Das begrenzte Schlaraffenland

Die Cablecom lanciert ein Buffet à discrétion für Filme und Serien. Serien- und Filmfans fehlen aber viele Leckerbissen.

MyPrime steht für den Wechsel vom klassischen Fernsehen hin zum Filmabo: Eine Person bedient ein Fernsehgerät.

MyPrime steht für den Wechsel vom klassischen Fernsehen hin zum Filmabo: Eine Person bedient ein Fernsehgerät.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Jan Rothenberger@janro

Mit MyPrime bringt UPC Cablecom ein eigenes Flatrate-Angebot für Filme und Serien. Dieses ist für Abonnenten von einigen bestehenden Kombiangeboten inklusive. Für die übrigen rund 1,4 Millionen Cablecom-Kunden ist es für 9.95 Franken monatlich zukaufbar. Im Kern ist es eine Filmbibliothek, die unbegrenzt genutzt werden kann, für den einzelnen Film fallen keine Gebühren an.

Mit Video on Demand (VOD) hatte die Cablecom schon vor längerem einen Schritt weg vom linearen, programmbasierten Fernsehen getan. Mit der Flatrate geht man diesen Pfad weiter. Der kurz bevorstehende Marktstart von Netflix in der Schweiz war sicherlich die Motivation dafür – Netflix präsentiert sein Angebot in zwei Wochen. Mit weltweit 50 Millionen Kunden stehen die Chancen gut, dass der US-Flatrate-Dienst auch den hiesigen Markt aufrollen wird. Taktisch erscheint darum der Startpreis von MyPrime: Dieser liegt leicht unter dem, was für Netflix im vergleichbaren Markt Holland anfällt (9 Euro) und bietet dem Konkurrenten in dieser Hinsicht Paroli.

Ebenso wie Netflix ist MyPrime kein allein selig machendes Produkt. Das Angebot an Filmen und Serien ist überschaubar, 2000 Titel sind es aktuell, 10'000 verspricht Cablecom bis Ende Jahr. Ob man als Kunde künftig auf die Dienste von Videotheken, Video on Demand und Bezahlsendern verzichten kann, hängt von den eigenen Ansprüchen ab. Serienjunkies und Filmnarren vermissen die allerneusten Titel. Beispielsweise finden Fans der US-Serie «Walking Dead» die jüngste vierte Staffel noch nicht im Angebot der Streaming-Dienste. Wollen Nutzer nicht eine unbestimmte Zeit warten, müssen sie nach wie vor für die neuesten Folgen bezahlen. Gleiches gilt für andere aktuelle Filmtitel und Serien. Das überrascht nicht: Vom Buffet à discrétion sind in der Regel die grössten Leckerbissen ausgenommen.

Überzeugend an MyPrime ist, dass Cablecom echte Geräteunabhängigkeit bietet. Nicht nur via die eigenen Settop-Boxen ist der Dienst verfügbar, sondern auch auf PC, Mac und mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets. Auf bis zu vier Endgeräten kann MyPrime gleichzeitig genutzt werden. MyPrime ist allerdings nur für Cablecom-Kunden verfügbar. Als Streamingprovider für alle will sich das Unternehmen am Markt nicht positionieren.

Die Entwicklung zeigt: Filme und Serien nähern sich bei der Verfügbarkeit der Musik an, wo Flatrates sich bereits etabliert haben. Das bringt Bewegung in den Markt und erhöht den Druck auf die Konkurrenz, attraktive Angebote zu schnüren. Der Wettbewerb der Anbieter wird härter, die Preise werden sinken. Das ist gut für den Kunden.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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