«Die Schweizer sind die grössten Selbstkritiker»

Laut dem ägyptischen Investor Samih Sawiris hängt die Finanzierung des Ferienresorts in Andermatt nicht mit seinem Geschäftsgang im Nahen Osten zusammen. Die ständige Skepsis an seinem Projekt ärgert ihn.

«Ein total unabhängiges Projekt»: Der Ägypter Samih Sawiris zum Ferienresort in Andermatt.

Trotz arabischer Revolution ist das geplante Ferienresort in Andermatt UR des ägyptischen Investors Samih Sawiris auf Kurs. Zwar beeinträchtigen die Unruhen in Ägypten den Geschäftsgang der Orascom Development Holding. Doch seien die Pläne in der Schweiz davon nicht betroffen.

«Das Projekt in Andermatt ist eine Gesellschaft mit eigenem Kapital, die vom Nahen Osten total unabhängig ist», betont der Investor im Video-Interview. Ein Krieg im Nahen Osten spiele für die Skifahrer in Andermatt keine Rolle. Man könne dies zehn Mal wiederholen und trotzdem würden die Medien dies nicht glauben. Der ständige Versuch, dies Verbindung herzustellen, sei «fast schon lächerlich».

Im Interview mit der «NZZ am Sonntag» bestätigte er bereits, dass das erste Luxushotel des geplanten Ferienresorts in Andermatt bereits im Rohbau fertig sei. «Für das zweite haben wir einen Vertrag mit Radisson Blue, für ein drittes stehen wir mit Steigenberger in Verhandlung». Die deutsche Luxushotelgruppe gab bereits letzte Woche bekannt, mit Orascom zusammenzuarbeiten.

Extreme Selbstkritik der Schweizer

Samih Sawiris glaubt, dass diese ständige Skepsis ihm gegenüber mit der kritischen Grundhaltung der Schweizer zu tun hat. «Die Schweizer sind die grössten Selbstkritiker», meint er. Dieser Lebensstil sei zudem gar nicht so schlecht und womöglich auch das Erfolgsrezept des Landes. «Die extreme Selbstritik der Schweizer hat vielleicht dazu geführt, dass die Leute immer besser werden.»

Sawiris will im zweiten Halbjahr noch einmal 60 Millionen an Verkäufen generieren. Für den Ägypter ist dieses Ziel realistisch. «Wir haben bereits letztes Jahr zwischen Juni und Dezember fast 100 Millionen Franken generiert. Das müsste also machbar sein.» Natürlich habe die Frankenstärke auch einen Einfluss auf sein Geschäftsumfeld. «Doch wenn sich die Frankengeschichte stabilisiert, dann haben wir sicher Aufwind.»

Schwierige Lage im Nahen Osten

Die Lage für seine Orascom Development Holding in Ägypten ist jedoch weniger optimistisch. Sawiris will hier einen Gang zurückschalten. «Die aktuelle Lage ist nicht transparent. Es ist daher ratsam langsamer vorzugehen.» Die Lage seines Unternehmens sei aber nicht gefährdet. Man dürfe aber im Nahen Osten nicht einfach so weiterarbeiten, als sei nichts gewesen.

Angesprochen auf das Urteil von letzter Woche im Zusammenhang mit einer offenbar falsch ausgewiesenen Beteiligung sagte Sawiris der «NZZ am Sonntag», er wolle nicht über allfällige politische Motive spekulieren. Nach dem Urteil, das inzwischen mit einem Vergleich aufgehoben wurde, hätte er als Orascom-Präsident zwei Jahre ins Gefängnis gehen sollen.

Hintergrund des Rechtsstreits nach dem politischen Umsturz in Ägypten war eine nach Ansicht der Finanzaufsicht falsch ausgewiesene Beteiligung der Muttergesellschaft Orascom an einer ihrer ägyptischen Tochtergesellschaften. Orascom betonte stets, die anwendbaren Rechtsvorschriften jederzeit eingehalten zu haben.

jak

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