«Das A380-Terminal wird wohl eines Tages abgerissen»

Interview

Die arabische Airline Emirates braucht laufend mehr Platz. So wird der heutige Flughafen Dubai dereinst einem neuen weichen. Emirates-Manager Richard Jewsbury im Interview mit Bernerzeitung.ch/Newsnetz.

Einer von 31 Airbussen A380 der Airline Emirates: In den kommenden Jahren stossen 59 weitere Flugzeuge dieses Typs zur Flotte. Ein bis zwei davon könnten für Flüge zwischen Dubai und Zürich eingesetzt werden.

Einer von 31 Airbussen A380 der Airline Emirates: In den kommenden Jahren stossen 59 weitere Flugzeuge dieses Typs zur Flotte. Ein bis zwei davon könnten für Flüge zwischen Dubai und Zürich eingesetzt werden.

(Bild: Emirates)

Olivia Raths@tagesanzeiger

Anfang Januar wurde in Dubai das erste exklusive A380-Terminal der Welt eröffnet (wir berichteten). Wie läuft es?
Gut, wir sind sehr zufrieden damit. Der Concourse A wurde pünktlich und ohne Probleme eröffnet. Mit diesem Terminal stellen wir neuen Platz für unsere wachsende Flotte zur Verfügung. Man muss bedenken: Es ist zwar einfach, Flugzeuge zu bestellen. Das Schwierige ist, alles drum herum aufzustellen: Ingenieure, Piloten, Kabinenpersonal, den Verkauf, die Infrastruktur und so weiter.

Apropos Infrastruktur: Wie wird der Flughafen Dubai in einigen Jahren aussehen, wenn Emirates weiter wächst?
Irgendwann wird der jetzige Flughafen im Osten Dubais nach Jebel Ali im Westen verlegt. Dort gibt es mehr Platz für Expansion. Der neue Flughafen entsteht bereits und ist teilweise in Betrieb. Weil das Areal des heutigen Flughafens sehr wertvoll ist, könnte hier einst ein neuer Stadtteil oder ein Shoppingcenter entstehen. Dafür müssten die bestehenden Gebäude abgerissen werden – also auch das kürzlich eröffnete A380-Terminal. Aber es handelt sich ja um ein langfristiges Projekt mit einem Zeithorizont von 10 bis 20 Jahren.

Den heutigen Flughafen abreissen – eine heftige Begleiterscheinung des Wachstums von Emirates, deren Flotte sich allein in den nächsten Jahren beinahe verdoppeln wird. Und wo bringen Sie all die Flugzeuge weltweit unter?
Viele Flughäfen dieser Welt haben ungenutzte Kapazitäten, haben Wachstumspotenzial im Luftverkehr. Und die Nachfrage nach Flugreisen nimmt stetig zu, weil die Weltbevölkerung und die Weltwirtschaft wachsen – speziell in Asien, Afrika und Südamerika. Dieser Nachfrage wollen wir gerecht werden.

Ihre heutige Kernflotte besteht aus Airbus A380 und Boeing 777. Sind andere Flugzeuge wie der Dreamliner, der Airbus A350 oder gar Kurz- und Mittelstreckenmaschinen ein Thema für Emirates?
Den Airbus A350 haben wir zwar bestellt, aber dieser Typ ist noch in Entwicklung und hat noch keinen Flug hinter sich. Für den Kauf von Boeing 787 haben wir keine unmittelbaren Pläne. Ich glaube jedoch, dass dieser Flugzeugtyp trotz der aktuellen Probleme ein Erfolg sein wird. Es ist nicht aussergewöhnlich, dass neue Flugzeugtypen Kinderkrankheiten haben. Kurz- und Mittelstreckenmaschinen sind kein Thema für uns, weil unser Geschäftsmodell auf Langstreckenflugzeugen beruht – auch für kurze Strecken wie nach Muscat. Grosse Flugzeuge sind für uns kosteneffizienter, und die Prozesse sind einfacher. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Kernflotte aus A380 und Boeing 777.

Wie wichtig ist der Schweizer Markt für Emirates?
Er ist sehr wichtig, und zwar für Flüge von und nach Dubai. Die Schweiz ist zentral für unser Europageschäft. Wir flogen erstmals im August 1992 nach Zürich, das wir heute zweimal täglich bedienen. Im Juli 2011 folgte Genf, wo wir einmal täglich hinfliegen. Unsere Verbindungen in die Schweiz sind sehr erfolgreich und haben sich gut etabliert. 2012 transportierten wir über 500'000 Passagiere zwischen Dubai und der Schweiz, Tendenz steigend.

Fliegt Emirates bald mit einem A380 nach Zürich oder Genf, die bis jetzt mit Boeing 777 bedient wurden?
Eines Tages wird es kommerziell sinnvoll sein, die Boeing 777 mit ihren 354 Plätzen durch den A380 mit 517 Plätzen auf Flügen in die Schweiz zu ersetzen. Das hängt etwa davon ab, wann uns genügend A380 zur Verfügung stehen. Wir erhalten laufend neue Flugzeuge ausgeliefert. Ebenfalls kommt es auf die Wettbewerbs- und Marktsituation an. Weil Zürich als Emirates-Destination sehr gut etabliert ist, käme der Einsatz eines A380 erst einmal dort infrage und weniger in Genf, das jedoch auch erfolgreich ist.

Würden die zwei täglichen Dubai-Flüge ab Zürich auch beim Einsatz eines Emirates-A380 angeboten?
Ja, auf jeden Fall. Denkbar wäre, erst einmal einen der beiden Flüge mit dem A380 durchzuführen und den zweiten weiterhin mit einer Boeing 777. Je nachdem, wie sich der Markt entwickelt, käme irgendwann ein A380 für den zweiten Zürich-Flug infrage. Wir passen uns der Nachfrage an. Unser Wachstum soll stetig, nachhaltig und geplant sein.

Die europäischen Airlines sind auf Dauersparkurs, während Emirates laufend expandiert und investiert. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Airline?
Ich denke nicht, dass es ein «Geheimnis» gibt. Ein grosser Teil des Erfolgs beruht auf harter Arbeit und darauf, dass wir angemessen auf Marktentwicklungen reagieren können. Eine wichtige Rolle spielt auch das Wachstum von Dubai, das Hand in Hand geht mit demjenigen von Emirates. Dubai ist eine attraktive Destination für Geschäftsleute und Touristen. Ausserdem liegt sie geografisch ideal zwischen den Kontinenten. Emirates ist zudem eine innovative Airline. Wir waren die Ersten, die Bildschirme in den Sitzen anboten und jeweils Erstkunden bei den Flugzeugtypen A330-200, Boeing 777 und A380.

Fluggesellschaften wie Emirates operieren bekanntlich unter ganz anderen Voraussetzungen als europäische Airlines. Da sind Aspekte wie etwa das Fehlen des Nachtflugverbots oder des Lärmschutzes für die Bevölkerung. Was sagen Sie dazu?
Die lokale Regierung unterstützt das Wirtschaftswachstum, und das bedingt eine gute Luftfahrtstruktur. Unsere Flotte ist zudem sehr modern und vergleichsweise leise. Es herrscht in Dubai eine andere Einstellung gegenüber der Fliegerei als in Europa. Seit Jahrhunderten ist Dubai eine Drehscheibe im Welthandel. Dies und das Reisen – sei es mittels Schiffen oder in neuerer Zeit auch mit Flugzeugen – sind die Lebensader von Dubai. Die Verkehrsmittel werden als wichtige Verbindung zur Welt betrachtet und somit als Mittel zum Wohlstand.

Ende März startet das Joint Venture zwischen Emirates und der australischen Qantas. Sind ähnliche Kooperationen geplant – oder gar der Beitritt zu einer Luftfahrtallianz?
Wir haben weltweit viele Airline-Partnerschaften – etwa in Form von Codeshares oder gemeinsamen Vielfliegerprogrammen wie mit Easyjet. Die Zusammenarbeit mit Qantas ist eine grössere, doch etwas Ähnliches ist momentan nicht geplant – auch nicht der Beitritt zu einer Allianz. Dort gibt es viele Einschränkungen. Zudem nimmt unser Wachstum schon genug Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch. Wir sind aber keine Isolationisten, wie die genannten Partnerschaften zeigen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt