Einblick in die süsse Welt von Camille Bloch

Der Ragusa-Hersteller will mit seinem neuen Besucherzentrum Kunden nach Courtelary locken. Dort können die Besucher die Schokolade riechen und kosten.

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Rahel Guggisberg

Im neuen Besucherzentrum von Camille Bloch riecht es nach Schokolade. Die ersten Gäste beobachten, wie eine Mitarbeiterin von Hand den Schokoladenriegel Ragusa selber giesst. Wer will, kann die fertige Schokolade kosten. «Es gibt für mich nichts Besseres als ganz frische Schokolade», sagt der Firmeninhaber Daniel Bloch.

«Die Konsumenten wollen heute wissen, woher die Produkte kommen, die sie ­essen.» Früher habe Camille Bloch darum Fabrikbesichtigungen durchgeführt. Wegen der strengen Richtlinien im Lebensmittelbereich sei dies aber nicht mehr möglich gewesen. Camille Bloch hat sich darum entschieden, ein Besucherzentrum im Berner Jura zu bauen.

Am Donnerstag gewährte das Unternehmen erstmals einen Einblick. Zu den ersten Gästen gehörten auch Bundesrat Schneider-Ammann, die Berner Regierungsrätin Beatrice ­Simon und die Skifahrerin und Markenbotschafterin Lara Gut. Mit dem Besucherzentrum habe man eine neue Form gefunden, um Kunden in die Welt der Schokolade eintauchen zu lassen, führte Bloch weiter aus.

Der 54-jährige hat das Familienunternehmen 1997 in dritter Generation von seinem Vater Rolf Bloch übernommen. Gegründet wurde die Schokoladenfirma 1929 von seinem Grossvater Camille Bloch in der Stadt Bern.

Rundgang mit Geschichte

Das Besucherzentrum «Chez Camille Bloch» in Courtelary ist für das Publikum ab dem 28. Oktober geöffnet. Es ist Teil eines grossen Bauvorhabens, in welches das Unternehmen knapp 40 Millionen Franken investiert hat. Vergrössert wurden die Produktions- und Logistikinfrastruktur: Die Kapazität wurde damit verdoppelt. Das war laut Bloch nötig, weil die Umsätze in den letzten zehn Jahren überdurchschnittlich wuchsen.

2016 produzierte Camille Bloch rund 3500 Tonnen Schokolade und erwirtschaftete damit einen Umsatz von rund 60 Millionen Franken. In den bestehenden Räumlichkeiten platzte der Schokoladeproduzent zuletzt aus allen Nähten. Was bietet das Besucherzentrum? Es widmet sich der Firmen- und der Familiengeschichte von Camille Bloch. Es gibt einen Teil rund um die Herstellung der Schokolade, ein Bistro und einen Verkaufsladen.

Auf einem Rundgang werden verschiedene Themen multimedial vermittelt. Ein historisches Foto aus der Anfangszeit zeigt zum Beispiel den Firmengründer Camille Bloch. Er fuhr damals mit seinem Militärvelo durch die Strassen der Stadt Bern, um Kunden zu akquirieren. In einem anderen Teil geht es um die Werbung. Ein Plakat zeigt, dass es im Sommer keine Schokolade zu kaufen gab. Es fehlten die Kühlmöglichkeiten. Weiter hinten kann man in einem Kino alte Filmaufnahmen anschauen.

Warum eine Erlebniswelt?

Viele Schweizer Schokoladenhersteller haben heute eigene Besucherzentren mit Fabrikläden. Führt das nicht zu einem Über­angebot? Der Marketingexperte Harley Krohmer von der Universität Bern sagt: «Die Tatsache, dass es viele gibt, bedeutet, dass der Markt sie trägt. In der Erlebniswelt kann die eigene Marke für die Kunden besonders gut dar­gestellt werden.»

Für viele Schweizer Hersteller sei der eigene Fabrikladen im Anschluss an die Erlebniswelt ein wichtiger Absatzkanal. «Im Fabrikladen hat der Hersteller die volle Kontrolle über Beratungsinhalte, Verkaufspreise, Präsentation der eigenen Produkte und die Platzierung im Regal», so Krohmer.

Gleichzeitig müsse im Fabrikladen die Gewinnmarge nicht mit einem externen Vertriebspartner wie einem Detailhändler geteilt werden. Zudem bekämen die Hersteller durch den direkten Kundenkontakt wertvolle Informationen über Kundenpräferenzen oder über Probleme bei den eigenen Produkten. Das sei sozusagen eine kostenlose Marktforschung.

Sehr erfolgreich ist die Museumsfabrik Maison Cailler in Broc FR. In der Romandie ist diese Musemusfabrik eine beliebte Touristenattraktion, 411'864 Besucher kamen letztes Jahr. Bei Camille Bloch rechnet man mit bis zu 100'000 Besuchern im Jahr. Daniel Bloch sagt: «Wir wollen in Zukunft gemeinsam mit den Leuten Schokolade herstellen und mit ihnen unsere Leidenschaft teilen.» Das alles soll in einer familiären Atmosphäre passieren, so wie sie auch im Betrieb herrsche.

Berner Zeitung

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