BLS kann keine neuen Lötschberger bestellen

Die BLS will ihre alten Züge mit neueren Lötschbergern ersetzen. Doch der Bund sagt, der Lötschberger genüge den heutigen Anforderungen nicht mehr. Nun muss das Berner Bahnunternehmen eine andere Lösung finden – das dauert länger und wird teurer.

Der Regionalexpress Lötschberger genügt den neusten Anforderungen nicht mehr. Nun muss die BLS nach anderem Rollmaterial als Ersatz für ihre alten Züge Ausschau halten.

Der Regionalexpress Lötschberger genügt den neusten Anforderungen nicht mehr. Nun muss die BLS nach anderem Rollmaterial als Ersatz für ihre alten Züge Ausschau halten.

(Bild: BLS/zvg)

Mirjam Comtesse

Auf den Strecken Bern–Luzern und Bern–Neuenburg fahren alte Kompositionen der BLS. «Es kommt immer wieder zu Störungen», sagt BLS-Sprecher Michael Blum. Zum Beispiel sei es in den Stosszeiten nicht immer möglich, mehr Wagen an die Pendelzüge anzuhängen. «Das führt zu Platzproblemen und ist unangenehmen für unsere Kundinnen und Kunden.»

Deshalb möchte das Berner Bahnunternehmen diese alten EW-III-Wagen so schnell wie möglich ersetzen. Am liebsten schon 2016 statt wie ursprünglich vorgesehen erst 2020. 18 zusätzliche Lötschberger-Züge wollte die BLS dafür bestellen und auf die Schienen stellen.

Anderes Rollmaterial nötig

Das Herstellerkonsortium Bombardier/Alstom erkundigte sich beim Bundesamt für Verkehr (BAV), ob die Züge ohne Anpassungen erneut eine Zulassung erhalten würden. Die Antwort, die gestern bekannt wurde, stellt die BLS vor eine Herausforderung: Der Lötschberger entspreche den heutigen Anforderungen nicht mehr und könne nur mit grossem Zusatzaufwand zugelassen werden.

Was das heisst, erklärte BAV-Sprecherin Olivia Ebinger auf Anfrage: Entweder würden die Wagen nachgerüstet, es gebe neue Sicherheitsnachweise, oder die BLS suche anderes Rollmaterial. Auf letztere Variante läuft es hinaus. Denn für neue Fahrzeuge gelten heute deutlich strengere Normen als für bisherige. Bei einem Brand beispielsweise muss die Hitzebeständigkeit länger garantiert sein. Das heisst, die Materialien dürfen noch weniger schnell schmelzen oder sich verformen.

Olivia Ebinger betont aber auch: «Die alten Lötschberger-Kompositionen können weiterhin fahren.» Es gebe keinerlei Sicherheitsbedenken. «Sonst würden wir Nachrüstungen verlangen.» Das sei nicht der Fall.

Mutz-Zug ist keine Lösung

Das zweitgrösste Schweizer Bahnunternehmen BLS fängt nun wieder bei null an: «Wir werden ein längerfristig ohnehin geplantes Beschaffungsverfahren aufgleisen», sagt Michael Blum. «Dabei werden wir von Grund auf festlegen, was für ein Fahrzeug wir brauchen.» Den Umfang der Ausschreibung könne er noch nicht beziffern. Auch nicht, wie gross der betriebswirtschaftliche Schaden durch die Umtriebe sei.

Bis die neuen Züge da sind, werde es sicher 2020. Damit müssen sich die Bahnpassagiere auf den Strecken Bern–Luzern und Bern–Neuenburg länger gedulden, bis sie von einsatzfähigeren Zügen profitieren.

Für die BLS wäre die Nachbestellung der Lötschberger-Züge die einfachste und kostengünstigste Lösung gewesen. Jetzt wird sie anderes Rollmaterial kaufen müssen. «Je durchmischter unsere Flotte ist, desto teurer ist die Instandhaltung», sagt Blum. Den modernsten Zug in der Flotte, den Mutz, kann die BLS nicht als Ersatz für die alten EW III nehmen: «Ein Doppelstöcker kann im Entlebuch nicht fahren.»

Kaum Überraschungen möglich

Sorgt das Bundesamt für Verkehr für Unsicherheit, wenn die Bahnunternehmen bisherige Züge nicht einfach nachbestellen können? «Die Schweizer Bahnen kennen das Vorgehen», sagt Olivia Ebinger. Für die Passagiere sei es sinnvoll, dass neue Züge auch den aktuellen Vorschriften entsprächen.

Angesichts der langen Lieferfristen fragt sich auch, ob es möglich ist, dass die Normen während des Beschaffungsprozesses plötzlich ändern. Die 59 Doppelstockzüge, welche die SBB bei Bombardier in Auftrag gaben, haben immerhin rund zwei Jahre Verspätung. Diese Gefahr bestehe nicht, sagt Olivia Ebinger. «Es ist nicht so, dass Bombardier die Züge baut, und wenn sie fertig sind, werden sie auf ihre Zulassungsfähigkeit überprüft.» Bereits in der Bauphase seien Fachleute vom BAV sowie internationale Experten involviert. «Der Zulassungsprozess verläuft parallel zum Bau.»

Berner Zeitung

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