Berner verkauft sein Unternehmen für 250 Millionen an Google

Als Snowboardprofi machte Alain Chuard wenig auf sich aufmerksam, als Unternehmer umso mehr: Der Berner hat seine Firma Wildfire Interactive an Google verkauft. Branchenkenner schätzen den Preis auf mindestens 250 Millionen Dollar.

Erfolgreiche Unternehmer: Victoria Ransom und Alain Chuard haben Wildfire Interactive vor vier Jahren gegründet.<p class='credit'>(Bild: zvg)</p>

Erfolgreiche Unternehmer: Victoria Ransom und Alain Chuard haben Wildfire Interactive vor vier Jahren gegründet.

(Bild: zvg)

Jon Mettler@jonmettler

Alain Chuard stammt aus Bolligen. Sein Arbeitsort ist das Silicon Valley in Kalifornien, der Standort schlechthin für Spitzentechnologie. Der 38-Jährige und seine neuseeländische Freundin Victoria Ransom haben vor vier Jahren Wildfire Interactive mit Sitz in Redwood City gegründet. Das Unternehmen bietet Software an, mit der Firmen ihre Aktivitäten auf verschiedenen Social-Media-Plattformen aus einer Hand bewirtschaften können. Beispielsweise können sie Onlinewerbung auf Facebook platzieren.

400 Mitarbeiter

Wildfire ist inzwischen zu einem Unternehmen mit 400 Mitarbeitern gewachsen. Zu den Kunden gehören Spitzenmarken wie Sony, Virgin, Amazon und Unilever. Da erstaunt es nicht, dass Chuards Firma die Aufmerksamkeit der ganz grossen Akteure im Silicon Valley auf sich gezogen hat. Wie nun bekannt wurde, hat Google Wildfire zu einem nicht näher präzisierten Preis gekauft. Kenner schätzen in ihren Fachweblogs die Summe auf 250 bis 450 Millionen Dollar.

Der amerikanische Traum

Chuard und Ransom sind damit über Nacht zu Multimillionären geworden. Der Berner hat so eine lange Karriere als Unternehmer und Programmierer mit Erfolg gekrönt. Chuard verfügt über einen Master of Business Administration der Stanford Graduate School of Business. Erste Erfahrungen im Geschäftsleben sammelte er im Tourismus. So entwickelte er eine internetbasierte Software für den Kundendienst von Reiseveranstaltern. Der Berner hat auch Erfahrung als Finanzanalyst. Er arbeitete zwei Jahre in New York für die Bank Salomon Smith Barney.

Chuard glaubt nicht, dass sich nun viel verändern wird. «Ich wohne immer noch gemeinsam mit Victoria in einem Mietshaus», sagte er gegenüber «20 Minuten». «Ich glaube, dass sie weiterhin ihren Honda Civic fahren wird. Ich leiste mir eventuell ein neues Snowboard.» Vor seiner Zeit als Unternehmer war Chuard Snowboardprofi und nahm an der World-Cup Pro Tour teil. Von 1994 bis 1996 war er die Nummer vier in der Schweiz.

«Wir glauben, dass im Verlauf der Zeit die Kombination zwischen Wildfire und Google zu einer besseren Plattform führen kann, wo das gesamte digitale Marketing bewirtschaftet werden kann», schreiben Chuard und Ransom auf der Website ihres Unternehmens.

Google will aufholen

Mit dem Zukauf versucht Google, im wachsenden Onlinewerbemarkt gegenüber Facebook Boden gutzumachen. Das weltweite Volumen für Onlinewerbung wird für 2012 auf 8 Milliarden Dollar geschätzt. Im vergangenen Jahr waren es noch 5,5 Milliarden Dollar. Spekulationen um einen Verkauf von Wildfire wurden bereits angeheizt, als mit Vitrue und Buddy Media zwei Mitbewerber verkauft wurden. Es ist sogar die Rede davon, dass Facebook Interesse an Wildfire bekundet habe.

Doch nicht nur deswegen taucht der Name des sozialen Netzwerks in Zusammenhang mit Wildfire auf. Facebook ist indirekt am Unternehmen beteiligt. Über die Gemeinschaftsfirma fbFund hat Facebook Wildfire Startkapital zur Verfügung gestellt. Die Internetgemeinde nimmt zudem mit einer gewissen Belustigung zur Kenntnis, dass die jüngere Schwester von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nun ausgerechnet für die Konkurrenz arbeitet. Arielle Zuckerberg ist Produktmanagerin bei Wildfire und bezieht ab sofort ihren Lohn von Google.

Berner Zeitung

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