Utzenstorf

«Der Standort ist nicht gefährdet»

UtzenstorfDie K.R.Pfiffner AG steht für Schweizer Präzision und gut ausgebildete Fachkräfte. Diese Trümpfe sollen nun auch unter neuer Führung stechen. Die Herstellerin von Rundtaktmaschinen gehört seit kurzem zu einem internationalen Konzern mit Basis in Taiwan.

Besucher staunen über eine Rundtaktmaschine der Pfiffner-Gruppe, die mit hoher Präzision Werkstücke für die Automobilindustrie oder die Elektrotechnik fertigt.

Besucher staunen über eine Rundtaktmaschine der Pfiffner-Gruppe, die mit hoher Präzision Werkstücke für die Automobilindustrie oder die Elektrotechnik fertigt. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die K.R.Pfiffner AG preist sich selbst als weltweit führende Herstellerin von Rundtaktmaschinen, die beispielsweise in der Automobilindustrie, der Elektro- oder der Schliesstechnik zur Anwendung kommen.

Das gesunde Selbstbewusstsein fusst laut Thomas Bracher, Leiter Finanzen und Administration, auf zwei Grundlagen: «Unsere hohe Präzision und die Qualität sind weltweit fast einzigartig.» Und Firmenbesitzer Karl R.Pfiffner ergänzt: «Wir können hier ein Know-how vorweisen, das nicht so leicht aufgebaut werden kann.»

Pfiffner war bis vor kurzem alleiniger Besitzer der nach ihm benannten Firma in Utzenstorf. Nun hat er sein Lebenswerk an die FFG-Gruppe mit Basis in Taiwan verkauft. Er übergebe sein Unternehmen mit einem guten Gefühl in neue Hände, sagt Pfiffner. «Denn die FFG-Gruppe hat in der Maschinenindustrie grosse Erfahrung.»

Mehr Präsenz in Asien

Hauptgrund für den Verkauf ist das Alter des Besitzers. Pfiffner wird bald 78 Jahre alt. Er habe sich seit einiger Zeit nach einer Lösung umgeschaut und diese nun mit der FFG gefunden, sagt er. Die Gruppe besitze eine Firma, die in der gleichen Branche tätig sei wie die Pfiffner-Gruppe, aber grössere Maschinen herstelle. «Wir ergänzen uns somit gut.»

Durch den Anschluss an das weltweit tätige Unternehmen könnten auch Synergien genutzt werden, sagt Bracher. Die FFG-Gruppe habe einen asiatischen Mehrheitsaktionär und sei bereits stark im asiatischen Markt vertreten. Die Pfiffner-Gruppe versuche, den chinesischen Markt zu erobern, was aber nicht so einfach sei. «Dort gibt es grosses Potenzial in der Automobilindustrie.» Dank des neuen taiwanischen Mutterhauses verspricht sich die Pfiffner-Gruppe eine bessere Präsenz in Asien.

Personal mit viel Know-how

Pfiffner hat 100 Prozent seiner Firmenanteile verkauft und zieht sich komplett zurück. Die K.R.Pfiffner AG hat gerade einen neuen CEO eingestellt, «ihm werde ich in einer Übergangsphase noch beratend zur Seite stehen». Dass der Standort in Utzenstorf durch den Verkauf der Firma gefährdet sein könnte, verneint Pfiffner vehement. Er ist überzeugt, dass die FFG-Gruppe auf das Know-how der Utzenstorfer Maschinenherstellerin angewiesen sein wird.

Thomas Bracher verweist auch auf die vielen Fachkräfte, welche die Firma im unteren Emmental beschäftigt. Die Pfiffner-Gruppe bildet zudem zehn Lernende in den Berufen Automatiker, Polymechaniker und Konstrukteur aus, die nach Möglichkeit jeweils nach ihrer Ausbildung weiterbeschäftigt werden sollen.

«Zu behaupten, der Verkauf der Firma habe bei den Angestellten nicht zu Unsicherheiten geführt, wäre gelogen», sagt Bracher. Doch den Mitarbeitenden mache der Umstand Hoffnung, dass die FFG-Gruppe aus achtzig Firmen bestehe, die ihre Namen und Standorte hätten behalten können.

«Starker Franken ist nicht gut»

Stark zu schaffen machte der Pfiffner-Gruppe die weltweite Finanzkrise von 2008. Damals mussten laut Bracher viele Mitarbeitende entlassen werden. Mittlerweile sei der Bestand in Utzenstorf von damals noch 120 wieder auf 180 Mitarbeitende angewachsen.

Das Maschinengeschäft sei heutzutage allerdings sehr volatil, entweder seien alle Märkte im Hoch oder im Tief. Auch die Frankenstärke sei für das Unternehmen nicht gut, es gebe aber noch andere wichtige Kriterien beim Verkauf der Rundtaktmaschinen, sodass der schwache Euro nicht «zum Killerkriterium geworden ist», wie Bracher erklärt.

Präzise Rundtaktmaschinen

Vergangene Woche wurde die Firmenübergabe an die neue Besitzerin in Utzenstorf mit einem festlichen Akt besiegelt. Für die Mitarbeitenden ändert sich dadurch aber nichts: Ihr Ziel bleibt, qualitativ hochwertige Maschinen zu fertigen. Denn schliesslich wollen sie weiterhin behaupten können, die weltweit präzisesten Rundtaktmaschinen zu bauen.

Erstellt: 16.06.2015, 08:08 Uhr

Artikel zum Thema

Sie haben keine Angst vor dem Spagat

Am Wochenende findet in Utzenstorf die Junioren-Schweizer-Meisterschaft im Kunstturnen statt. 200 Sportlerinnen aus der ganzen Schweiz werden sich im Wettkampf messen. Mehr...

Ein Spielplatz mitten im Dorf

Utzenstorf Ein Standort in Utzenstorf für den Spielplatz, den die Bevölkerung letztes Jahr mittels Petition gefordert hat, ist gefunden. Der Spiel- und Begegnungsort ist im Dorfzentrum hinter dem Gemeindehaus geplant. Mehr...

Mit weniger Tempo durchs Quartier

Utzenstorf Die Quartiere in Utzenstorf sollen für die Verkehrsteilnehmer sicherer werden. Der Gemeinderat plant deshalb mehrere Tempo-30-Zonen und hat dafür ein Vorprojekt erarbeitet. Die Bevölkerung ist jetzt zur Mitwirkung aufgerufen. Mehr...

Firmengeschichte

Die K.R.Pfiffner AG ist aus zwei verschiedenen Unternehmen entstanden. In Utzenstorf wurde 1968 die Firma Hug Maschinenfabrik AG gegründet. Diese wiederum wurde 1987 von der K.R.PfiffnerAG übernommen, die bereits seit 1976 Rundtaktmaschinen fertigt und ihren Hauptsitz in Thalwil ZH hatte, wo es heute noch einen Standort gibt. 2010 wurde die Firma Hug in K.R.Pfiffner AG, Utzenstorf, umgetauft, aber erst seit diesem Jahr ist der Hauptsitz der Pfiffner-Gruppe offiziell im unteren Emmental. Einen dritten Standort besitzt die Firma in Deutschland, wo etwa 65 Personen arbeiten. Insgesamt beschäftigt die Pfiffner-Gruppe gegen 250 Mitarbeitende und erzielt nach eigenen Angaben einen Umsatz von etwa 80 Millionen Franken. Die Rundtaktmaschinen von Pfiffner ermöglichen eine präzise Herstellung von Werkstücken in hohen Stückzahlen. (tg)

Deal geschlossen: Karl R.Pfiffner hat seine Utzenstorfer Firma an Jimmy Chu, den taiwanischen Mehrheitsaktionär der FFG-Gruppe, verkauft. (Bild: zvg)

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...