«Die Sean-Scully-Ausstellung war ein absoluter Höhepunkt»

Markus Hongler ist seit genau einem Jahr operativer Chef der Mobiliar. Er erklärt, wie ein in Zürich wohnhafter Luzerner in der Bundesstadt aufgenommen wurde und wie er es mit dem hiesigen Kulturangebot hält.

Für  Berner  sei die Mobiliar ein Berner Unternehmen. In anderen Kantonen werde sie als schweizerisches Unternehmen wahrgenommen, erklärt Markus Hongler.

Für Berner sei die Mobiliar ein Berner Unternehmen. In anderen Kantonen werde sie als schweizerisches Unternehmen wahrgenommen, erklärt Markus Hongler. Bild: Beat Mathys

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Herr Hongler, Sie sind seit genau einem Jahr Chef der Mobiliar. Wie oft haben Sie seither Stadtpräsident Alexander Tschäppät getroffen?
Markus Hongler: Ich habe die Begegnungen nicht gezählt. Kurz nach meinem Amtsantritt empfing er mich im Erlacherhof. Später besuchte uns auch der gesamte Gemeinderat hier am Hauptsitz an der Bundesgasse.

Die Mobiliar beschäftigt allein in der Stadt Bern über 1500 Leute; so viel wie kein anderes privates Unternehmen. Lässt man Sie das spüren?
Durchaus. Wir spüren die Unterstützung der Verwaltung, wenn wir hier mitten in der Stadt 200 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen wollen. Oder wenn man einen kulturellen Anlass organisiert und noch etwas Geld braucht, klopft man auch gerne bei uns an.

Man hört etwa, als Finanzunternehmen habe man in der Stadt Bern punkto Rekrutierung von Kaderleuten einen Standortnachteil. Stimmt das?
Ich würde nicht Kaderleute sagen. Ein schwieriges Pflaster ist Bern für ausgewählte Versicherungsspezialisten – ich denke etwa an Aktuare. Dies aus dem einfachen Grund, dass hier keine andren grösseren Versicherungsgesellschaften ihren Hauptsitz haben. Hingegen für Verwaltungsaufgaben oder für die Informatik gibt es in der Stadt Bern eine Vielzahl von Spitzenkräften.

Sie wohnen in der Stadt Zürich. Wie weit sind Sie auch in Bern vernetzt?
Wohin ich auch immer gegangen bin, wurde ich mit offenen Armen empfangen...

...und wurden gleich angefragt, in diesem und jenem Gremium Einsitz zu nehmen.
Nein, so ist es nicht. Urs Berger, mein Vorgänger und jetziger Verwaltungsratspräsident, hat in seiner langjährigen Tätigkeit in der Stadt Bern einige Mandate angenommen und auch behalten. Es ist nicht nötig, dass wir uns zu zweit engagieren.

Ihr Vorgänger ist jetzt Ihr Chef. Nicht gerade eine ideale Konstellation.
Da muss ich Ihnen widersprechen. Urs Berger hat sich vom operativen Geschäft sofort zurückgezogen. Er ist für mich wie ein Coach. Ich kann mit ihm spontan Sachen besprechen und seine Meinung einholen, ohne ihm vorher erklären zu müssen, um was es geht.

Pendeln Sie?
Ich habe eine Wohnung in der Stadt und verbringe im Schnitt zwei Nächte pro Woche in Bern – ab und zu auch am Samstag mit meiner Frau, zum Beispiel als wir ans Konzert von Züri West gingen.

Ins Stadttheater gehen Sie hingegen als ein vom Opernhaus verwöhnter Zürcher kaum.
Stimmt nicht. Wir besuchten im Stadttheater die Oper «Lucia di Lammermoor» von Gaetano Donizetti. Wir pflücken uns kulturell das heraus, was uns interessiert. Das muss nicht immer in Zürich sein. Im Übrigen bin ich Luzerner.

Wie würden Sie das Kulturangebot der Stadt Bern beschreiben?
Es ist überschaubar. Ein absoluter Höhepunkt war zum Beispiel die derzeitige Ausstellung des irisch-amerikanischen Künstlers Sean Scully im Kunstmuseum. Das ist eine hervorragende Ausstellung. Da braucht sich Bern überhaupt nicht zu verstecken. Ich habe von Sean Scully schon viele Arbeiten gesehen, so zum Beispiel auch an einer Ausstellung in Belfast. Ich habe selber eine Fotografie von Sean Scully.

Sie sind kulturaffin. Ihr Vorgänger Urs Berger ist sportbegeistert. Wird die Mobiliar das Sportsponsoring zurückfahren und sich vermehrt in der Kultur engagieren?
An der Strategie im Sportsponsoring habe ich nichts verändert. Wir setzen auch voll auf den Breiten- statt nur auf den Spitzensport. Unihockey unterstützen wir von der Nationalmannschaft bis in die 5.Liga. Ich fühle mich wohl damit. Hinzu kommt, dass unsere Generalagenturen ebenfalls für ihre Region Sponsoringverträge abschliessen können und lokale Clubs oder Anlässe unterstützen.

Schwingen ist mittlerweile auch ein Spitzensport.
Hier unterstützen wir das Eidgenössische Schwingfest in Burgdorf vom kommenden Jahr. Das wurde schon vor meinem Amtsantritt aufgegleist. Dieser Sport passt ausgezeichnet zur Mobiliar.

Die Mobiliar verfügt über eine eigene, sehr respektable Kunstsammlung. Sie selber sind auch ein emsiger Sammler von Kunst. Werden Sie bei der Auswahl der Werke Einfluss nehmen?
Die Auswahl der Werke beschliesst eine Kunstkommission mit internen und externen Experten. Im Museo d’Arte Cantonale di Lugano zeigen wir vom 26.Mai bis zum 19.August erstmals seit 2001 unsere Werke wieder ausserhalb unserer Räume. Die Gelegenheit, bei der Vernissage die Begrüssungsansprache zu halten, liess ich mir natürlich nicht nehmen.

Wie sieht die Versicherungslandschaft in der Schweiz in zehn Jahren aus?
Ich gehe davon aus, dass die Konsolidierung abgeschlossen ist. Die fünf grossen Versicherungsgesellschaften decken fast 80 Prozent des Marktes ab. Der Markt ist gesättigt.

Somit wird der Verdrängungswettbewerb unter den verbleibenden Playern eher noch zunehmen.
Nach meiner Einschätzung aber nicht nur auf der Kostenseite. Der Konsument in der Schweiz ist qualitätsbewusst. Und da ist die Mobiliar mit ihren über 80 Generalagenturen und der Nähe zum Kunden sehr gut aufgestellt. Ein Wachstum sehe ich wegen der demografischen Veränderung allenfalls noch im individuellen Sparen.

Das ist ausgerechnet jener Bereich, den die Mobiliar bisher stiefmütterlich behandelt hat. Kapitalbildende Lebensversicherungen waren nie das Kerngeschäft der Mobiliar.
Ich bin froh darum. Die Mobiliar hat sich klar auf ihre Stärken fokussiert. Sie hat lehrbuchmässig das gemacht, was sie besonders gut kann: Deshalb ist die Mobiliar heute der grösste Hausratversicherer, der grösste Gewerbeversicherer, der grösste Risiko-Lebensversicherer und ein rasch wachsender Autoversicherer.

Dafür sind die Margen bei den Sparversicherungen grösser.
Grösser sind vor allem die Risiken. Die kapitalbildenden Einzellebensversicherungen haben wir nicht forciert. Bei solchen Sparversicherungen wird die Auszahlung eines bestimmten Kapitals in ferner Zukunft garantiert. Die Mobiliar hatte ihre Zweifel, dass sie diese Garantien langfristig erwirtschaften kann. Heute sind wir froh, dass die Mobiliar in der Vergangenheit mit den damals hohen Zinsen diese Garantien nicht gesprochen hat.

Und jetzt wollen Sie das ändern?
Wir suchen nach Möglichkeiten, fondsgebundene Produkte mit gewissen Garantien anzubieten. Aber es werden nicht solche Garantien sein, wie sie in den Neunzigerjahren versprochen wurden.

Die Mobiliar will vor allem in Zürich und um den Genfersee wachsen. Warum gerade dort?
Weil wir dort im Vergleich zu anderen Gebieten unterdurchschnittliche Marktanteile haben.

Roger Schawinski sagte einmal an einer Blattkritik: Was aus Bern komme, finde man in Zürich nicht so sexy.
Für Bernerinnen und Berner ist die Mobiliar ganz klar ein Berner Unternehmen. In den anderen Kantonen wird die Mobiliar als ein schweizerisches Unternehmen wahrgenommen. Wir heissen ja offiziell: die «Schweizerische Mobiliar-Versicherungsgesellschaft».

Wie wollen Sie nun konkret den Zürcher Markt bearbeiten?
Wir werden die Präsenz im öffentlichen Raum stärken. Das tun wir mit Leuchtreklamen an Bahnhöfen und einem «Mobiliar-Tram», das mit Schadenskizzen durch die Stadt Zürich fährt. Dann werden wir in Quartieren Verkaufsstellen eröffnen und Direct-Marketing-Aktionen lancieren. Und schliesslich gehen wir Kooperationen ein, wie jetzt zum Beispiel mit dem Zürcher Zoo. Mobiliar-Kunden erhalten auf den Eintrittspreisen eine Ermässigung von 20 Prozent.

Stichwort Schadenskizze. Sie haben den Sponsoringvertrag mit der Satiresendung «Giacobbo Müller» gekündigt. Sind Sie auch der Meinung, die Sendung müsse man nicht mehr gesehen haben?
Jedes Engagement nützt sich einmal ab. Es war keine Kritik an der Sendung. Aber als die Sendezeit zwischendurch nach hinten verschoben wurde, entschied unsere Marketingabteilung, den Werbefranken anderweitig auszugeben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.05.2012, 09:06 Uhr

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Im Büro von Mobiliar-Chef Markus Hongler hängen nicht Werke der Mobiliar, sondern seine eigenen Bilder. (Bild: Beat Mathys)

Markus Hongler im Gespräch

Man muss sich dazu überwinden, im Büro von Markus Hongler über Versicherungen zu reden. Unweigerlich fällt der Blick des Besuchers auf eine Handvoll Kunstwerke, darunter zwei grosse Helgen abstrakter Kunst: Werke des Österreichers Hermann Kremsmayer und des Spaniers Enrique Vega.

Die Mobiliar verfügt über eine stolze Kunstsammlung, die von einer Kuratorin gepflegt und in regelmässigen Abständen am Mobiliar-Hauptsitz dem breiten Publikum gezeigt wird. Doch halt: Sammelt die Mobiliar nicht ausschliesslich moderne Kunst von Schweizer Künstlern? Doch. «All die Werke in meinem Büro stammen aus meinen privaten Beständen», sagt der CEO dem erstaunten Journalisten.
Hongler und seine Frau sind engagierte Kunstliebhaber. Die Wände in ihrem Haus in der Stadt Zürich sowie in seinem Ableger in der Stadt Bern sind zugedeckt mit Ölgemälden, Aquarellen und Fotografien. Zwischen den Möbeln stehen Skulpturen. Und so wird im Eckbüro im fünften Stock vorab über Kunst parliert, ehe das Tonbandgerät eingeschaltet und der eigentliche Zweck des Besuchs erfüllt wird.

Der 54-jährige Markus Hongler ist Luzerner und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Vor seinem Amtsantritt bei der Mobiliar wirkte er in verschiedensten Funktionen bei Zurich Financial Services, zuletzt als CEO Western Europe mit Sitz in Dublin. Der Berner Sachversicherer war ihm aber nicht fremd: Hongler machte die Lehre bei der Mobiliar in Luzern.

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