BKW schreibt eine halbe Milliarde ab

Wegen tiefen Strompreisen: Der Berner Energiekonzern korrigiert den Wert seines Produktionsparks um eine halbe Milliarde Franken nach unten. Der Verlust 2013 beträgt bis zu 250 Millionen Franken.

Urs Gasche, der Verwaltungsratspräsident BKW (rechts) und Suzanne Thoma, die BKW-Geschäftsführerin, verzeichnen fürs Geschäftsjahr 2013 einen Reinverlust.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Urs Gasche, der Verwaltungsratspräsident BKW (rechts) und Suzanne Thoma, die BKW-Geschäftsführerin, verzeichnen fürs Geschäftsjahr 2013 einen Reinverlust.

(Bild: Keystone)

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Die Schweiz ist wie geschaffen für die Stromproduktion: Dank der vielen Flüsse und dem Gefälle in den Alpen lassen sich die Wasserkraft und die damit verbundene Pumpspeicherung ideal nutzen. Entsprechend gross sind in der Regel die Produktionsparks der Energiekonzerne, das gilt besonders für die Berner BKW.

Heute allerdings ist eine hohe Eigenproduktion eher ein Nachteil. Der Grund sind die europaweit tiefen Strompreise – hervorgerufen durch die Schwemme an subventionierten erneuerbaren Energien und den billigen Kohlestrom Deutschlands. Die Folge: Selbst die Produktion von Wasser- oder Atomstrom ist mittlerweile zum Teil unrentabel. Mit anderen Worten: Es wäre vorteilhafter, den Strom nur zu handeln, statt ihn selber zu produzieren.

90 Millionen wegen AKW

Voll zu spüren bekommt den Preiszerfall im Strommarkt auch die BKW. Der staatsnahe Konzern muss den Wert seines Produktionsparks deswegen jetzt massiv nach unten korrigieren: Die Wertberichtigungen und die Rückstellungen für belastende Energiebezugsverträge belaufen sich auf 500 Millionen Franken. Das zeigen die provisorischen Zahlen für das Geschäftsjahr 2013, die seit gestern vorliegen. Wegen der hohen Sondereffekte rechnet die BKW mit einem Reinverlust von 200 bis 250 Millionen Franken.

Vom Abschreiber betroffen ist auch das Atomkraftwerk Mühleberg. Sven Bucher, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), schätzt die Wertberichtigung auf 90 Millionen Franken. Diese Zahl hänge mit dem vorzeitigen Ende von Mühleberg im Jahr 2019 zusammen, schreibt er in seinem Kommentar. Bei der BKW heisst es nur, bei Mühleberg mache die Wertberichtigung «einen hohen zweistelligen Millionenbetrag» aus. Auf welche Anlagen sich die restlichen Berichtigungen aufteilen, gibt die BKW nicht im Detail bekannt. Betroffen sind laut Sprecher Antonio Sommavilla aber alle fossil-thermischen Anlagen sowie primär alle Anlagen «neueren Datums». Dazu dürfte beispielsweise auch das Wasserkraftwerk Hagneck gehören.

Rückstellungen hat die BKW etwa für die Gaskraftwerke im italienischen Tamarete und in Livorno Ferraris sowie das Kohlekraftwerk im norddeutschen Wilhelmshaven vorgenommen. Das bedeutet: Die BKW ist vertraglich verpflichtet, den Strom dieser Anlagen zu beziehen, sie erwartet aber, dass sie die Energie unterhalb der Produktionskosten verkaufen muss.

«Operativ sehr erfreulich»

Dass der Abschreiber von insgesamt einer halben Milliarde Franken ein «namhafter Betrag» ist, wie Sommavilla sagt, zeigt sich auch an den Relationen zum Gesamtwert der BKW-Anlagen per Ende des Jahres 2012. So betrug der Nettowert des Produktionsparks rund 1,3 Milliarden Franken. Mühleberg dürfte davon rund 300 bis 400 Millionen Franken ausmachen. Hinzu kommen die Beteiligungen an Kraftwerken im In- und Ausland von rund 1 Milliarde Franken.

Allerdings: Ganz so dramatisch sind die Zahlen der BKW dann doch wieder nicht. Zwar erwirtschafteten die rund 3000 Angestellten 2013 mit 2,7 Milliarden Franken einen leicht tieferen Umsatz als 2012. Doch ohne die Sondereffekte hätte die BKW 2013 einen Reingewinn von rund 150 Millionen Franken erzielt. «Operativ hat sich das Geschäft sehr erfreulich entwickelt», schreibt ZKB-Analyst Bucher. So will die BKW auch für 2013 eine Dividende ausschütten: Sie soll 1.20 Franken pro Aktie betragen.

Auch die Börse reagierte positiv auf die provisorischen Zahlen des Berner Energiekonzerns. Die Aktie schloss bei 29.40 Fr. (plus 1,38 Prozent).

Berner Zeitung

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