer die schnelle Einigung.

Nun ändert er seine Taktik. Und lässt es gleich bei zwei milliardenschweren Rechtsfällen auf einen Prozess ankommen. In Frankreich wehrt sich die UBS vor dem Pariser Strafgericht gegen den Vorwurf der Geld­wäsche und der unerlaubten Kundenanwerbung. Nun legt sich Diethelm mit einem noch gefährlicheren Gegner vor Gericht an: dem US-Justizministerium. Es droht eine jahrelange Hänge­partie und am Ende möglicherweise ein Urteil für einen milliardenschweren Schadenersatz.

Die UBS-Aktie reagierte am Freitag mit einem Kurssturz. Bis zum Mittag verlor das Wertpapier über vier Prozent an Wert.

Kursentwicklung UBS N am Freitag, 9.11.2018 (Quelle: Finanz und Wirtschaft)

Kunden nicht aufgeklärt

Beim Streit geht es um den Vorwurf, dass die UBS beim Verkauf von Anleihen, die mit US-Hypotheken besichert waren, die Kunden nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt habe. Vor der Krise bekam in den USA faktisch jeder eine Hypothek. Als ­Sicherheit diente das Haus. Banken verpackten ­riskante Kredite mit solideren Hypotheken in Wertpapiere. Als die Immobilienblase in den USA platzte, verloren diese Papiere massiv an Wert.

Das US-Justizministerium stellt sich auf den Standpunkt, die Banken hätten die Investoren im Unklaren über die Verlustrisiken gelassen. Insgesamt hat das Ministerium 13 Banken deswegen verklagt. Dabei hat es über 158,9 Milliarden Dollar bei Vergleichen herausgeschlagen.

Die UBS ist nun die letzte grosse Bank, die den Hypothekenstreit aufarbeiten muss. Und stellt sich quer: Die Vorwürfe des US-Justizministeriums seien «nicht durch die Fakten oder das Gesetz gedeckt», teilte die Grossbank mit. Die Verteidigung stützt sich darauf, dass die UBS nie ein wichtiger Player beim Verpacken und Verkaufen der Hypothekenpapiere war. Der Gesamtmarkt umfasst rund 5 Billionen Dollar. Die UBS habe allenfalls Wertpapiere über 1,5 Milliarden Dollar davon herausgegeben, erklärt ein Insider.

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Die US-Klage stützt sich dem Vernehmen nach auf 40 Anleihentransaktionen. 39 dieser Papiere habe die UBS selbst in den Büchern behalten – und wäre an solchen Investments beinahe zugrunde gegangen. «Dieser Fakt allein negiert die These, dass die UBS absichtlich betrügerisch vorging», heisst es von der Bank.

Neben der UBS hat es bisher nur die britische Bank Barclays gewagt, es auf einen Prozess ankommen zu lassen. Im März hat dann aber auch Barclays einem Vergleich über 2 Milliarden Dollar zugestimmt. Die Analysten von Morgan Stanley schätzen den Preis für eine Einigung bei der UBS ebenfalls auf 2 Milliarden Dollar.

Die Unsicherheit belastet

Im Unterschied zum US-Steuerverfahren kann sich UBS-Jurist Diethelm bei der Hypothekenklage erlauben, das Risiko eines Prozesses einzugehen. Denn es geht hierbei nur um eine Zivilklage, nicht um eine Strafklage, die den Zusammenbruch der Bank zur Folge haben könnte.

Belastend ist der Zivilprozess dennoch. Ein Topjurist sagt: «So ein Verfahren wird sich über Jahre hinziehen.» Der Prozess dürfte frühestens 2021 beginnen. Anleger mögen solche jahrelangen Unsicherheiten nicht; daher haben die meisten Banken in vergleichbaren Fällen gezahlt. So die Credit Suisse. Sie stimmte im ­Januar 2017 einem Vergleich im Hypoverfahren zu, der zwei ­Elemente hatte: zum einen eine Schadenersatzzahlung über 2,48 Milliarden Dollar, zum anderen Kundenentschädigungszahlungen über 2,8 Milliarden Dollar.

Doch de facto kommen Banken bei diesen Kundenentschädigungen günstiger weg. So auch die Credit Suisse, wie ein Blick in die Rückstellungen ergibt. Dort verbuchte die Bank für die Kosten der Einigung nur 2,6 Milliarden Dollar. Das ist immer noch viel Geld. Finanzkreise verweisen aber darauf, dass die Credit Suisse nicht die Option hatte, sich auf einen langwierigen Rechtsstreit einzulassen. Denn 2017 steckte die Bank inmitten ihres Umbaus und bereitete eine Kapitalerhöhung und den Börsengang des Schweiz-Geschäfts vor. Statt dieser teuren Sicherheit zieht die UBS nun eine Phase der Unsicherheit vor. Ob das Kalkül von Markus Diethelm aufgeht, liegt nun bald in den Händen der Geschworenen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.11.2018, 23:30 Uhr

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