Der Bruder der deutschen Verteidigungsministerin greift an

Donatus Albrecht informierte als Vorstand des deutschen Investors Aurelius über den Kauf der Publicitas.

Donatus Albrecht (links), Vorstandsmitglied des deutschen Finanzinvestors Aurelius, verfolgt die Ausfuehrungen von Hans-Peter Rohner, Verwaltungsratspräsident der PubliGroupe. Aurelius hat die Publicitas übernommen. (Aufnahme vom 2. April 2014).

Donatus Albrecht (links), Vorstandsmitglied des deutschen Finanzinvestors Aurelius, verfolgt die Ausfuehrungen von Hans-Peter Rohner, Verwaltungsratspräsident der PubliGroupe. Aurelius hat die Publicitas übernommen. (Aufnahme vom 2. April 2014).

(Bild: Keystone Steffen Schmidt)

Christian Lüscher@luschair

Donatus Albrecht verzieht keine Miene. Kein Lächeln, kein Zucken, gar nichts. Es scheint, als hätte er ­solche Situationen schon dutzendfach erlebt. Der Mann ist ­vielleicht Anfang 40, Angaben zu seinem ­Alter sind keine bekannt. ­Albrecht ist klein gewachsen, trägt Mass­anzug und teure Lederschuhe. Sein linkes Handgelenk ziert eine ­Luxusuhr im Wert eines Kleinwagens.

Albrecht ist im Vorstand des deutschen Finanzinvestors Aurelius. Die Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München kaufte am Mittwoch den Schweizer Werbevermittler Publicitas. Der Deal wird als historisch bezeichnet, denn die Verkäuferin Publigroupe veräusserte ihr Kerngeschäft. Defizitär zwar, aber mit langer Tradition. Es machte die Lausanner Werbefirma einst zum mächtigsten Medienunternehmen der Schweiz.

Nun sitzt Albrecht im Saal des Restaurants Au Premier im Zürcher Hauptbahnhof und muss der Presse erklären, weshalb ausgerechnet Aurelius das Schweizer Traditionsunternehmen kaufen will. Emotionen zeigt Albrecht praktisch keine. Gelegentlich lächelt er. Angestrengt, gekünstelt.

Was den wenigsten im Raum klar gewesen sein dürfte: Mit Albrecht informierte ein Sprössling einer zutiefst politischen und ausgesprochen prominenten deutschen Familie die Schweizer Medien über den Kauf. Sein Vater ist Ernst Albrecht, der von 1976 bis 1990 Ministerpräsident des Bundeslandes Niedersachsen war, in der CDU über Jahre als sehr einflussreich galt und sogar als Kanzlerkandidat gehandelt wurde. Seine Schwester ist die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Es sass also ein hervor­ragend vernetzter und finanzkräftiger Mann im Saal.

Gute oder böse Heuschrecke?

Donatus Albrecht ist seit 2006 für Aurelius tätig. Nach eigenen Angaben leitete er über 45 Kauf- und Verkaufstransaktionen sowie Börsengänge. Das sind allerdings schon alle Informationen, die offiziell über ihn existieren. In Pressearchiven gibts keine Interviews, keine Porträts. Generell ist über die neue Publicitas-Besitzerin wenig bekannt. In den Medien wurden die Firmensanierer gelegentlich als «Heuschrecken» bezeichnet. Die «Financial Times Deutschland» (die Zeitung wurde 2012 eingestellt) versuchte mehrfach die Gründe zu recherchieren, weshalb Aurelius-­Firmen unter ungeklärten Umständen eingingen. Mit mässigem Erfolg: Die Redaktion musste Gegen­darstellungen abdrucken, die Texte sind im Archiv nicht mehr zu finden. Einzig ein Editorial der Chefredaktion gibt Hinweise, dass das Aurelius-­Management ziemlich harsch mit Anwälten gegen kritische ­Berichterstatter vorging.

Ist die neue Publicitas-Besitzerin eine gute Heuschrecke? Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass Albrecht und seine Kollegen nach Lehrbuch optimieren. Im Vordergrund stehen Kennzahlen. «Wir sind ohne emotionale Bindungen, wir können schnell reagieren und härtere Entscheidungen durchsetzen», erklärte Albrecht an der Pressekonferenz die Vorteile von Aurelius. Das hat der deutsche Sanierer schon mehrfach gezeigt. Gut dokumentiert ist der Fall des ZDF-Traumschiffs, der für Aurelius in einem medialen Fiasko endete. Es gibt durchaus einen Vergleich zur Publicitas: Wie das Kreuzfahrtgeschäft, ist auch die Werbevermittlung in der Schweiz ein von Emotionen geprägtes Geschäft.

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