Crans-Montana vs. Andermatt – ein Vergleich

Das Luxusresort bei Crans-Montana darf gebaut werden, dasjenige von Sawiris in Andermatt ist bereits in Konstruktion. Die Ausgangslagen sind verschieden, die Kundschaft womöglich auch.

  • loading indicator
Olivia Raths@tagesanzeiger

Riesenprojekt in den Walliser Alpen: In Mollens bei Crans-Montana VS soll das Luxusresort Aminona der russischen Mirax-Gruppe entstehen. Das rund 650 Millionen Franken teure Projekt umfasst 160 Luxusappartements, 350 Hotelzimmer, 50 individuelle Chalets, eine 12'000 Quadratmeter grosse Geschäftszone mit Restaurants, Kunsteisbahn und Schwimmbädern sowie ein Konferenzzentrum. Die ganze Anlage soll im Endausbau über 2500 Betten verfügen.

Doch erst einmal waren drei Naturschutzverbände gegen das Projekt. Der Schweizer Heimatschutz, der WWF und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz erhoben beim Walliser Kantonsgericht Beschwerde. Nachdem sie im Juli 2011 abgewiesen worden war, gelangten die Verbände ans Bundesgericht. In der Zwischenzeit beschloss der Bundesrat allerdings, das betreffende Gebiet aus dem Bundesinventar von schützenswerten Trockenwiesen und -weiden zu streichen. So wurde die Beschwerde hinfällig und kürzlich abgewiesen. Der Bau des Resorts erhält somit grünes Licht.

Chance für Andermatt

Weiter östlich, im urnerischen Andermatt, entsteht ebenfalls ein Tourismusresort, und zwar ein mehrfach grösseres als in Crans-Montana. Das Projekt des Ägypters Samih Sawiris wird einst 490 Appartements und sechs Hotels umfassen – dies alles mit insgesamt rund 1000 Betten. Kostenpunkt: 1,8 Milliarden Franken. Welche Kundschaft wird in welchem Resort Einzug halten? «Man kann nicht sagen, der eine oder andere Ort ziehe eine bestimmte Klientel an. Dies ist etwas, das man aktiv beeinflussen kann», sagt Christian Lässer, Professor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement an der Universität St. Gallen, auf Anfrage. «Es kommt darauf an, mit welchen Strategien die entsprechenden Märkte bearbeitet werden.»

Crans-Montana und Andermatt hätten in diesem Zusammenhang ganz verschiedene Ausgangslagen. «Ersteres hat sich bereits als Jetset-Ort etabliert und verfügt über ausgebaute Strukturen», so Lässer. «Es ist klar weniger Marketing nötig, um dort den Jetset anzuziehen.» Dass in Andermatt praktisch auf der grünen Wiese ein Resort entsteht, sieht der Professor aber auch als Chance für den Ort.

Sonnenhang vs. Schattental

Dass das Andermatter Resort nicht jede Kundschaft anspricht, belegt etwa die Aussage des Berners Adrian Bratschi. Dieser verkauft mit seiner B Real Estate Immobilien an reiche Leute, darunter sind auch viele Ausländer. «Meine Käufer suchen Jetset-Orte. Wenn ich ihnen Andermatt zeigen würde, hätten die kein Interesse», sagte Bratschi gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz im letzten Sommer. Gleichzeitig aber bewundert er, was Sawiris macht: «Es braucht sehr viel Mut, ein solches Projekt an diesem Ort zu lancieren, und es braucht vor allem Zeit.»

Auch bezüglich der topografischen Voraussetzungen unterscheiden sich Andermatt und Crans-Montana stark voneinander. «Während der Walliser Ort an einem Südhang liegt, gibt es in Andermatt im Tal unten eher Schatten. Am Gemsstock beispielsweise findet man jedoch viel Sonne», erklärt Lässer. Der Schattenaspekt sei aber nicht zwingend ein Problem. Es gebe viele Leute auf der Welt, denen es mehr als recht sei, nicht den ganzen Tag an der Sonne zu sein.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt