Das Urteil ist erst der Anfang

Bereits morgen könnte das Urteil zu Ex-Händler Kweku Adoboli gefällt werden. Dann beginnt das Bangen auch für die UBS: Es drohen Berufsverbote und Bussen durch die Finanzbehörden Grossbritanniens und der Schweiz.

Nach dem Prozess ist vor dem Prozess: UBS-Gebäude in London.

Nach dem Prozess ist vor dem Prozess: UBS-Gebäude in London. Bild: Keystone

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Noch diese Woche wird der Schuldspruch im Fall Adoboli erwartet. Spätestens morgen früh ziehen sich die elf Geschworenen zur Beratung zurück: Kommt es zu einer Einigung, so fällt vielleicht bereits am Mittwoch das Verdikt über den ehemaligen UBS-Aktienhändler, dessen unautorisierte Handelsabschlüsse am 14. September 2011 intern aufflogen. Wird Adoboli wegen Betrugs für schuldig befunden, so drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Maximal sieben Jahre könnte Adoboli im Gefängnis verbringen, falls das Gericht ihn wegen Fehlbuchhaltung verurteilt. Ist sich die Jury nicht auf Anhieb einig, so kann sich das Urteil bis Anfang nächster Woche verzögern.

Nicht nur in den Medien, sondern auch in der Konzernzentrale der UBS in Zürich wird der Adoboli-Prozess aufmerksam verfolgt. Zwar sitzt die Grossbank selbst nicht auf der Anklagebank und darf sich selbst auch nicht zum Prozess äussern. Doch der Prozessausgang ist in einer anderen Angelegenheit mitentscheidend: Gegen die UBS läuft ein Untersuchungsverfahren, das Behörden nur zwei Tage nach bekannt werden der Verluste in Gang setzten. Daran beteiligt sind die britische Finanzmarktaufsicht FSA sowie ihr Schweizer Pendant, die Finma. Sie könnten der UBS im Zuge der Aufarbeitung des Adoboli-Handelsverlusts weitere Sanktionen auferlegen.

Höchste Busse in der Geschichte

Dem Vernehmen nach dürfte es nicht mehr lange gehen, bis FSA und Finma ihre eigenen Untersuchungsergebnisse an die Öffentlichkeit bringen. Noch ist den Behörden Zurückhaltung auferlegt: Britische Prozessbestimmungen verlangen, dass der Adoboli-Prozess nicht durch das Enforcementverfahren der FSA gestört werden darf. Befindet das Gericht in Southwark den ehemaligen Trader für schuldig und verzichtet dieser auf Berufung, so haben die Behörden nach 28 Tagen jedoch grünes Licht. Eine zeitgleiche Verkündung der Ergebnisse ist nicht zwingend, aber doch wahrscheinlich, wie ein Sprecher der Financial Services Authority gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet sagt.

Eine Millionenbusse ist das Mindeste, was der UBS aus London noch blühen dürfte. Grossbritanniens Finanzmarktbehörde hat scharfe Zähne: Zu den Sanktionen, welche die FSA verhängen darf, gehören Rügen, Bussen und Berufsverbote für einzelne Bankangestellte und -manager. Die UBS traf es letztmals im Jahr 2009. Damals sprach die FSA wegen betrügerischer Transaktionen am Asiendesk der Vermögensverwaltung eine Geldstrafe über 8 Millionen Pfund gegen die UBS aus. Zum damaligen Zeitpunkt war dies die höchste Busse, welche die FSA je einer Bank aufgebrummt hatte. Massiv nach oben verschoben wurde diese Grenze später durch den Libor-Fall: Diesen Frühling mündeten die Untersuchungen über manipulierte Zinssätze in einer Strafe von 290 Millionen Pfund gegen die Bank Barclays.

Finma wird kein Geld von der UBS einfordern

Beim Urteil aus dem Jahr 2009 verbot die FSA einer UBS-Kundenberaterin und ihrem Vorgesetzten überdies die weitere Tätigkeit in der Finanzbranche. Ein ähnliches Mittel steht auch der Finma zu Verfügung: Laut Schweizer Gesetzgebung darf sie Berufsverbote verhängen oder Manager aus bestimmten Führungspositionen einer Bank entfernen. Eigentliche Bussen kann die Finma aber nicht verhängen. Die Behörde darf höchstens dann Geld von fehlbaren Banken einziehen, sofern diese durch die Verletzung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen tatsächlich Gewinne gemacht haben. Beim 2,3-Milliarden-Verlust der UBS-Investmentbank ist dies offensichtlich nicht der Fall.

Wie Finma-Sprecher Tobias Lux erklärt, steht die «Wiederherstellung des ordnungsgemässen Zustands» im Vordergrund von Sanktionen der Finma. Die Schweizer Aufsichtsbehörde machte bereits im Dezember 2011 eine Liste von 30 Punkten publik. Darin formulierte sie Erwartungen, wie sich Banken im Rahmen ihres Risikomanagements vor unautorisierten Handelsaktivitäten schützen sollen. Lux betont, dass die Schweizer Behörde die für ihr Verfahren relevanten Informationen selbst zusammengetragen habe. «Das Enforcementverfahren gegen die UBS hat einen anderen Fokus als der strafrechtliche Prozess gegen Adoboli in London», so Lux. Namentlich stehen die Angemessenheit und Rechtskonformität der bankinternen Kontrollmechanismen im Zentrum.

Drei weitere unautorisierte Handelsfälle

Die Finma ist also nicht darauf angewiesen, dass das Gericht in Southwark den Zeugen zufälligerweise die richtigen Fragen gestellt hat. Nichtsdestotrotz dürfte der Ausgang des Adoboli-Prozesses starke Hinweise darauf geben, in welche Richtung auch die Verdikte von Finma und FSA gehen werden. Ein partieller Freispruch Adobolis unter Verweis auf mangelhafte Kontrollmechanismen und eine korrumpierte Bankenkultur bei der UBS-Investmentbank wäre nur schwer vereinbar mit einer nachsichtigen Handhabung des Falls durch die Behörden. Schwer vorstellbar ist auch, dass die Verstrickungen zwischen Adoboli und seinen ehemaligen Kollegen, die der Prozess in London in den letzten Wochen ans Licht brachte, ohne Folgen für das Urteil von FSA und Finma bleiben könnten.

Für die UBS ist Schadensminderung angesagt. Nicht auszuschliessen ist, dass weitere Verantwortliche ihren Job quittieren müssen. So musste der Verantwortliche für die globale, operative Risikokontrolle der Bank, Colin Bell, im Kreuzverhör vor dem Londoner Gericht drei weitere Fälle von unautorisiertem Handel zugeben. Eine der involvierten Personen arbeitet nach wie vor bei der UBS. Neben dem ehemaligen Konzernchef Oswald Grübel und den beiden Co-Spitzen der Aktienabteilung in der Investmentbank, Yassine Bouhara und Francois Gouws, sollen als Folge der Affäre bis zu 40 Personen entlassen worden sein. Ob die behördlichen Verfahren für weitere UBS-Angestellte Konsequenzen haben werden, kann die Bank nicht kommentieren. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.11.2012, 14:53 Uhr

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