Der Airbus-Himmel leuchtet in Indigoblau

Die private indische Billigairline Indigo beschert den Airbus-Bauern die bisher grösste Bestellung der Luftfahrtgeschichte.

Indigo leistet Entwicklungshilfe in Europa.

Indigo leistet Entwicklungshilfe in Europa.

(Bild: Keystone)

Die indische Luftfahrtgesellschaft Indigo hat bei der EADS-Tochter Airbus insgesamt 180 Flugzeuge bestellt und dem Unternehmen damit die umfangreichste Bestellung in der Geschichte der zivilen Luftfahrt beschert. Indigo will allein 150 Maschinen vom Typ A320 Neo kaufen, ein Modell mit geringerem Treibstoffverbrauch, das Airbus im Dezember präsentierte. Noch «nie in der Geschichte der zivilen Luftfahrt» habe eine Fluggesellschaft mehr Maschinen auf einmal bestellt, teilte Airbus mit. Laut dem Listenpreis müsste Indigo dafür 15,6 Milliarden Dollar bezahlen. Sie kann allerdings mit einem deutlichen Rabatt rechnen.

Hart umkämpfter Markt

Die Grösse des Deals überrascht selbst Kenner des Marktes in Indien. Indigo, eine der zahlreichen indischen Billigfluggesellschaften, ist erst seit 2006 auf dem Markt. Bislang hat das Unternehmen 34 Flugzeuge im Einsatz – Tendenz deutlich steigend. Im Jahr 2015 endet die Auslieferung von insgesamt 100 Airbussen A320 aus einer früheren Bestellung an Indigo. Innerhalb der fünf Jahre seines Bestehens ist das Unternehmen, was die Passagierzahlen betrifft, zum drittstärksten Anbieter für Inlandflüge gewachsen – auf einem umkämpften, aber wachsenden Markt.

Marktführer ist Jet Airways, die laut einer Statistik vom Dezember 26,2 Prozent aller indischen Flugpassagiere befördert, gefolgt von Kingfisher mit 19,1 Prozent. Indigo bringts auf 17,3 Prozent und liess damit erstmals den staatlichen Anbieter Air India hinter sich. Analysten nennen vor allem die hohe Auslastungsquote der Indigo-Flugzeuge als zentrales Erfolgsrezept.

Langfristig gute Chancen

Der Firmenvorsitzende Aditya Ghosh erklärte am Mittwoch, dass sich das Unternehmen bereits jetzt Gedanken darüber machen müsse, wie es sich nach dem Jahr 2015 positionieren wolle, wenn die derzeitige Airbus-Lieferung ausläuft. Mit den nun bestellten neuen Flugzeugen liessen sich 15 Prozent Sprit einsparen, sagte Ghosh – in seiner Branche ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. «Wenn wir uns die längerfristige Perspektive ansehen, sehen wir definitiv ein Wachstum der Passagierzahlen», sagte er nach der Verkündung des Deals mit Airbus im Gespräch mit einem indischen Nachrichtensender.

Der in den vergangenen zehn Jahren massiv gewachsene indische Luftfahrtmarkt biete auch langfristig gute Chancen. Ghoshs optimistische Prognose teilen auch unabhängige Experten. Beobachter prognostizieren der indischen Luftfahrt, sie könne bis zum Jahr 2020 zwischen 150 und 180 Millionen Passagiere jährlich transportieren. Bislang waren es etwa 70 Millionen Menschen.

Bald über Indien hinaus

Im wirtschaftlich aufstrebenden Indien ist vor allem auch die wachsende Mittelschicht mehr und mehr an Flugreisen interessiert – gerade im niedrigen Preissegment. Die Branche hat in den vergangenen zehn Jahren einen deutlichen Aufschwung erlebt, auch wenn die Fluggesellschaften auf dem Subkontinent 2008 und 2009 mit Problemen zu kämpfen hatten und insgesamt 1,7 Milliarden Dollar Schulden anhäuften. 2010 zog die Nachfrage bei den Passagieren aber wieder deutlich an.

Nach eigenen Angaben hat Indigo im vergangenen Steuerjahr, das in Indien Ende März endet, einen Gewinn von 107 Millionen Dollar vor Steuern erzielt. Im Moment bietet es 221 Flüge zu 24 Zielen an. Internationale Destinationen will die Fluggesellschaft ebenfalls bald ansteuern. Im August enden die fünf Jahre, in denen eine Fluggesellschaft nach den gesetzlichen Vorschriften in Indien zunächst nur auf dem nationalen Markt operieren darf.

Tages-Anzeiger

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