BLS erstmals seit 1995 im Minus

Trotz eines erfolgreichen Geschäftsjahres hat die BLS im letzten Jahr einen Verlust von 12,6 Millionen Franken geschrieben.

Die BLS verzeichnete 2018 einen Anstieg der Passagiere um zwei Prozent.

Die BLS verzeichnete 2018 einen Anstieg der Passagiere um zwei Prozent.

(Bild: Adrian Moser)

Julian Witschi

Die BLS weist für das Jahr 2018 einen Verlust von 12,5 Millionen Franken aus. Das Berner Transportunternehmen schreibt damit erstmals seit 1995 rote Zahlen. Betrieblich lief es zwar erfolgreich, und es hätte ein Rekordgewinn von fast 24 Millionen Franken resultiert. Aber zwei Sondereffekte belasteten das Ergebnis: ein Abschreiber von 7 Millionen Franken bei der Schifffahrt und eine Rückstellung von 29,4 Millionen Franken.

Grund für die Rückstellung ist, dass die BLS von 2014 bis 2017 zu hohe Abgeltungenvon Bund und Kantonen kassiert hatte. Im Gegensatz zum Postauto-Skandal wirft das Bundesamt für Verkehr der BLS keine Buchhaltungstricks vor.

Vielmehr erwiesen sich die über mehrere Jahre geglätteten Zinskosten als zu hoch. Die Glättung wurde vereinbart, um zum Beispiel die Zinskosten für die Finanzierung von Rollmaterial über die Nutzungsdauer von 25 Jahren gleichmässig zu verteilen.

Die zu hohen Beträge muss die BLS nun kompensieren, indem sie von 2019 bis 2022 tiefere Abgeltungen der öffentlichen Hand erhalten wird. Den gesamten Betrag von 29,4 Millionen Franken hat das Unternehmen der Rechnung 2018 belastet.

So resultieren statt eines Gewinnes rote Zahlen bei der BLS, die letzten Herbst ein neues Sparprogramm aufgegleist hat: Bis 2023 will Konzernchef Bernard Guillelmon die Kosten um jährlich 50 bis 60 Millionen Franken senken. Dazu werden bis zu 170 Vollzeitstellen gestrichen. Dies vorab mit Pensionierungen und freiwilligen Abgängen. Entlassungen soll es maximal 45 geben.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Vollzeitstellen bereits um 17 auf 2899 gesunken. Dabei ist die Leistung des Unternehmens deutlich gestiegen: Die Passagierzahlen nahmen bei allen Transportmitteln (Bahn, Bus, Schiff und Autoverlad) zu.

Gesamthaft beförderte die BLS 66,3 Millionen Passagiere, mehr als je zuvor. Der Umsatz stieg um 7,2 Prozent auf gut 1,1 Milliarden Franken. Vor Sondereffekten erzielten alle vier Geschäftsfelder Gewinn.

Zusätzliche Einnahmen möchte die BLS im Fernverkehr generieren. Das Bundesamt für Verkehr teilte ihr aber nur die beiden wenig gewinnträchtigen Strecken Bern–Biel und Bern–Burgdorf–Olten zu. Und dagegen ist immer noch die Beschwerde der SBB beim Bundesverwaltungsgericht hängig.

Die BLS bereitet sich weiterhin auf eine Betriebsaufnahme ab Dezember 2019 vor. Sie hat dazu bei Stadler acht weitere Mutz-Doppelstockzüge bestellt. BLS-Sprecher Stefan Dauner sagt, es sei sehr wichtig, dass die BLS nun baldmöglichst Klarheit erhalte.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt