Bankangestellte ärgern sich über die Superboni ihrer Chefs

In den Grossbanken gärt es. Mitarbeiter gehen auf Distanz zu den Top-Verdienern.

Boni an Kaderleute schüren den Unfrieden bei Mitarbeitern der CS: Im Bild das Zentrum Üetlihof.

Boni an Kaderleute schüren den Unfrieden bei Mitarbeitern der CS: Im Bild das Zentrum Üetlihof.

(Bild: Doris Fanconi)

Bruno Schletti@tagesanzeiger

Besonders gross ist die Verstimmung innerhalb der Credit Suisse, wo diesen Frühling nie dagewesene Summen den Besitzer wechselten. Von der Ausschüttung der sogenannten PIP-I-Einheiten – den Boni des Geschäftsjahres 2004 – profitierten unter anderen Konzernchef Brady Dougan mit 71 Millionen Franken, Investmentbank-Chef Paul Calello mit 37 und der Chef des Private Banking, Walter Berchtold, mit 34 Millionen. Der designierte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner erhielt 9 Millionen Franken, Finanzchef Renato Fassbind wurden 5 Millionen zugesprochen. Und selbst dem vor Jahresfrist bei der Konkurrentin UBS untergekommenen Ulrich Körner wurden nachträglich noch 20 Millionen gutgeschrieben.

«Jenseits von allem Anstand»

Bei diesen Summen stockt selbst Kaderleuten der Bank der Atem. Ein Mitarbeiter im Rang eines Director – der Stufe unterhalb des Top-Managements – schreibt dem «Tages-Anzeiger»: «Jetzt stellt sich heraus, dass unsere obersten Herren Geldsummen einstreichen, die jenseits von allem Anstand sind.» Und weiter: «Sie können sich sicher vorstellen, wie die Stimmung unter den Mitarbeitern bis auf meine Stufe ist: Alle sind sehr verärgert und frustriert, machen die Faust im Sack und müssen sich in der Öffentlichkeit noch anhören, wie viele Boni sie doch wieder bekommen hätten.» Der Mann schreibt anonym, weil er «von der CS und ihren obersten Repräsentanten abhängig» sei.

Der Mitarbeiter sagt aus, dass die Bonussumme auf der Stufe der Directors bei der CS Schweiz im Jahr 2008 um 20 Prozent gekürzt worden sei, 2009 um weitere 17 Prozent. Die Kommunikationsabteilung der Bank bestreitet die Richtigkeit dieser Angaben. Die korrekten Daten rückt sie aber nicht heraus. Man äussere sich nicht zu internen Zahlen, ist die Begründung. Im Übrigen würden Directors bei der Credit Suisse gut verdienen.

Boni bei vielen gekürzt

Der Verfasser des Schreibens beschwert sich nicht über sein Salär. Er kritisiert, dass die CS bei 98 Prozent der Schweizer Mitarbeiter die Boni eingefroren oder gekürzt habe, damit sie den obersten 2 Prozent im Top-Management riesige Summen auszahlen konnte. «Eine absolute Unverschämtheit! So wird sozialer Unfrieden geschürt und die Abzockerei auf die Spitze getrieben.»

Von den gut 20'000 Mitarbeitenden, welche die CS in der Schweiz beschäftigt, zählt die Hälfte zum Fussvolk. 29 Prozent gehören dem Mittelbau an – die sogenannten Assistent Vice Presidents. Über ihnen ist die Gruppe der Vice Presidents – 12 Prozent. Und 7 Prozent tragen den Titel Director. Damit bleiben 2 Prozent, die dem Top-Management angehören. Diese Zahlen stimmen gemäss CS «ziemlich genau». Der Verfasser des Schreibens scheint doch ziemlich gut informiert zu sein.

Verbände bestätigen Unmut

Barbara Gisi, Leiterin Angestelltenpolitik beim Kaufmännischen Verband Schweiz, bestätigt den wachsenden Unmut unter den Bankangestellten: «Das Unverständnis gegenüber den grossen Boni nimmt unbestreitbar zu.» Gleichzeitig stellt sie aber «eine immer noch recht grosse Loyalität» der Bankangestellten gegenüber ihren Führungskräften fest. Das sei wohl damit zu erklären, dass auch Bankangestellte in niedrigeren Chargen einen Bonus bekommen. «Da ist man froh, dass wenigstens ein paar Brosamen abfallen.»

Auch Denise Chervet, Zentralsekretärin des Schweizerischen Bankpersonalverbands, bestätigt die Unzufriedenheit vieler Bankangestellter mit den hohen Boni ihrer Kader. Diese würden besonders in jenen Arbeitsbereichen als störend empfunden, die von Restrukturierungsmassnahmen betroffen seien. «Das Argument, dass man den Top-Bankern aus Konkurrenzgründen solch hohe Boni zahlen muss, dient vor allem jenen, die über die Boni entscheiden», sagt Chervet.

Tages-Anzeiger

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